{"id":896,"date":"2017-01-31T13:08:00","date_gmt":"2017-01-31T12:08:00","guid":{"rendered":"https:\/\/rib-ev.de\/?p=896"},"modified":"2024-07-19T15:03:24","modified_gmt":"2024-07-19T13:03:24","slug":"daks-newsletter-januar-2017-ist-erschienen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rib-ev.de\/?p=896","title":{"rendered":"DAKS-Newsletter Januar 2017 ist erschienen!"},"content":{"rendered":"\n<p>Das neue Jahr beginnt mit einem Paukenschlag: der deutsche Kleinwaffenhersteller SIG Sauer hat einen Gro\u00dfauftrag der US-Armee f\u00fcr die Lieferung von halbautomatischen Pistolen erhalten und Heckler &amp; Koch ist leer ausgegangen. \u2013 Mehr dazu im neuen Newsletter!<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Weiterempfehlen: Wenn Sie den Kleinwaffen-Newsletter abonnieren wollen<br>(als kostenlose E-Mail), senden Sie uns einfach eine <a href=\"mailto:daks-news@rib-ev.de?subject=Kleinwaffen-Newsletter\">Mail<\/a> mit dem Stichwort<br>\u201eKleinwaffen-Newsletter\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>SIG Sauer: Pistolen f\u00fcr die US-Armee<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Waffenkonzern <a href=\"http:\/\/sigsauer.de\/wp-content\/uploads\/SigSauer_Fachpressemitteilung_US-ARMY.pdf\">SIG<\/a><a href=\"http:\/\/sigsauer.de\/wp-content\/uploads\/SigSauer_Fachpressemitteilung_US-ARMY.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"> <\/a><a href=\"http:\/\/sigsauer.de\/wp-content\/uploads\/SigSauer_Fachpressemitteilung_US-ARMY.pdf\">Sauer<\/a> hat einen Liefervertrag abgeschlossen, der Waffenproduzenten jubeln l\u00e4sst: Die US-Armee wird ihre Dienstpistolen vom Typ M9 von Beretta (Italien) ab Ende 2017 nach und nach ausmustern und diese (unter der internen Bezeichnung M17) in den n\u00e4chsten 10 Jahren durch die Pistole 320 von SIG Sauer ersetzen. (Ersetzt werden \u00fcbrigens auch andere Modelle von SIG Sauer selbst, wie die M11 bzw. P228.) Das R\u00fcstungsInformationsB\u00fcro schreibt von einem \u201eMega-Deal\u201c, was angesichts eines Auftrags von 580 Millionen Euro und der immens hohen St\u00fcckzahl (laut Firmeninformation insgesamt \u00fcber 400.000 f\u00fcr Heer und andere Teilstreitkr\u00e4fte) gerechtfertigt ist. Auch gehe, so RIB, eine \u201e30-j\u00e4hrige \u00c4ra\u201c zu Ende, denn zuk\u00fcnftig werden US-amerikanische SoldatInnen (und ihre Alliierten) mit \u201edeutschen\u201c Pistolen schie\u00dfen. Wobei das Adjektiv \u201edeutsch\u201c eigentlich nicht zutrifft, denn die P320 sei, so die Firma, in den USA bei SIG Sauer Inc. (Exeter, Bundesstaat New Hampshire) entwickelt worden und werde auch dort produziert werden. Die deutsche Firma SIG Sauer GmbH &amp; Co. KG mit Sitz in Eckernf\u00f6rde will sich, nach illegalen Waffenexporten, die von R\u00fcstungsexportgegnerInnen 2014 aufgedeckt wurden, auf Sportwaffen-Produktion beschr\u00e4nken, was ja erst einmal eine leichte Verbesserung in der Schusswaffenproduktion darstellt. (Sie zielen aber auch auf den Beh\u00f6rdenmarkt, sprich Polizei.) Mehr und mehr wird diese Firma milit\u00e4rische Schusswaffen nur noch von ihrer \u201eSchwestergesellschaft\u201c in den USA herstellen lassen (wo bereits viele Polizeien mit Waffen dieser Firma arbeiten, Tendenz steigend). Wie gesagt, das ist ein guter Schritt, aber es werden ja weiterhin Kriegswaffen produziert! \u2013 Und ob nicht doch in Schleswig-Holstein hergestellt wird, ist ja auch nicht sicher. Immerhin hei\u00dft es in der Pressemeldung der Firma, was die europ\u00e4ischen Waffenkunden betrifft: \u201eDie <a href=\"http:\/\/sigsauer.de\/wp-content\/uploads\/SigSauer_Fachpressemitteilung_US-ARMY.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Teilfertigung<\/a> [der P320] am deutschen SIG SAUER-Standort in Eckernf\u00f6rde f\u00fcr den europ\u00e4ischen Markt ist angelaufen und wird 2017 den Vollbetrieb aufnehmen.\u201c Wer wei\u00df, ob da nicht doch solche (oder andere) Pistolen f\u00fcr den US-Markt gebaut werden?<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Bei der P320 handelt es sich um ein modulares Waffenkonzept, bei dem Griffe und Kaliber gewechselt werden k\u00f6nnen, wie es die Ausschreibung f\u00fcr ein \u201eModular Handgun System (<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Modular_Handgun_System\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">MHS<\/a>)\u201c verlangt hatte. Die Waffe wird in drei Ausf\u00fchrungen angeboten (Full Size, Compact und Subcompact) und verschie\u00dft wahlweise (so die Firmenangaben) die Kaliber 9 mm Parabellum (das ist 9\u00d719 mm), .40 S&amp;W (das ist 10\u00d721 mm), .45 ACP (das ist 11.43\u00d723 mm) oder .357 SIG (das ist 9\u00d722 mm). Die Pistole besteht aus glasfaserverst\u00e4rktem Kunststoff (grob gesagt aus Polymeren), wie etwa auch das G36 von Heckler &amp; Koch, was die Waffe zwischen 50 und 100 Gramm leichter als das Beretta-Modell macht. Nebenbei ist es spannend zu sehen, dass SIG Sauer bzw. das damalige Modell P226 (Grundlage der sp\u00e4teren P228) bei der <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Beretta_M9\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Einf\u00fchrung der M9<\/a> nur knapp und anscheinend aus Kostengr\u00fcnden gegen Beretta unterlag, wie es in einem Bericht des General Accounting Office hei\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerhard Hegmann (fr\u00fcher mal Pressesprecher bei Siemens) schreibt in der <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/print\/die_welt\/wirtschaft\/article161381995\/US-Soldaten-bekommen-deutsche-Plastikpistolen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><em>Welt<\/em><\/a> von \u201ePlastikpistolen\u201c, was als Anspielung auf das politische Gerangel um das G36-Gewehr zu verstehen ist. Weiter hei\u00dft es in diesem Artikel: \u201eDie Waffenfirma geh\u00f6rt seit 16 Jahren der privaten deutschen L&amp;O Holding, zu der die deutschen Aktivit\u00e4ten, die US-Tochter und die Schweizer Swiss Arms geh\u00f6rt. L&amp;O ist die Abk\u00fcrzung f\u00fcr die Inhaber Michael L\u00fcke und Thomas Ortmeier. Die Firma ist in einer komplexen Firmenstruktur sowohl im Zivilmarkt mit Jagd- und Sportwaffen als auch im Milit\u00e4r- und Sicherheitsmarkt t\u00e4tig.\u201c Klingt ungut! Auch die Werbung, die der SIG Sauer-Konzern durch diesen Pistolen-Auftrag bekommt, zus\u00e4tzlich zu den ohnehin laufenden US-Gesch\u00e4ften mit dortigen Sicherheitskr\u00e4ften (und eventuell dem Weiterexport in menschenrechtlich inakzeptable Staaten), l\u00e4sst nichts Gutes erwarten. In der <a href=\"http:\/\/sigsauer.de\/wp-content\/uploads\/SigSauer_Wirtschaftspressemitteilung_US-ARMY.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Pressemeldung<\/a> der Firma liest man \u00fcber den deutschen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Franz von Stauffenberg: \u201eVon Stauffenberg verspricht sich davon auch R\u00fcckenwind f\u00fcr die deutsche SIG SAUER Gesellschaft.\u201c Und Stauffenbergs Einsch\u00e4tzung der US-Gesch\u00e4ftspolitik wird so zitiert: \u201eSo sind wir in der Lage, diese qualitativ hochwertige Pistole auch in Deutschland angepasst an deutsche bzw. europ\u00e4ische Spezifikationen zu fertigen und k\u00f6nnen so von der Entwicklungsarbeit unserer Schwester in den USA profitieren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem positioniert sich SIG Sauer sich etwas besser im Ringen um die Nachfolge des G36. Die US-Armee weist hier vielleicht den Weg: Denn auch wenn die M17 wirklich in den USA produziert wird, hat \u2013 nach Beretta \u2013 wieder eine ausl\u00e4ndische Firma einen wichtigen (Waffen-)Ausr\u00fcstungsauftrag bekommen, und nicht die inl\u00e4ndische Firma Smith &amp; Wesson. Beim G36 k\u00f6nnte es \u00e4hnlich laufen, wenn die Waffen f\u00fcr die deutschen SoldatInnen aus Exeter \/ USA kommen. M\u00f6gliche Entwicklung? Durchaus.<\/p>\n\n\n\n<p>Letzte Frage \u2013 das ist ja fast eine Wiederholung wie bei (dem allerdings sehr kriegerischen) Cato: \u201eWohin gehen die Beretta-Altwaffen? Werden sie verkauft, verschenkt oder eingemottet? Denn zerst\u00f6rt werden sie sicher nicht! Was tut die deutsche Firma und die ATT-Unterzeichnerin Angela Merkel?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wirtschaftsministerin Zypries: Hoffnung f\u00fcr Waffenexportreduzierung?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><a><\/a> Mit der neuen Frau im Wirtschaftsministerium kommt unweigerlich die Frage auf, wie unter ihrer Leitung die R\u00fcstungsexportpolitik sein wird \u2013 auch wenn diese Besetzung nur eine Zwischenl\u00f6sung bis zur Bundestagswahl sein soll. Brigitte Zypries hat als Justizministerin \u201eunter\u201c Gerhard Schr\u00f6der Regierungserfahrung gesammelt und ist dadurch gleichzeitig mit den entscheidenden Akteuren des politischen Betriebs bekannt und sicherlich auf die eine oder andere Art b\u00fcndnistechnisch verbandelt. Sie blieb Ministerin im Kabinett Merkel I und war sp\u00e4ter in Merkel III als Parlamentarische Staatssekret\u00e4rin in Gabriels Wirtschaftsministerium t\u00e4tig, hier war sie f\u00fcr die Bereiche IT und Luft- und Raumfahrt verantwortlich. Als St\u00f6rfaktor, was R\u00fcstungsexporte betrifft, ist sie keineswegs bekannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotzdem bietet ein \u00dcbergang zu einer neuen F\u00fchrungskraft immer die M\u00f6glichkeit, bisherige Politik zum Besseren zu \u00e4ndern und endlich das zu tun, was bis dahin unmachbar schien. Richtig w\u00e4re nat\u00fcrlich eine Verminderung der Kriegsmaterialexporte, beginnend mit Lieferungen in Konfliktregionen und Kriegsgebiete (Beispiel Mexiko) und an undemokratisch regierte L\u00e4nder (Beispiel Saudi-Arabien, in dem Fall sogar mit Kriegsbeteiligung im Jemen). Auch ein R\u00fcstungsexportgesetz ist weiterhin eine Forderung, mit der sich die Juristin Zypries befassen muss! Was dagegen spricht, dass wir einen Wandel erwarten d\u00fcrfen: Zypries ist eine \u00dcbergangsministerin und wird, falls sie nicht \u00fcberraschenderweise die dringend n\u00f6tige Courage hat, von den KarriereplanerInnen (Merkel, Gabriel, Schulz usw.) f\u00fcr die Zeit nach der Wahl nicht viel Spielraum zugebilligt bekommen. Und sie hat eine langj\u00e4hrige politische Kooperation mit hochrangigen \u201eExportverbrecherInnen\u201c, seit ihrer Zeit in Schr\u00f6ders Landesregierung Niedersachsens und sp\u00e4ter in den Regierungsmannschaften von 2002 bis 2017. Daf\u00fcr spricht ein bisschen, dass aufgrund ihrer regionalen Herkunft Kassel und ihres Wahlkreises Darmstadt vermutlich keine bedeutenden lokalen Verkn\u00fcpfungen mit R\u00fcstungskonzernen bestehen. Von der ARD (<a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/portrait-zypries-101.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Christoph Scheld<\/a>) wird sie als \u201epragmatische Managerin\u201c bezeichnet. Das <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/nachrichten\/zdf-morgenmagazin\/unterwegs-mit-brigitte-zypries-102.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">ZDF<\/a> hat in Zypries\u2018 Zeit als Staatssekret\u00e4rin sogar einen lustig-privaten Dokumentarfilm mit Plaudercharakter produziert. Effizienz und Pflichtbewusstsein (so die <a href=\"https:\/\/www.taz.de\/Archiv-Suche\/!5375114&amp;s=zypries\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">taz<\/a>) wird Zypries nachgesagt, doch ob diese positiven Eigenschaften auch f\u00fcr die \u00c4nderung einer blutigen Exportpolitik eingesetzt werden, das ist die Frage.<\/p>\n\n\n\n<p>Entscheidend k\u00f6nnte am Ende sein, dass Sigmar Gabriel Au\u00dfenminister wird und hier eine Kontinuit\u00e4t droht, die alle Hoffnung auf eine Besserung der aktuellen \u201eKriegsexportpolitik\u201c zunichte machen k\u00f6nnte. In diesem Zusammenhang ist ein Artikel von Ben Knight in der <a href=\"http:\/\/www.dw.com\/en\/german-arms-sales-drop-to-second-highest-levels-on-record\/a-37243336\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Deutschen Welle<\/a> interessant, in dem Paul Russmann, Sprecher der Kampagne \u201eAktion Aufschrei \u2013 Stoppt den Waffenhandel!\u201c von einer weiterhin sehr hohen R\u00fcstungsg\u00fcterausfuhr spricht und den Kleinwaffenverkauf \u2013 anders als Gabriel \u2013 als absolut nicht restriktiv behandelt sieht. Auch seien Exporte in \u201eDrittl\u00e4nder\u201c (au\u00dferhalb der NATO oder befreundeten Staaten) eben nicht reduziert worden, sondern weiterhin die (traurige) Regel. Vor diesem Hintergrund m\u00fcssen wir uns fragen: Warum sollte der Au\u00dfenminister \u2013 mit einer zumindest nicht ganz schlechten Aussicht auf ein Regierungsamt in der n\u00e4chsten Bundesregierung \u2013 sich nicht weiterhin f\u00fcr die R\u00fcstungskonzerne einsetzen? Zuzutrauen w\u00e4re es ihm. Und dann w\u00fcrde auch kein Wechsel der R\u00fcstungsexportkontrolle ins Au\u00dfenamt helfen. Und obwohl die 63-j\u00e4hrige Zypries einen Gang in den Ruhestand angek\u00fcndigt hat, k\u00f6nnte auch diese Ministerin bei einem (sich eventuell abzeichnenden) Wahlsieg hoffen, nach September im Amt bleiben zu d\u00fcrfen, und dann w\u00fcrde auch sie sich die Beziehngen zu den Firmen und Lobbygruppen nicht verderben wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist dann also der Knackpunkt: Im Wahlkampf mit bedrohlicher Beteiligung der \u201eAFD\u201c besteht die Chance, auf die SPD-Politiker und ihre m\u00f6glichen Koalitionspartner Druck auszu\u00fcben. Daf\u00fcr m\u00fcssten die W\u00e4hlerInnen aktiv werden und sich im Kontakt mit den BundestagskandidatInnen und Parteien f\u00fcr einen wirklichen Wechsel in der R\u00fcstungsexportpolitik und der R\u00fcstungsproduktion und -forschung engagieren. Das ist staatsb\u00fcrgerliche Pflicht im Geist der Grundgesetzv\u00e4ter und -m\u00fctter von 1949. Erschwert wird es wie immer durch die in Wahlkampfzeiten von Taktik und Versprechen bzw. L\u00fcge bestimmte Rhetorik der PolitikerInnen \u2013 Zypries, Gabriel und auch Martin Schulz eingeschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bundeswehr-Werbung in der Kritik<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bei IMI, der Informationsstelle Militarisierung mit Sitz in T\u00fcbingen, gibt es (in Zusammenarbeit mit der DFG-VK) eine neue Untersuchung zum Thema RekrutInnen-Werbung der Bundeswehr. Der von Michael Schulze von Gla\u00dfer erstellte 16-seitige, \u00e4u\u00dferst informative Text der <a href=\"http:\/\/www.imi-online.de\/2017\/01\/18\/bundeswehr-der-neue-werbefeldzug\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">IMI-Studie 2017\/01<\/a> beschreibt die Kampagnen, mit denen die Milit\u00e4rs neue SoldatInnen f\u00fcr den Dienst in der Armee gewinnen wollen \u2013 und nat\u00fcrlich auch f\u00fcr den Kriegseinsatz im Ausland. In dieser Studie werden die im Vergleich mit den sonstigen Bundeswehr-Werbekampagnen eher neuen Werbemethoden analysiert. Generell kann man davon sprechen, dass die Zielgruppe \u201ejunge Leute\u201c mit der gleichen Masche \u201egefangen\u201c werden soll, die auch bei anderen Reality Shows benutzt wird, und zwar, indem ein Identifikationsanreiz mit interessanten, lustigen und \u201enormal\u201c scheinenden ProtagonistInnen geboten wird und die (hier traurige) Realit\u00e4t verschwiegen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Schulze von Gla\u00dfer wirft in \u201eBundeswehr: Der neue Werbefeldzug. Analyse der \u201aMach, was wirklich z\u00e4hlt\u2018-Kampagne und der YouTube-Doku-Serie \u201aDie Rekruten\u2018\u201c zuerst einen Blick auf die Rekrutierungs- und Imageprobleme, die die deutsche Armee hat. Die Ausgangslage ist bekannt: Nach dem Ende der Wehrflicht ist das deutsche Milit\u00e4r wie alle Freiwilligenarmeen darauf angewiesen, dass genug M\u00e4nner und Frauen \u201eDienst\u201c in den Streitkr\u00e4ften leisten. Wo dies nicht durch gesellschaftlichen Druck oder moralischen Zwang geschieht, soll der Kriegsdienst oft mit Geld oder anderen Verg\u00fcnstigungen schmackhaft gemacht werden. Also muss die Armeef\u00fchrung bzw. Regierung mehr Sold zahlen (klingt immer stark nach S\u00f6ldner), andere Vorteile zu bieten versuchen (das k\u00f6nnte zum Beispiel \u201egesellschaftliche Anerkennung\u201c sein) oder aber Gehirnw\u00e4sche betreiben. (Oder das Milit\u00e4r kann einfach nur noch gewaltbereite, wahlweise rechtsextreme SoldatInnen einstellen, die genau sowas wollen, einen Krieger-Beruf mit hohem Verletzungsrisiko und der M\u00f6glichkeit zu t\u00f6ten.) Eine Vorpr\u00e4gung als \u201erichtiger Mann\u201c und \u201ePatriot\u201c ist dem Ganzen nicht abtr\u00e4glich\u2026 Die Frage ist nun, welchen Weg die Bundeswehr beschreitet, um effektive Werbung f\u00fcr sich zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Studie werden im Detail die Werbekampagne \u201eMach, was wirklich z\u00e4hlt\u201c und die Doku-Soap \u201eDie Rekruten\u201c betrachtet. W\u00e4hrend mit dem ersten Format mit markigen und zum gr\u00f6\u00dften Teil einfach d\u00fcmmlichen Spr\u00fcchen eine Motivation f\u00fcr den Bundeswehrdienst geschaffen und Zustimmung zu den Auslandseins\u00e4tzen der deutschen Armee herbeigeworben werden soll, k\u00f6nnen die ZuschauerInnen im zweiten Format RekrutInnen bei ihrer Grundausbildung beobachten. Das alles wird u. a. einfach erreichbar im Internet angeboten. Au\u00dferdem bespricht Schulze von Gla\u00dfer die Themen \u201eAnwerbung von IT-Fachkr\u00e4ften und Sanit\u00e4tspersonal\u201c und \u201eSportlerInnen in der Bundeswehr\u201c. Auch die Arbeit der PR-Agentur Castenow sowie die Proteste von Friedens- und Kinderrechtsorganisationen bzw. von UN-Aussch\u00fcssen gegen die Anwerbung von Minderj\u00e4hrigen werden thematisiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Studie kommt zu dem wichtigen Schluss: \u201eDie Armee pr\u00e4sentiert sich jungen Leuten als Abenteuerspielplatz mit dem Versprechen zur Selbstverwirklichung.\u201c Welch fatale Politik! Als ob es beim Kriegsdienst f\u00fcr die deutsche Regierung um Abenteuer oder Selbstverwirklichung geht. V\u00f6llig korrekt ist also die Einsch\u00e4tzung, dass die Bundeswehr \u201eein fahrl\u00e4ssig verzerrtes Bild\u201c von sich selbst zeichne und sich als \u201eim Dienst f\u00fcr \u201adas Gute\u2018 in der Welt\u201c darstellt. Der IMI-Studie ist ebenso zuzustimmen, wenn deutlich darauf hingewiesen wird, dass eine milit\u00e4risch durchgef\u00fchrte Au\u00dfenpolitik eben auch Gefahren f\u00fcr die SoldatInnen mit sich bringt \u2013 von PTBS bis zu T\u00f6tungsdelikten. Ganz abgesehen von der Mitschuld an. Die SoldatInnen machen tats\u00e4chlich etwas, das \u201ewirklich z\u00e4hlt\u201c, jedoch im negativen Sinne, denn sie beteiligen sich an Macht- und Milit\u00e4rpolitik und machen sich dadurch an der deutschen Kriegspolitik mitschuldig. (Und sie unterst\u00fctzen nebenbei R\u00fcstungsfirmen, die wiederum skrupellos exportieren.) Eine deutsche Au\u00dfenpolitik und verantwortliches B\u00fcgerInnenhandeln nach 1945 m\u00fcssen anders aussehen!<\/p>\n\n\n\n<p>Von <a href=\"http:\/\/www.imi-online.de\/2016\/10\/30\/abenteuerspielplatz-bundeswehr-nun-auf-youtube-die-rekruten\/\">Tobia<\/a><a href=\"http:\/\/www.imi-online.de\/2016\/10\/30\/abenteuerspielplatz-bundeswehr-nun-auf-youtube-die-rekruten\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">s<\/a><a href=\"http:\/\/www.imi-online.de\/2016\/10\/30\/abenteuerspielplatz-bundeswehr-nun-auf-youtube-die-rekruten\/\"> Pfl\u00fcger<\/a> gab es im Oktober 2016 einen IMI-Standpunkt (2016\/35) mit \u00e4hnlichen Aussagen, der mit \u201e\u201aAbenteuerspielplatz\u2018 Bundeswehr nun auf Youtube: \u201aDie Rekruten\u2018\u201c \u00fcberschrieben war. Zudem koste diese neuartige Image-Arbeit der Bundeswehr die SteuerzahlerInnen eine immense Menge an Geld, wie eine <a href=\"http:\/\/www.imi-online.de\/2016\/10\/24\/bundeswehr-reality-show\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">IMI-Aktuell-Meldung<\/a> (Nr. 2016\/629) mit Bezug auf \u201efinanznachrichten.de\u201c berichtet: So sollen die Kosten f\u00fcr drei Monate Reality-Doku \u2013 laut dem Bundeswehrsoldaten Dirk Feldhaus \u2013 bei 1,7 Millionen Euro liegen. Mit Hinweis auf den Blog \u201eAugengeradeaus\u201c IMI wird erg\u00e4nzt, dass die gesamten Kosten ca. 8 Millionen Euro betragen (zus\u00e4tzliche Millionen werden f\u00fcr die Kampagne \u201eMach, was wirklich z\u00e4hlt\u201c verschwendet, laut Schulze von Gla\u00dfer soll allein 2015 die stattliche Summe von 10,6 Mio. Euro daf\u00fcr veranschlagt worden sein).<\/p>\n\n\n\n<p>Und auch der Bayerische Rundfunk bzw. sein TV-Magazin \u201ePuls\u201c haben sich des Themas angenommen. <a href=\"http:\/\/www.br.de\/puls\/tv\/puls\/wer-geht-freiwllig-zur-bundeswehr-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Beate Brehm<\/a> berichtete im Juni vergangenen Jahres in einem knapp 13 Minuten langen Beitrag \u00fcber Erfahrungen, die RekrutInnen in ihrer Bundeswehr-Probezeit machen. In \u201eWer geht heute noch freiwillig zum Bund?\u201c begleitet und interviewt sie junge Leute, hier vor allem eine Frau, die sich f\u00fcr den SoldatInnen-Dienst entschieden hat. Zwar wird in dem Beitrag mehrmals die Frage gestellt, ob die Bundeswehr nicht fr\u00fcher deutlich auf Gefahren hinweisen sollte. Doch damit werden die SoldatInnen lediglich als Opfer gezeigt, und eben nicht als T\u00e4ter, was so der Wirklichkeit nicht entspricht! SoldatInnen sind Teil eines Machtinstruments und tun dies aus eigener Entscheidung! Der BR-Bericht hat eine Perspektive des Privaten und folgt darin dem Entpolitisierungsbestreben der Bundeswehr-Imagekampagne. Gefragt wird etwa: \u201eWie ist das so in einem Sch\u00fctzengraben?\u201c \u2013 Ist das denn die aus JournalistInnen-Sicht (und -Pflicht) wichtige Frage? SoldatInnen werden hier als naive Menschen gezeigt, Fakt ist aber, dass diese Leute tats\u00e4chlich t\u00f6dliche Gewalt aus\u00fcben und dass sie organisieren, dass andere das tun. Der B\u00fcrger in Uniform ist eben das: in Uniform. Auch wenn er glaubt, noch B\u00fcrger oder B\u00fcrgerin zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Der BR berichtete andernorts auch \u00fcber die Werbearbeit der Bundeswehr in sozialen <a href=\"http:\/\/www.br.de\/puls\/themen\/leben\/bundeswehr-in-sozialen-netzwerken-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Netzwerken<\/a> und auch \u00fcber die Serie \u201eDie Rekruten\u201c, in Berichten von <a href=\"http:\/\/www.br.de\/puls\/themen\/welt\/die-rekruten-bundeswehr-serie-das-solltet-ihr-wissen-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Theresa Authaler<\/a> und von <a href=\"http:\/\/www.br.de\/puls\/tv\/puls\/bundeswehr-doku-serie-die-rekruten-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Frank Seibert<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit den \u2013 f\u00fcr das deutsche Milit\u00e4r neuartigen \u2013 Werbemethoden haben wir es also mit gef\u00e4hrlichen Weichsp\u00fcl- und Vertuschungskampagnen der Bundeswehrf\u00fchrung und der CDU\/CSU-SPD-Regierung zu tun. Und wenn die Verteidigungsministerin derzeit versucht, den SoldatInnen eine Art Maulkorb im Umgang mit den Medien zu verpassen und damit kritische Fragen zu zensieren (wenn es diese Art von Fragen bei SoldatInnen denn wirklich geben sollte), dann passt das doch zu diesen verharmlosenden Werbespr\u00fcchen und Rekruten-Filmchen und erinnert durchaus an die \u201ealternativen Fakten\u201c, die Trumps Team verbreiten m\u00f6chte. Orwell l\u00e4sst gr\u00fc\u00dfen, \u201eKrieg ist Frieden\u201c \u2026 Neusprech ist aber keine Sprache, sondern Propaganda.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer sich lieber einen differenzierten und kritischen Beitrag zur deutschen (Milit\u00e4r-)Politik w\u00fcnscht, kann das Interview mit der Protest-Teilnehmerin <a href=\"http:\/\/www.imi-online.de\/2016\/06\/10\/tag-der-bundeswehr-interview-mit-einer-aktivistin\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Jacqueline Andres<\/a> lesen, die \u00fcber den \u201eTag der Bundeswehr\u201c und die entsprechenen Gegenaktionen und Aufkl\u00e4rungsaktivit\u00e4ten spricht (IMI-Standpunkt 2016\/023).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das neue Jahr beginnt mit einem Paukenschlag: der deutsche Kleinwaffenhersteller SIG Sauer hat einen Gro\u00dfauftrag der US-Armee f\u00fcr die Lieferung von halbautomatischen Pistolen erhalten und Heckler &amp; Koch ist leer ausgegangen. \u2013 Mehr dazu im neuen Newsletter! Zum Weiterempfehlen: Wenn Sie den Kleinwaffen-Newsletter abonnieren wollen(als kostenlose E-Mail), senden Sie uns einfach eine Mail mit dem [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"site-sidebar-layout":"default","site-content-layout":"","ast-site-content-layout":"default","site-content-style":"default","site-sidebar-style":"default","ast-global-header-display":"","ast-banner-title-visibility":"","ast-main-header-display":"","ast-hfb-above-header-display":"","ast-hfb-below-header-display":"","ast-hfb-mobile-header-display":"","site-post-title":"","ast-breadcrumbs-content":"","ast-featured-img":"","footer-sml-layout":"","ast-disable-related-posts":"","theme-transparent-header-meta":"","adv-header-id-meta":"","stick-header-meta":"","header-above-stick-meta":"","header-main-stick-meta":"","header-below-stick-meta":"","astra-migrate-meta-layouts":"default","ast-page-background-enabled":"default","ast-page-background-meta":{"desktop":{"background-color":"var(--ast-global-color-4)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"tablet":{"background-color":"","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"mobile":{"background-color":"","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""}},"ast-content-background-meta":{"desktop":{"background-color":"var(--ast-global-color-5)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"tablet":{"background-color":"var(--ast-global-color-5)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"mobile":{"background-color":"var(--ast-global-color-5)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""}},"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-896","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rib-ev.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/896","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rib-ev.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rib-ev.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rib-ev.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rib-ev.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=896"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/rib-ev.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/896\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1601,"href":"https:\/\/rib-ev.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/896\/revisions\/1601"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rib-ev.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=896"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rib-ev.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=896"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rib-ev.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=896"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}