{"id":677,"date":"2017-10-30T12:16:00","date_gmt":"2017-10-30T11:16:00","guid":{"rendered":"https:\/\/rib-ev.de\/?p=677"},"modified":"2024-07-19T15:02:48","modified_gmt":"2024-07-19T13:02:48","slug":"daks-newsletter-oktober-2017-ist-erschienen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rib-ev.de\/?p=677","title":{"rendered":"DAKS-Newsletter Oktober 2017 ist erschienen!"},"content":{"rendered":"\n<p>Vom 31. Oktober bis 1. November 2017 findet in Kassel eine Aktionskonferenz der Aktion Aufschrei! Stoppt den Waffenhandel! statt. Bei dieser Gelegenheit wird besprochen und diskutiert, welche Zukunft diese Kampagne haben soll. M\u00f6glich erscheint eine nochmalige Verl\u00e4ngerung um weitere vier Jahre, um die R\u00fcstungsexportthematik auch im neu gew\u00e4hlten Bundestag und in der neuen Legislaturperiode in der \u00d6ffentlichkeit auf der Tagesordnung zu halten. M\u00f6glich w\u00e4re aber auch, dass die Teilnehmer und der Tr\u00e4gerkreis zu der \u00dcberzeugung gelangt, dass eine solche Fortf\u00fchrung nicht m\u00f6glich oder w\u00fcnschenswert ist. \u2013 Eine solche Entscheidung w\u00e4re ein gro\u00dfer Verlust f\u00fcr die Friedensbewegung! So ist zu hoffen, dass die Konferenzteilnehmer ihre Entscheidung gut abw\u00e4gen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bis uns Nachrichten von der Aktionskonferenz vorliegen berichten wir im neuen Newsletter erst einmal \u00fcber die Situation bei Heckler &amp; Koch. J\u00fcrgen Gr\u00e4sslin aus dem Sprecherkreis der Aktion Aufschrei, hat sich dankenswerter Weise bereit erkl\u00e4rt ein umfassendes Interview zu diesem Thema zu geben. Darin flie\u00dfen seine Einsch\u00e4tzungen \u00fcber Heckler &amp; Koch, wie er sie gerade auch im Rahmen der HK-Hauptversammlung im vergangenen August sammeln konnte mit ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Weiterempfehlen: Wenn Sie den Kleinwaffen-Newsletter abonnieren wollen (als kostenlose E-Mail), senden Sie uns einfach eine <a href=\"mailto:daks-news@rib-ev.de?subject=Kleinwaffen-%20Newsletter\">Mail<\/a> mit dem Stichwort \u201eKleinwaffen-Newsletter\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>DAKS-Newsletter Oktober 2017<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Heckler &amp; Koch-Hauptversammlung und ihre Folgen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u2013 <strong>ein Interview mit J\u00fcrgen Gr\u00e4sslin<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Eine wundersame Wandlung der Gesch\u00e4ftspolitik von Heckler &amp; Koch (H&amp;K) \u2013 so l\u00e4sst sich die aktuelle Entwicklung beim f\u00fchrenden Kleinwaffenexporteur der Republik beschreiben. Der Weg dahin war weit.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>J\u00fcrgen Gr\u00e4sslin: Stimmt, um die aktuelle Entwicklung bei Heckler &amp; Koch zu verstehen, muss man die Vorgeschichte kennen. Denn H&amp;K ist keine Waffenschmiede wie jede andere hierzulande. Gemessen an den Opferzahlen ist die Oberndorfer Waffenschmiede das t\u00f6dlichste Unternehmen Deutschlands. Seit den Sechzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts haben Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Oberndorfer Waffenschmiede Kombattanten auf den Schlachtfeldern der Welt mit ihren Kleinwaffen versorgt, allen voran mit Pistolen, Maschinenpistolen, Sturm- und auch mit Scharfsch\u00fctzengewehren.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><strong>Dementsprechend werft ihr H&amp;K seit Jahren vor, Kriegswaffen in alle Welt zu liefern, was den massiven Einsatz von H&amp;K-Waffen auf den Schlachtfeldern in aller Welt erm\u00f6glicht hat.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mit dramatischen Folgen. Rund drei von vier Menschen \u2013 73 Prozent der Kriegsopfer \u2013 werden mit Pistolen und Gewehren erschossen. Laut meinen Berechnungen und Sch\u00e4tzungen, publiziert im \u201eSchwarzbuch Waffenhandel\u201c, wurden bis zum heutigen Tag mehr als zwei Millionen Menschen durch Kugeln aus dem Lauf von H&amp;K-Waffen get\u00f6tet, weitaus mehr physisch verletzt bzw. traumatisiert. In den vergangenen zwei Jahrzehnten wurden die klassischen H&amp;K-Waffen mit der neuen Waffengeneration erweitert. Zum Beispiel wurde die Schnellfeuergewehre G3 durch die Sturmgewehre G36 und HK416 erg\u00e4nzt, die MP5-Maschinenpistolen um die MP7 und UMP. Die Folgen deren Einsatzes sind fatal: Mittlerweile stirbt im Durchschnitt alle 13 Minuten ein weiterer Mensch durch eine Kugel aus dem Lauf einer H&amp;K-Waffe.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Schuld an dieser Entwicklung war allerdings nicht nur die H&amp;K-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung, sondern auch Bundesregierungen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ganz genau: Denn die Folgen der ehedem enthemmten H&amp;K-Exportpraxis wurden noch verst\u00e4rkt durch die grenzenlose Lizenzvergabepolitik der Bundesregierungen in den Sechziger-, Siebziger- und Achtzigerjahren. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte der Bund die Entwicklung des Schnellfeuergewehrs G3 von H&amp;K finanziert. Somit besa\u00df die jeweilige Bundesregierung die Vergaberechte, die sie auch weithin nutzte. Seither konnten in den Lizenzfabriken in \u201ebefreundeten Staaten\u201c wie dem Iran, Saudi-Arabien, der T\u00fcrkei, Pakistan, Mexiko und zehn weiteren Lizenzfabrikationen rund 15 Millionen G3-Gewehre gefertigt, exportiert und weltweit in Kriegen und B\u00fcrgerkriegen eingesetzt werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gegen diese R\u00fcstungsexportpraxis von H&amp;K, unterst\u00fctzt durch die des Bundes, hat sich die Friedensbewegung im Raum Oberndorf und auch deutschlandweit massiv zur Wehr gesetzt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ja. Im Wissen um die weltweiten Folgen der R\u00fcstungsexportpolitik der Oberndorfer Waffenbauer hat die Friedensbewegung seit Jahrzehnten mit der gebotenen Konsequenz agiert: Von Osterm\u00e4rschen \u00fcber zahlreiche kreative Aktionen vor den Werkstoren und gewaltfreien Blockaden bis hin zu meinen Strafanzeigen wegen des Verdachts des widerrechtlichen Exports Abertausender von G36-Sturmgewehren in verbotene Unruheprovinzen Mexikos und den daraus resultierenden Bundestagsanfragen und -debatten \u2013 initiiert von LINKEN und B\u00fcndnis 90\/DIE GR\u00dcNEN \u2013 nutzten wir die gesamte Klaviatur des Widerstandes.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuletzt agierte der Hirschberger Friedensaktivist Hermann Theisen mit seinem Aufruf zum Whistleblowing im Fall illegalen Waffenhandels erfolgreich gegen Heckler &amp; Koch \u2013 was ihm viel \u00c4rger seitens der Justiz einbrachte \u2013 aber Theisen blieb standhaft und bekam Recht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Am 15. August 2017 konnte ein weiterer Ansatzpunkt des Widerstands genutzt werden: Bei der mittlerweile dritten Hauptversammlung der Heckler &amp; Koch AG war die Friedensbewegung erstmals ganz pr\u00e4sent: als Aktion\u00e4re.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Was nicht leicht war. Unsere Erweiterung der Aktionsformen setzten wir bei der Hauptversammlung [im Folgenden kurz HV genannt] der mittlerweile in eine Aktiengesellschaft umgewandelten Heckler &amp; Koch AG um. Allerdings fiel uns der Erwerb der H&amp;K-Aktien eher schwer. Schlie\u00dflich waren vom weltweiten Gesamtaktienbestand von 21 Millionen H&amp;K-Aktien lediglich 5000 an der Euronext-B\u00f6rse in Paris theoretisch erwerbbar. Und zwar in dem Moment, da sie von ihren Besitzern in den Wochen vor HV-Beginn ver\u00e4u\u00dfert wurden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie viele der Wertpapiere konnten ihr denn ergattern?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dank der aktienrechtlichen Vorkenntnisse von Stephan M\u00f6hrle, B\u00fcroleiter des in Freiburg ans\u00e4ssigen R\u00fcstungsInformationsB\u00fcros (RIB e.V.) und DFG-VK-Vertreter in der Kampagne \u201eAktion Aufschrei \u2013 Stoppt den Waffenhandel!\u201c, konnten letztlich sieben Aktion\u00e4r*innen als neue Miteigner der Oberndorfer Waffenschmiede pers\u00f6nlich an der HV von Heckler &amp; Koch teilnehmen. Oder wir konnten Vertreter entsenden. Stephan M\u00f6hrle seinerseits blieb au\u00dferhalb des Geb\u00e4udes und arrangierte f\u00fcr das RIB als Organisator der Gegenaktivit\u00e4ten die Medienkontakte \u2013 was sich w\u00e4hrend der HV als sehr n\u00fctzlich erwies.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie muss man sich das vorstellen: Eine Hauptversammlung mit Hunderten von Aktion\u00e4r\/innen in einer voll besetzten Stadthalle?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr uns alle \u00fcberraschend war ein anderes Szenario, dass sich uns am 15. August offenbarte: Die H&amp;K-Hauptversammlung fand nahe Oberndorf in einem Wellness-Hotel statt. Und zwar im Hotel \u201eZ\u00fcfle\u201c in der d\u00f6rflichen Umgebung von Sulz-Glatt. Wohlgemerkt in einem \u00fcberf\u00fcllten Raum im Parterre. Da nur etwas mehr als 30 Personen anwesend waren, glich die Aktion\u00e4rsversammlung eher einer seltsam anmutenden Familienfeier als der Hauptversammlung eines weltweit f\u00fchrenden Kleinwaffenherstellers.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00dcberraschend dementsprechend auch der Verlauf?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zumindest im zweiten Teil. Anfangs kamen erwartungsgem\u00e4\u00df die \u2013 angesichts der wirtschaftlichen Erfolge von H&amp;K im Gesch\u00e4ftsjahr 2016 \u2013 lobpreisenden Reden von Vorstand und Aufsichtsrat. Danach allerdings folgte, was wohl als einmalig in der deutschen Wirtschaftsgeschichte von Aktion\u00e4rsversammlungen bezeichnet werden darf: Sieben von uns \u2013 Thomas Schwoerer, Magdalena Friedl, Wolfgang Landgraeber, Helmut Lohrer, Paul Russmann, Alexander Schleicher und ich \u2013 hielten Redebeitr\u00e4ge und stellten mehr als eine Stunde lang 110 Fragen, die wir zuvor aufeinander abgestimmt hatten. Damit brachten wir die versammelte H&amp;K-F\u00fchrungsriege um die Vorst\u00e4nde Wolfgang Hesse und Norbert Scheuch sowie die Aufsichtsr\u00e4te Dieter John und Nicolaus P. Bocklandt in die Bredouille.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was die Medienvertreter im Raum sicherlich mit Interesse verfolgt haben d\u00fcrften.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Hier offenbarte sich eine von mehreren Dissonanzen dieser Hauptversammlung. W\u00e4hrend die H&amp;K-F\u00fchrungsriege demokratische Entscheidungsprozesse versprach, blieben Medienvertreter ausgeschlossen. W\u00e4hrend der HV mussten die zahlreich erschienen Vertreter*innen der Printmedien, Radio- und Fernsehredakteure auf dem Gehweg au\u00dferhalb des Hotelgel\u00e4ndes verharren \u2013 wahrlich ein undemokratischer Umgang mit der interessierten \u00d6ffentlichkeit, den der DFG-VK-Bundessprecher Thomas Schwoerer thematisierte.<\/p>\n\n\n\n<p>Immerhin: Einen Vorteil hatte die r\u00fcde Vorgehensweise der H&amp;K-F\u00fchrungsmannschaft. Wiederholt wurden die Medienvertreter*innen Stephan M\u00f6hrle und von mir mit aktuellen News versorgt. Entsprechend positiv und umfassend fiel die Berichterstattung aus. Neben nationalen Medien (<em>FAZ<\/em>, <em>S\u00fcdwest Presse<\/em>, <em>Schw\u00e4bisches Tagblatt<\/em>, <em>Neue Rottweiler Zeitung<\/em>, mehrfach am Tag <em>SWR<\/em>-Fernsehen und <em>SWR<\/em>-Radio u.v.a.m.) berichteten sogar internationale Medien \u00fcber das Geschehen auf der H&amp;K-HV (<em>Deutsche Welle International<\/em>, <em>THE GUARDIAN<\/em>, <em>Washington Post<\/em> u.a.) \u2013 in Form von Interviews oder mit zahlreichen Zitaten unsererseits.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kommen wir zu den harten Fakten. Heckler &amp; Koch hat angek\u00fcndigt, seine Gesch\u00e4ftspolitik \u00fcberdenken zu wollen und k\u00fcnftig nur noch in solche L\u00e4nder Waffen zu exportieren, die im Hinblick auf die Menschenrechts- und Konfliktlage als unproblematisch eingestuft werden. Wie ist diese Nachricht zu bewerten und welche Anzeichen gibt es, dass diese neue Politik tats\u00e4chlich umgesetzt wird?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcberraschend war eines: Unsere mehr als hundert 110 Fragen wurden seitens der H&amp;K-F\u00fchrung einzeln und zumeist differenziert beantwortet. Ausweichend wurde allerdings auf unangenehme Fragen geantwortet \u2013 wie auf die von Magdalena Friedl zur \u201eBeschlussfassung \u00fcber die Befreiung von der Verpflichtung zur individualisierten Offenlegung der Vorstandsverg\u00fctung im Jahres- und Konzernabschluss sowie des Aufsichtsrates\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Spannend dagegen die Antworten zur neuen Unternehmensstrategie: Demnach werden in Zukunft ausschlie\u00dflich \u201egr\u00fcne\u201c L\u00e4nder \u2013 der NATO, NATO-assoziierter und EU-Staaten \u2013 mit Kriegswaffen beliefert. Grundlage der H&amp;K-Entscheidungen sind ein Demokratieindex und ein Korruptionsindex unter Beachtung von Menschenrechtsfragen \u2013 zumindest das ist ein beachtlicher Schritt in die richtige Richtung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wobei NATO-Staaten nicht immer demokratisch handeln.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Leider ist dem so. So erhalten die USA weiterhin in immensem Umfang Kleinwaffen von Heckler &amp; Koch. Was angesichts der Lage im Land \u2013 man denke nur an die Amokl\u00e4ufe, Schulmassaker und Selbstmorde \u2013 und auch angesichts der entfesselten US-Au\u00dfenpolitik mehr als problematisch ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Zugleich aber gilt etwas Sensationelles: Alle Staaten des Nahen und Mittleren Ostens, auch der NATO-Partner T\u00fcrkei und auch Saudi-Arabien sowie alle Staaten Afrikas und Lateinamerikas \u2013 und damit auch Mexiko \u2013 werden laut Festschreibung der H&amp;K-F\u00fchrung im Gesch\u00e4ftsbericht und laut Verk\u00fcndung auf der H&amp;K-Hauptversammlung zuk\u00fcnftig nicht wieder mit Gewehren oder Pistolen aus Oberndorf oder einem der H&amp;K-Tochterunternehmen beliefert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bereits seit einiger Zeit erh\u00e4lt Heckler &amp; Koch keine Genehmigung mehr f\u00fcr den Export von Waffenteilen nach Saudi-Arabien. Welche Auswirkungen hat dies auf die Produktion des G36-Gewehrs in Saudi-Arabien?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Laut Auskunft von Vorstand und Aufsichtsrat wurde die bislang \u00e4u\u00dferst profitable H&amp;K-Dependance in Saudi-Arabien bereits aufgel\u00f6st \u2013 Saudi-Arabien gilt als ein fortan \u201erot\u201c klassifiziertes Land. Damit setzt sich Heckler &amp; Koch \u2013 Deutschlands Todesfirma Nummer 1 nach den Opferzahlen \u2013 an die Spitze der deutschen Waffenschmieden, die die R\u00fcstungsexportkontrolle von sich aus versch\u00e4rfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und Achtung: Heckler &amp; Koch reagiert damit auf den Jahrzehnte w\u00e4hrenden Druck der Friedensbewegung \u2013 ein beachtlicher und v\u00f6llig unerwarteter Teilerfolg. Denn diese Linie ist konsequenter als die freiz\u00fcgige R\u00fcstungsexport-Genehmigungspolitik der Bundesregierung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dabei darf nicht vergessen werden, dass zurzeit eine ganz andere Entscheidung von zentralem Interesse sein d\u00fcrfte: die des Beschaffungsauftrages f\u00fcr das Nachfolgemodell des G36 f\u00fcr die Bundeswehr. Da ist ein seri\u00f6ser Anstrich doch ganz n\u00fctzlich.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Keine Frage: Bei diesem Kulturwandel d\u00fcrfte eben dieser Aspekt eine mitentscheidende Rolle gespielt haben. Es geht auch um den lukrativen Auftrag f\u00fcr das Nachfolgegewehr des auszumusternden G36 als bisherige Standardwaffe der Bundeswehr. F\u00fcr die 120.000 neuen Sturmgewehre will der Bund knapp 250 Millionen Euro investieren. Mit dem Gr\u00fcne-L\u00e4nder-Coup und der neu gewonnenen Reputation schickt Heckler &amp; Koch das kompakte modulare Sturmgewehr HK433 ins Rennen \u2013 und besitzt gute Aussichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Hilfreich dabei war, dass sich die H&amp;K-Sympathiefraktion in der Bundeswehr durchgesetzt hat: So d\u00fcrfen keine Waffen beschafft werden, die den Regeln der International Traffic in Arms Regulations unterworfen sind. Mit diesen sogenannten ITAR-Regeln nehmen sich die USA das Recht der Mitbestimmung bei ihren Exportwaffen mit US-Technik heraus. Im Umkehrschluss sind damit aber nicht nur alle US-Firmen aus dem Rennen, sondern auch der deutsche Hauptkonkurrent Sig Sauer. Bad luck: Die Firma aus Eckernf\u00f6rde fertigt ma\u00dfgebliche Gewehrbestandteile in den Vereinigten Staaten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Und auch die Abwicklung von Altauftr\u00e4gen ist doch mehr als bedenklich.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Genau diese Problematik haben wir sieben bei der H&amp;K-Hauptversammlung massiv moniert. Denn die Umsetzung der sogenannten \u201eAltauftr\u00e4ge\u201c erneut in \u201erote oder gelbe L\u00e4nder\u201c wird folgenschwer sein. Meine Prognose: Mit diesen neuen Kriegswaffen werden wahrscheinlicher Weise zahlreiche Menschen erschossen.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Sinne bleiben viele wichtige Fragen zu diesem Zeitpunkt offen: Leistet die neue H&amp;K-F\u00fchrung mit der unsererseits massiv kritisierten Umsetzung letzter \u201eAltvertr\u00e4ge\u201c \u2013 u. a. an die \u201eroten\u201c L\u00e4nder Malaysia, Indonesien, S\u00fcdkorea und die Vereinigten Arabischen Emirate \u2013 nicht erneut Beihilfe zum Morden mit deutschen Gewehren? Liefert H&amp;K, wie versprochen, danach ausschlie\u00dflich an \u201egr\u00fcne\u201c L\u00e4nder in der NATO und der EU \u2013 oder erfolgen \u00fcber Umgehungswege klammheimlich weiterhin Waffentransfers an \u201egelbe\u201c und \u201erote\u201c Staaten? Ist es \u2013 angesichts des tagt\u00e4glichen massenhaften Mordens mit Kleinwaffen im Land \u2013 legitim, wenn H&amp;K ein neues Pistolenwerk in Columbus in den USA errichtet? Bei mehreren Amokl\u00e4ufen und Massakern waren in den USA nachweislich Heckler &amp; Koch- bzw. Sig-Sauer-Waffen im Einsatz \u2013 letztere beim Las-Vegas-Shooting. Bekanntlich wurden 58 Menschen get\u00f6tet und mehr als 520 Menschen verletzt. K\u00f6nnen die USA, mit rund 40 Prozent der Hauptabsatzmarkt f\u00fcr H&amp;K-Waffen, tats\u00e4chlich als \u201egr\u00fcnes\u201c Land eingestuft werden? Wir denken nein!<\/p>\n\n\n\n<p>Und mehr noch: Verfolgen franz\u00f6sische Streitkr\u00e4fte mit den sich derzeit in Auslieferung befindlichen 102.000 Sturmgewehren des Typs HK416F eine menschenrechtsorientierte Politik in Mali bzw. in fr\u00fcheren franz\u00f6sischen Kolonien? Auch hier liegt die Antwort auf der Hand.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Interessant immerhin erscheint die Tatsache, dass die Gr\u00fcne-L\u00e4nder-Strategie von Heckler &amp; Koch mit ihrer Umsetzung in den kommenden Jahren eine neue Konstellation schafft: H&amp;K geht mit seiner Selbstkontrolle weiter als die Bundesregierung.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wahrlich! Ungemein spannend ist die Frage, die sich aus dem neuen Kurs von H&amp;K ergibt: Wird sich Heckler &amp; Koch als <em>der<\/em> T\u00fcr\u00f6ffner erweisen, um mit dem Wandel in der Firmenphilosophie den Druck zur Umkehr auf die gesamte deutsche R\u00fcstungsindustrie nachhaltig zu erh\u00f6hen? Noch ist H&amp;K die einzige Waffenschmiede Deutschlands, die sich diese h\u00e4rtere \u2013 begrenzt ethisch orientierte \u2013 R\u00fcstungsexportkontrolle verordnet hat. Das \u00dcberraschende dabei: Das bislang t\u00f6dlichste Unternehmen verfolgt fortan eine h\u00e4rtere Restriktionspolitik, als die Bundesregierung verlangt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Noch spektakul\u00e4rer als die Ank\u00fcndigung Waffen nur noch an \u201agute\u2018 L\u00e4nder verkaufen zu wollen ist die Erkl\u00e4rung von Heckler &amp; Koch, eventuell einen Opfer-Fonds f\u00fcr durch Heckler &amp; Koch-Waffen get\u00f6tete oder verletzte Menschen einrichten zu wollen. Was ist damit gemeint und was darf man sich darunter vorstellen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Auf meine Forderung in der Heckler &amp; Koch-Hauptversammlung hin, einen Fonds f\u00fcr die Familien der Opfer der skrupellosen H&amp;K-Exportpolitik vergangener Jahrzehnte einzurichten und zu finanzieren, reagierten Vorstand und Aufsichtsrat mit Verwunderung. Dieser Gedanke sei aus ihrer Sicht neu, die Forderung m\u00fcsse in den F\u00fchrungsgremien diskutiert und entschieden werden. Immerhin erfolgte keine sofortige Ablehnung, mehr noch: Die erste Reflektion zeugte von Nachdenklichkeit. Die zugesagte schriftliche Antwort steht allerdings noch aus, noch ist nichts entschieden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Heckler &amp; Koch ist jetzt eine Aktiengesellschaft, aber es gibt noch keinen Kritischen Aktion\u00e4rsverband, der das R\u00fcstungsunternehmen kritisch begleitet. Was ist f\u00fcr die Zukunft geplant?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Entwicklungen bei Heckler &amp; Koch bed\u00fcrfen sowohl der akribischen Recherche bei weltweitem Fokus als auch der kritischen Kontrolle. Um unsere Widerstandskraft zu st\u00e4rken, wollen wir mehr werden. Deshalb werden wir im Rahmen der Jahresmitgliederversammlung des R\u00fcstungsInformationsB\u00fcros am 3. Februar 2018 im Kommunalen Kino in Freiburg die KRITISCHEN AKTION\u00c4R*INNEN HECKLER &amp; KOCH gr\u00fcnden. Mit der n\u00e4chsten H&amp;K-Hauptversammlung im Sommer 2018 wollen wird den Druck auf die H&amp;K-F\u00fchrung weiter verst\u00e4rken.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Zusammenhang noch ein wichtiger Hinweis: Wer kritische\/r H&amp;K-Aktion\u00e4r*in werden will, m\u00f6ge eine oder zwei H&amp;K-Aktien erwerben und damit eine bzw. zwei Eintrittskarten f\u00fcr immerdar. Mehr als zwei Eintrittskarten sind pro Person nicht erwerbbar. Wer Beratung ben\u00f6tigt \u2013 da die H&amp;K-Aktie an der Euronext B\u00f6rse in Paris notiert ist und deren Kurs sehr starken Preisschwankungen unterworfen ist \u2013, wende sich an Stephan M\u00f6hrle. Hier seine Kontaktdaten: Mob. 0152-22 636 531, E-Mail: <a href=\"mailto:moehrle@dfg-vk.de\">moehrle@dfg-vk.de<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Engagement f\u00fcr R\u00fcstungskonversion lohnt sich \u2013 nie war es spannender als jetzt, beim Widerstand gegen H&amp;K-R\u00fcstungsexporte mitzumachen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>J\u00fcrgen Gr\u00e4sslin<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>ist Sprecher der Kampagne \u00bbAktion Aufschrei \u2013 Stoppt den Waffenhandel!\u00ab, Bundessprecher der Deutschen Friedensgesellschaft \u2013 Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK), Sprecher der Kritischen Aktion\u00e4rInnen Daimler (KAD) und Vorsitzender des R\u00fcstungsInformationsB\u00fcros (RIB e.V.).<\/p>\n\n\n\n<p>Er ist Autor zahlreicher kritischer Sachb\u00fccher \u00fcber R\u00fcstungsexporte sowie Milit\u00e4r- und Wirtschaftspolitik, darunter internationale Bestseller. Zuletzt verfasste er das \u201eSchwarzbuch Waffenhandel. Wie Deutschland am Krieg verdient\u201c mit mehr als 170 Lesungen und das \u201eNetzwerk des Todes. Die kriminellen Verflechtungen von Waffenindustrie und Beh\u00f6rden\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Gr\u00e4sslin wurde mit bislang zehn Preisen f\u00fcr Frieden, Zivilcourage, Medienarbeit und Menschenrechte ausgezeichnet, u. a. mit dem \u201eAachener Friedenspreis\u201c. Zuletzt wurde er mit dem \u201eGRIMME-Medienpreis\u201c und dem \u201eMarler Medienpreis Menschenrechte\u201c von Amnesty International geehrt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kontakt:<\/strong> Tel.: 0761-7678208, Mob.: 0170-6113759, E-Mail: <a href=\"mailto:graesslin@dfg-vk.de\">graesslin@dfg-vk.de<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Weitere Informationen siehe <a href=\"http:\/\/www.juergengraesslin.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">www.juergengraesslin.com<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.rib-ev.de\/\">www.rib-ev.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom 31. Oktober bis 1. November 2017 findet in Kassel eine Aktionskonferenz der Aktion Aufschrei! Stoppt den Waffenhandel! statt. Bei dieser Gelegenheit wird besprochen und diskutiert, welche Zukunft diese Kampagne haben soll. M\u00f6glich erscheint eine nochmalige Verl\u00e4ngerung um weitere vier Jahre, um die R\u00fcstungsexportthematik auch im neu gew\u00e4hlten Bundestag und in der neuen Legislaturperiode in [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"site-sidebar-layout":"default","site-content-layout":"","ast-site-content-layout":"default","site-content-style":"default","site-sidebar-style":"default","ast-global-header-display":"","ast-banner-title-visibility":"","ast-main-header-display":"","ast-hfb-above-header-display":"","ast-hfb-below-header-display":"","ast-hfb-mobile-header-display":"","site-post-title":"","ast-breadcrumbs-content":"","ast-featured-img":"","footer-sml-layout":"","ast-disable-related-posts":"","theme-transparent-header-meta":"","adv-header-id-meta":"","stick-header-meta":"","header-above-stick-meta":"","header-main-stick-meta":"","header-below-stick-meta":"","astra-migrate-meta-layouts":"default","ast-page-background-enabled":"default","ast-page-background-meta":{"desktop":{"background-color":"var(--ast-global-color-4)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"tablet":{"background-color":"","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"mobile":{"background-color":"","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""}},"ast-content-background-meta":{"desktop":{"background-color":"var(--ast-global-color-5)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"tablet":{"background-color":"var(--ast-global-color-5)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"mobile":{"background-color":"var(--ast-global-color-5)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""}},"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-677","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rib-ev.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/677","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rib-ev.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rib-ev.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rib-ev.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rib-ev.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=677"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/rib-ev.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/677\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1574,"href":"https:\/\/rib-ev.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/677\/revisions\/1574"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rib-ev.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=677"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rib-ev.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=677"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rib-ev.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=677"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}