{"id":589,"date":"2018-06-30T14:13:00","date_gmt":"2018-06-30T12:13:00","guid":{"rendered":"https:\/\/rib-ev.de\/?p=589"},"modified":"2024-07-19T15:02:23","modified_gmt":"2024-07-19T13:02:23","slug":"daks-newsletter-juni-2018-ist-erschienen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rib-ev.de\/?p=589","title":{"rendered":"DAKS-Newsletter Juni 2018 ist erschienen!"},"content":{"rendered":"\n<p>Der R\u00fcstungsexportbericht der Bundesregierung f\u00fcr das Jahr 2017 ist erschienen. Die Zahlen die darin publik gemacht werden sind erwartbar \u2013 und doch \u00fcberrascht es mit welcher Dreistigkeit die Bundesregierung gegen allen zivilgesellschaftlichen Protest an ihrer Exportpolitik festh\u00e4lt. Mehr dazu im neuen Newsletter.<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem im Newsletter: Ein Gastbeitrag von Beat Wehrle (terres des hommes) der Schweizer Munitionsexporte nach Brasilien hinterfragt. Und schlie\u00dflich steht die Frage im Raum, weshalb Heckler &amp; Koch eigentlich seine Aktion\u00e4rs-Hauptversammlung absagt, bzw. verschiebt. Mehr dazu im neuen DAKS-Newsletter!<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Weiterempfehlen: Wenn Sie den Kleinwaffen-Newsletter abonnieren wollen (als kostenlose E-Mail), senden Sie uns einfach eine <a href=\"mailto:%20daks-news@rib-ev.de\">Mail<\/a> mit dem Stichwort \u201eKleinwaffen-Newsletter\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>DAKS-Newsletter Juni 2018<\/p>\n\n\n\n<p><strong>R\u00fcstungsexportbericht: Schlichtweg katastrophal!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Politisch fragw\u00fcrdige Empf\u00e4ngerl\u00e4nder und dritth\u00f6chste Genehmigungswerte. Kommentare zum R\u00fcstungsexportbericht der Bundesregierung f\u00fcr das Jahr 2017<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u2013 Eine Presseerkl\u00e4rung von pax christi<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u201e2015, 2016 und 2017 werden als die Jahre neuerlicher Negativrekorde bei R\u00fcstungsexporten in die Wirtschaftsgeschichte der Bundesrepublik Deutschland eingehen\u201c, betont J\u00fcrgen Gr\u00e4sslin, Kampagnensprecher und Bundessprecher der DFG-VK. \u201eNie zuvor genehmigte eine Bundesregierung so viele Einzelausfuhren in alle Welt, als in diesen drei Jahren. Unter den Empf\u00e4ngerl\u00e4ndern befanden sich auch 2017 zahlreiche menschenrechtsverletzende und kriegf\u00fchrende Staaten \u2013 allen voran Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar und die T\u00fcrkei! Die Gesamtbilanz der vergangenen gro\u00dfen Koalition von CDU\/CSU und SPD unter F\u00fchrung von Bundeskanzlerin Merkel und den Bundeswirtschaftsministern Gabriel und Zypries ist quantitativ \u2013 in Ihrem Volumen \u2013 und qualitativ \u2013 gemessen an den Empf\u00e4ngerl\u00e4ndern in Krisen- und Kriegsgebieten \u2013 schlichtweg katastrophal. Auch 2017 hat die Bundesregierung mit ihren Waffenexporten-Genehmigungen zur Verst\u00fcmmelung und zum Tod zahlloser Menschen durch den Einsatz deutscher Kriegswaffen in den Empf\u00e4ngerl\u00e4ndern beigetragen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>\u201eEs bedarf endlich eines wirksamen R\u00fcstungsexportkontrollgesetzes, um solch hohe und politisch fragw\u00fcrdige R\u00fcstungsexporte zu stoppen\u201c, kommentiert Christine Hoffmann, die Kampagnensprecherin und pax christi-Generalsekret\u00e4rin, und erl\u00e4utert: \u201eDer neue Bericht der Bundesregierung tr\u00e4gt zur Transparenz \u00fcber die Widerspr\u00fcche zwischen den Politischen Grunds\u00e4tzen der Bundesregierungen zum R\u00fcstungsexport und der tats\u00e4chlichen Genehmigungspraxis bei. Die dritth\u00f6chsten Genehmigungswerte f\u00fcr das Jahr 2017 (6,24 Mrd. Euro) nach den negativen Rekordjahren 2015 (7,86 Mrd Euro) und 2016 (6,85 Mrd. Euro) verdienen die Bezeichnung restriktive R\u00fcstungsexportpolitik nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Hinweise der Bundesregierung auf die Bedeutung der Empf\u00e4ngerl\u00e4nder gegen\u00fcber der H\u00f6he und Anzahl der Genehmigungen machen weitere Widerspr\u00fcche deutlich: Die Gro\u00dflieferung eines Schiffs an Algerien widerspricht dem Grundsatz, die Menschenrechtslage im Empf\u00e4ngerland und das Bestehen interner Gewaltkonflikte im Land sowie die regionale Sicherheitslage bei der Genehmigung zu beachten. Denn in Algerien bestehen interne Gewaltkonflikte, die Menschenrechtssituation gilt als sehr schlecht, die regionale Sicherheitslage ist sehr kritisch. Genauso desastr\u00f6s ist Lieferung eines U-Bootes an \u00c4gypten und zwar aufgrund derselben genannten schlechten Menschenrechtslage, internen Gewaltkonflikten und sehr kritischen regionalen Sicherheitslage. Auch ist wieder der monet\u00e4re Genehmigungswert bei den Exporten an Drittstaaten mit 3,79 Mrd. Euro h\u00f6her als innerhalb von EU und Nato mit 2,45 Mrd. Euro, und das, obwohl die Grunds\u00e4tze festlegen, dass gerade der Export an \u201aDrittl\u00e4nder\u2018 bzw. \u201asonstige L\u00e4nder\u2018 restriktiv gehandhabt werden muss.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>R\u00fcstungsexportbericht: Das Problem mit den Kleinwaffen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der R\u00fcstungsexportbericht der Bundesregierung f\u00fcr das Jahr 2017 enth\u00e4lt eine katastrophale Bilanz im Hinblick auf das genehmigte Exportvolumen und im Hinblick auf die Empf\u00e4ngerl\u00e4nder. Es ist erschreckend zu sehen, welche Exporte auch heute noch genehmigt werden \u2013 nachdem die Praxis der deutschen R\u00fcstungsexportkontrolle seit so vielen Jahren in der Kritik steht und eine breite gesellschaftliche Mehrheit sich konsequent gegen R\u00fcstungsexporte ausspricht.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders dramatisch ist die Diskrepanz zwischen gesellschaftlichem Willen und politischer Praxis im Feld der Genehmigung von Kleinwaffen-Exporten. Es \u00fcberrascht, dass sich diese seit Jahren auf einem konstant hohen Niveau bewegen \u2013 was eigentlich nicht sein kann, da die Genehmigungswerte von R\u00fcstungsexporten nach Angaben der Bundesregierung grunds\u00e4tzlich Einzelf\u00e4lle sind, weshalb die entsprechenden Werte starken Schwankungen unterliegen. Und es \u00fcberrascht zu sehen, wie die Bundesregierung bem\u00fcht ist, die entsprechenden Zahlen klein zu rechnen statt einfach die Genehmigungspraxis zu ver\u00e4ndern und dadurch die Zahlen als solche zu senken. In den vergangenen Jahren genehmigte die Bundesregierung den Export von Kleinwaffen (AL-Position 0001) im Wert von jeweils rund 200 Millionen Euro. Hierbei handelt es sich um Schusswaffen, wie sie von Milit\u00e4r und Polizei, Sportsch\u00fctzen und J\u00e4gern eingesetzt werden. Wie Amokl\u00e4ufe beweisen, wirken all diese Waffen t\u00f6dlich, ob sie nun tats\u00e4chlich von Soldaten eingesetzt werden oder nicht. Trotzdem bem\u00fcht sich die Bundesregierung, die publizierten Zahlen zu differenzieren, und unterscheidet weitere Kategorien von Kleinwaffen. Technisch gibt es zwischen diesen verschiedenen Waffen kaum einen Unterschied, unterschieden wird allein zwischen verschiedenen Gruppen von Antragstellern bzw. Empf\u00e4ngern.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table><tbody><tr><td>Jahr<\/td><td>Exportgenehmigungen f\u00fcr Handfeuerwaffen (AL-Position 0001) in Millionen Euro<\/td><td>Exportgenehmigungen f\u00fcr Kleinwaffen in Millionen Euro<\/td><td>Exportanteil Drittl\u00e4nder in Millionen Euro<\/td><td>Exportanteil Entwicklungsl\u00e4nder in Millionen Euro<\/td><\/tr><tr><td>2010<\/td><td>237<\/td><td>49,54<\/td><td>16,3<\/td><td>4,16<\/td><\/tr><tr><td>2011<\/td><td>222<\/td><td>37,9<\/td><td>17,92<\/td><td>5,4<\/td><\/tr><tr><td>2012<\/td><td>234<\/td><td>76,15<\/td><td>37,09<\/td><td>26<\/td><\/tr><tr><td>2013<\/td><td>285<\/td><td>82,63<\/td><td>42,23<\/td><td>0,81<\/td><\/tr><tr><td>2014<\/td><td>189<\/td><td>74,43<\/td><td>21,63<\/td><td>1,85<\/td><\/tr><tr><td>2015<\/td><td>149<\/td><td>32,43<\/td><td>14,49<\/td><td>1,1<\/td><\/tr><tr><td>2016<\/td><td>255<\/td><td>46,89<\/td><td>16,38<\/td><td>3,7<\/td><\/tr><tr><td>2017<\/td><td>215<\/td><td>47,82<\/td><td>15,1<\/td><td>9,7<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p>\u201eKleinwaffen\u201c stellen aus Sicht der Bundesregierung solchen Waffen dar, die milit\u00e4risch genutzt werden. Dass daneben aber auch Scharfsch\u00fctzengewehre, halbautomatische Pistolen und Schrotflinten sehr wohl in bewaffneten Konflikten eingesetzt werden, bleibt unbeachtet und flie\u00dft nicht in den R\u00fcstungsexportbericht ein. Eine weitere Unterscheidung wird dann zwischen NATO- und EU-Staaten und solchen, Staaten, die nicht der westlichen Welt angeh\u00f6ren, gezogen. Eine solche Unterscheidung w\u00e4re hilfreich, wenn im Folgenden dann die Exporte an alle L\u00e4ndergruppen detailliert aufgeschl\u00fcsselt w\u00fcrden. Faktisch berichtet die Bundesregierung aber nur \u00fcber die genehmigten Exporte an Drittl\u00e4nder. Die Genehmigungswerte f\u00fcr Entwicklungsl\u00e4nder wiederum sind innerhalb dieser L\u00e4ndergruppe versteckt und m\u00fcssen mehr oder weniger aktiv gesucht bzw. rekonstruiert werden. Beim Blick auf diese Zahlen wird dann auch das Problem deutlich: Die Bundesregierung achtet bei der Genehmigung von R\u00fcstungsexporten keineswegs darauf, ob diese im Einklang mit den Zielen einer nachhaltigen Entwicklung stehen, stattdessen genehmigt sie selbst den Export von Kleinwaffen in Entwicklungsl\u00e4nder. Als Hauptkunden treten dabei Indien und Indonesien auf. Im Jahr 2017 erhielt Indien u. a. die Genehmigung zum Erwerb von 3433 Maschinenpistolen. Dies stellt einen Folgeauftrag dar, denn in einer ersten Tranche durfte das Land im Jahr 2012 bereits 12.957 solche Waffen importieren. Indonesien hingegen durfte 2012 und 2017 insgesamt 1109 Maschinenpistolen erwerben. Und diese Kleinwaffen-Exporte stehen eben nicht isoliert, sondern stellen nur die Spitze des Eisbergs dar. Tats\u00e4chlich durfte Indien im Jahr 2017 Handfeuerwaffen (AL-Position 0001) im Wert von rund 7,6 Millionen Euro importieren und stand auf der Liste der wichtigsten Empf\u00e4ngerl\u00e4nder deutscher R\u00fcstungsexporte auf Rang 13. Indonesien hingegen, das Rang 16 der wichtigsten Empf\u00e4ngerl\u00e4nder einnimmt, durfte neben den Maschinenpistolen auch Schnellfeuergewehre und vor allem 21 Leopard-2-Panzer einf\u00fchren. Alles zusammen ein kostspieliger Ankauf, durch den das Ziel der nachhaltigen Entwicklung sicherlich nicht erreicht wird. Die Bundesregierung, die f\u00fcr sich in Anspruch nimmt, eine strenge R\u00fcstungsexportkontrolle zu praktizieren, sollte durch diese Zahlen angespornt werden, endlich ein R\u00fcstungsexportkontollgesetz zu verabschieden, das diesen Namen verdient.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Schweizer Munition f\u00fcr die Gewalt in Brasilien<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Am Abend des vergangenen 14. M\u00e4rz wurde die brasilianische Menschenrechtsaktivistin und Stadtr\u00e4tin von Rio de Janeiro, Marielle Franco in ihrem Auto auf offener Stra\u00dfe ermordet. Auch ihr Fahrer Anderson Gomes wurde Opfer des akribisch vorbereiteten Verbrechens.<\/p>\n\n\n\n<p><a><\/a>Marielle lebte ihr Leben lang in der Favela da Mar\u00e9, einem der gr\u00f6\u00dften Elendsviertel von Rio de Janeiro. Die 38-j\u00e4hrige Soziologin verstand sich als Sprachrohr der Kinder und Jugendlichen der Favelas, welche privilegierte Opfer der willk\u00fcrlich agierenden Milit\u00e4rpolizei, ihrer Todesschwadronen und der Drogenh\u00e4ndler sind. Sie engagierte sich f\u00fcr die Rechte der Frauen und setzte sich f\u00fcr die mehrheitlich schwarze Bev\u00f6lkerung der Favelas ein. Seit dem Sturz der brasilianischen Pr\u00e4sidentin Dilma Rousseff (August 2016), denunzierte sie wiederholt den wachsenden Autoritarismus in Brasilien und kritisierte die milit\u00e4rische Intervention in Rio de Janeiro, die durch den amtierenden Putsch-Pr\u00e4sidenten Michel Temer im Februar in Rio gestartet wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 28. Februar wurde Marielle zur Vorsitzenden der Menschenrechtskommission nominiert, welche die Intervention des Milit\u00e4rs \u00fcberwachen soll. Am 10. M\u00e4rz denunzierte sie die perverse Gewalt der Milit\u00e4rpolizei in der Favela Acari und am 14. M\u00e4rz wurde sie durch ein Killerkomando ausgel\u00f6scht.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Tod von Marielle ist aber nur die Spitze des riesigen Eisberges der Gewalt in Brasilien. Gem\u00e4\u00df einer im vergangenen Dezember durch die Organisation Small Arms Survey mit Sitz in Genf ver\u00f6ffentlichten Studie sind im Jahr 2016 weltweit 560.000 Menschen durch Gewaltverbrechen get\u00f6tet worden. 99.000 (18%) in den verschiedenen Kriegsherden der Welt. Die Mehrheit der Opfer verlor ihr Leben jedoch au\u00dferhalb der Kriegszonen (82%), \u00fcber 70.000 Menschen (12%) alleine in Brasilien. Der Anteil Brasiliens an der Weltbev\u00f6lkerung betr\u00e4gt aber weniger als 3%. Mit \u00fcber 190 Morden pro Tag steht Brasilien in absoluten Zahlen weltweit an erster Stelle und \u00fcbertrifft jede der aktuellen Kriegsregionen der Welt, selbst Syrien.<\/p>\n\n\n\n<p>Gem\u00e4ss einer Analyse der Vereinten Nationen (UNODC \u2013 United Nations Office on Drugs and Crimes) ist nicht nur die absolute Zahl brasilianischer Opfer von Gewaltverbrechen erschreckend. Noch ersch\u00fctternder ist die Tatsache, dass 45% der Opfer Kinder und Jugendliche sind und 66% afrobrasilianische Herkunft haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Bild des Schreckens wird durch eine Anfang M\u00e4rz publizierte Studie der mexikanischen Organisation Seguridad, Justicia y Paz vervollst\u00e4ndigt. J\u00e4hrlich produziert sie ein Ranking der Gewalt in St\u00e4dten mit \u00fcber 300.000 Einwohnern au\u00dferhalb der weltweiten Kriegszonen. Innerhalb der weltweit 50 gewaltt\u00e4tigsten St\u00e4dte liegen 43 in Lateinamerika und 17 alleine in Brasilien. Bezeichnend ist, dass Rio de Janeiro nicht zu diesen 17 St\u00e4dten geh\u00f6rt. Dies zeigt klar, dass die Gewalt kein auf Rio fokussiertes Problem ist, sondern l\u00e4ngst zu einer nationalen Herausforderung geworden ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz dieser gewaltigen Wirklichkeit Brasiliens kommunizierte im vergangenen Dezember der Schweizer R\u00fcstungskonzern RUAG sein Vorhaben, 2018 eine Munitionsfabrik im brasilianischen Bundesstaat Pernambuco aufbauen zu wollen. Im Nordosten Brasiliens also, wo sich der Gro\u00dfteil der 17 gewaltigsten St\u00e4dte Brasiliens konzentriert. Im Versuch, diese absurde Millioneninvestition zu rechtfertigen, gibt RUAG sehr schnell an, die produzierte Munition werde selbstverst\u00e4ndlich nur an den offiziellen Sicherheitsapparat Brasiliens verkauft.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Munition, welche Marielle ermordete, wurde 2006 an die brasilianische Bundespolizei (Pol\u00edcia Federal) verkauft und wurde ebenfalls beim gr\u00f6\u00dften Massaker in S\u00e3o Paulo im vergangenen Jahr gefunden. Wer Brasilien auch nur ein klein wenig kennt, wei\u00df ganz genau, wie stark der offizielle (Un)Sicherheitsapparat mit dem organisierten Verbrechen verfilzt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer sich also trotz dieser \u00fcberw\u00e4ltigenden Daten und Fakten f\u00fcr eine Munitionsfabrik in Brasilien entscheidet, st\u00fctzt sich entweder auf eine oberfl\u00e4chliche, die Realit\u00e4t ignorierende Analyse, oder orientiert sich ausschlie\u00dflich am Kriterium des potenziellen Profites. Beide Szenarien sind ethisch unhaltbar und sind f\u00fcr einen g\u00e4nzlich bundeseigenen Konzern nie und nimmer zu rechtfertigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die M\u00f6glichkeit einer Schweizer Munitionsfabrik in Brasilien entstand nur, weil RUAG mit dem brasilianischen Putsch-Pr\u00e4sidenten Michel Temer die Aufhebung des Jahrzehnte alten Staatsmonopols verhandelte. Michel Temer ist derselbe, der die gro\u00dfen Erfolge der Armutsreduktion vergangener Jahr durch K\u00fcrzung und Aufl\u00f6sung strategischer Sozialpolitik wieder r\u00fcckg\u00e4ngig macht.<\/p>\n\n\n\n<p>Kurz vor ihrem Tod hat Marielle Franco in einem Artikel gefragt, wieviele Menschen noch sterben m\u00fcssen, bis dieser Krieg endlich ein Ende findet. Angesichts der aktuellen Lage Brasiliens werden es noch viele sein. Und in Zukuft durch Munition aus der Schweiz.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Beat Wehrle (53) ist Sozialarbeiter und Theologe. Zwischen 1985 und 2016 arbeitete er in sozialen Projekten in S\u00e3o Paulo, Brasilien. Seit Oktober 2016 lebt er mit seiner Familie in Bogot\u00e1 (Kolumbien) und koordiniert die Projektarbeit von terre des hommes Deutschland in Lateinamerika. Kontakt: <a href=\"mailto:b.wehrle@tdh-latinoamerica.de\">b.wehrle@tdh-latinoamerica.de<\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Heckler &amp; Koch sorgt f\u00fcr Irritationen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nach Informationen der <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article175972784\/Waffenhersteller-Heckler-Koch-verfehlt-Geschaeftsziele.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Welt<\/a> hatte Heckler &amp; Koch im vergangenen Jahr mit firmeninternen Fertigungs- und Lieferproblemen zu k\u00e4mpfen. Absatzprobleme auf dem US-Markt h\u00e4tten die Probleme noch intensiviert, sodass es trotz an sich hervorragender Gesch\u00e4fte etwa mit dem franz\u00f6sischen, aber auch mit dem US-Milit\u00e4r zu einem Umsatz- und Gewinnr\u00fcckgang gekommen sei. Mit 187 Millionen Euro im Jahr 2017 ist der Konzernumsatz zwar immer noch ansehnlich, liegt aber um rund 10% niedriger als noch im vergangenen Gesch\u00e4ftsjahr. Noch dramatischer ist allerdings der Gewinnr\u00fcckgang um 20,6 Millionen Euro, denn dies f\u00fchrt dazu, dass Heckler &amp; Koch zum ersten Mal seit 2014 wieder ein Gesch\u00e4ftsjahr mit einem negativen Ergebnis abschlie\u00dft. Der Verlust habe sich demnach auf 13,4 Millionen Euro belaufen. \u2013 Nach einem Gewinn von 7,2 Millionen Euro im Jahr 2016.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig hat in Stuttgart der Prozess um die angeblich illegale Lieferung von Schnellfeuergewehren nach Mexiko begonnen. Im Verlauf der ersten Prozesstage scheint sich der Verdacht zu erh\u00e4rten, dass Heckler &amp; Koch beim Export der Waffen bewusst getrickst habe \u2013 so meint zumindest die <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.prozess-um-heckler-koch-vorwurf-der-trickserei-bei-waffendeals-erhaertet.604c13ff-992c-4385-a667-4a475d1f8e98.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Stuttgarter Zeitung<\/a>. Hinzu kommt, dass im Prozessverlauf ein Zeuge des Ausw\u00e4rtigen Amtes betont hat, das Au\u00dfenministerium habe wiederholt Bedenken gegen\u00fcber den Exporten von Heckler &amp; Koch nach Mexiko ge\u00e4u\u00dfert. \u2013 So erneut die <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.heckler-koch-prozess-zeuge-auswaertiges-amt-hatte-bedenken-gegen-waffenexporte-nach-mexiko.89f9691e-1bce-48b7-9b4a-8eb80037168e.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Stuttgarter Zeitung<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Als w\u00e4re dies alles nicht genug, hat das Unternehmen nun bekannt gegeben, dass es seine f\u00fcr den 26.6.2018 geplante Hauptversammlung verschieben muss. Die <a href=\"https:\/\/www.heckler-koch.com\/no_cache\/de\/ir\/ir-mitteilungen.html?tx_z7simpledownloads[download]=1029\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Absage<\/a> erfolgte kurzfristig, n\u00e4mlich vier Tage vor dem geplanten Termin. Und so \u00fcberraschend wie die Absage ist der angegebene Grund: Es h\u00e4tten sich zu viele Aktion\u00e4re f\u00fcr die Veranstaltung angemeldet, weshalb der geplante Veranstaltungsraum im Rathaus von Oberndorf zu klein sei. Wann die Hauptversammlung nachgeholt werden wird, ist noch nicht gekl\u00e4rt. \u2013 Hoffentlich bald, denn es ist zu hoffen, dass im Rahmen der damit verbundenen \u00f6ffentlichen Aussprache manche Irritationen gekl\u00e4rt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der R\u00fcstungsexportbericht der Bundesregierung f\u00fcr das Jahr 2017 ist erschienen. Die Zahlen die darin publik gemacht werden sind erwartbar \u2013 und doch \u00fcberrascht es mit welcher Dreistigkeit die Bundesregierung gegen allen zivilgesellschaftlichen Protest an ihrer Exportpolitik festh\u00e4lt. Mehr dazu im neuen Newsletter. 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