{"id":1881,"date":"2013-01-24T15:21:00","date_gmt":"2013-01-24T14:21:00","guid":{"rendered":"https:\/\/rib-ev.de\/?p=1881"},"modified":"2024-07-19T15:04:54","modified_gmt":"2024-07-19T13:04:54","slug":"daks-newsletter-januar-2013-ist-erschienen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rib-ev.de\/?p=1881","title":{"rendered":"DAKS-Newsletter Januar 2013 ist erschienen!"},"content":{"rendered":"\n<p>Ein neues Jahr hat begonnen \u2013 was mag es bringen? Das Problem ist nicht, dass das niemand wei\u00df, sondern dass scheinbar niemand eine Vision zu formulieren vermag, was es bringen soll. Die Ansprachen und Erkl\u00e4rungen verschiedener katholischer Bisch\u00f6fe im Kontext des Weltfriedenstags 2013 legen hiervon ein erschreckendes Zeugnis ab. Mehr dazu im neuen Newsletter.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter diesen Umst\u00e4nden ist es zu begr\u00fc\u00dfen, dass zumindest manche terminliche Eckpunkte des neuen Jahres schon jetzt greifbar werden. Im kommenden Mai 2013 wird IPPNW einen Kongress zur Kleinwaffen-Problematik organisieren (\u201eZielscheibe Mensch\u201c) Das Nottinghamer Aktionsb\u00fcndnis \u201eShut down HK\u201c setzt seine r\u00fcstungskritische Arbeit fort. Und: Amnesty International intensiviert seine Arbeit f\u00fcr die Erarbeitung und Verabschiedung eines Arms Trade Treaty. Zu all dem \u2013 mehr im neuen Newsletter.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Weiterempfehlen: Wenn Sie den Kleinwaffen-Newsletter abonnieren wollen<br>(als kostenlose E-Mail), senden Sie uns einfach eine <a href=\"mailto:daks-news@rib-ev.de?subject=Kleinwaffen-Newsletter\">Mail<\/a> mit dem Stichwort<br>\u201eKleinwaffen-Newsletter\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<strong>Zielscheibe Mensch\u201c: internationaler Kongress zu Kleinwaffen in der N\u00e4he von Oberndorf<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Diesen Fr\u00fchsommer wird im baden-w\u00fcrttembergischen Villingen-Schwenningen ein besonderes Ereignis stattfinden: Dort wird \u2013 f\u00fcr Deutschland eine Premiere! \u2013 die deutsche Sektion der IPPNW einen internationalen Kongress zu den Folgen von Kleinwaffenexporten veranstalten. Kooperationspartner sind die Kampagne \u201eAktion Aufschrei \u2013 Stoppt den Waffenhandel!\u201c, die Stadt Villingen-Schwenningen und die internationale Kampagne <a href=\"http:\/\/www.ippnw.org\/afp.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Aiming for Prevention<\/a>. Ort der viert\u00e4gigen Konferenz (30.5.2013 bis 2.6.2013) ist die Neue Tonhalle in Villingen-Schwenningen. Wie Ernst-Ludwigs Iskenius von <a href=\"http:\/\/www.refugio-vs.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Refugio e. V.<\/a> in einer Pressemitteilung bekannt gab, wird es in den Beitr\u00e4gen der ReferentInnen um die sozialen, psychischen und gesundheitlichen Konsequenzen der weltweiten Verseuchung durch Kleinwaffen gehen. Weiter hei\u00dft es in der Pressemitteilung:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDer Ort wurde bewusst in die Region gelegt, wo Heckler &amp; Koch, die gr\u00f6\u00dfte und wichtigste europ\u00e4ische Kleinwaffenproduktionsst\u00e4tte ihren Hauptsitz hat. Eingeladen sind Fachleute, vor allem auch \u00c4rzte und \u00c4rztinnen aus den betroffenen L\u00e4ndern, die unter der Kleinwaffenplage besonders leiden und hohe Opferzahlen zu verzeichnen haben, die zu ihren allt\u00e4glichen konkreten Erfahrungen berichten k\u00f6nnen. Zugesagt haben bisher Referenten aus S\u00fcdafrika, Kenia, Nigeria, USA, Iran, Australien und Nepal. Der Kongress soll zum einen die gegen den gesteigerten Waffenhandel Aktiven in Nord, S\u00fcd, West und Ost zusammenbringen, um gemeinsame Strategien gegen die zunehmende Verseuchung von Kleinwaffen (die UNO spricht vom Massenvernichtungsmittel Nr. 1 des 21. Jahrhunderts) zu entwickeln, und auch die bestehenden Netzwerke festigen und zusammenbringen. Zum anderen soll dieser Kongress die \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit auf unsere deutsche und europ\u00e4ische Verantwortung f\u00fcr den Tod und die Verst\u00fcmmelung von Millionen Menschen lenken, denen durch Kleinwaffen so viel Leid zugef\u00fcgt wird. Geplant sind nicht nur Plenarsitzungen, Workshops und Vortr\u00e4ge, sondern der Kongress wird eine Exkursion zu Heckler &amp; Koch in Oberndorf durchf\u00fchren. Im Vorfeld werden junge Mediziner aus zehn verschiedenen L\u00e4ndern in einer Fahrradtour von Ulm nach Villingen-Schwenningen auf die Probleme des internationalen Waffenhandels hinweisen. Die internationalen Experten k\u00f6nnen auch um den Kongress herum f\u00fcr Veranstaltungen in einzelnen Orten genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Der Kongress wird in deutscher und englischer Sprache gef\u00fchrt. Fr\u00fchzeitige Anmeldungen sind hochwillkommen. Unter <a href=\"http:\/\/www.zielscheibe-mensch.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">www.zielscheibe-mensch.org<\/a> wird regelm\u00e4\u00dfig \u00fcber den neuesten Stand der Kongressvorbereitung und der Programmentwicklung berichtet. \u00dcber diese Website ist auch die Anmeldung und eine Unterkunft zu buchen (auch Privatunterk\u00fcnfte). Der Kongressbeitrag betr\u00e4gt 100 Euro, erm\u00e4\u00dfigt 60 Euro, ab dem 1.3. 120 Euro, erm\u00e4\u00dfigt 80 Euro. Wer die Kongressank\u00fcndigung weiter verbreiten und entsprechende Flyer in seiner Umgebung verteilen m\u00f6chte, soll sich bei der IPPNW-Gesch\u00e4ftsstelle melden (K\u00f6rtestrasse 10, 10967 Berlin, Tel. 030-6980740 oder E-Mail: <a href=\"mailto:uhe@ippnw.de\">uhe@ippnw.de<\/a>). Wer noch einen Workshop oder sonstigen inhaltlichen Beitrag zu diesem Kongress halten m\u00f6chte, sollte sich ebenfalls unter der obigen Adresse melden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wir w\u00fcnschen dem Kongress ein gutes Gelingen und den hoffentlich zahlreichen TeilnehmerInnen neue Erkenntnisse, einen fruchtbaren Austausch und Inspirationen f\u00fcr die kommenden Aktionen gegen den Waffenexport!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>R\u00fcstungskritische Arbeit in Nottingham geht weiter<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Anl\u00e4sslich einer Gesundheitstagung, die im Herbst zuf\u00e4llig im Nachbargeb\u00e4ude der Heckler &amp; Koch-Niederlassung im Industriegebiet von Nottingham stattfand, verteilten AktivistInnen der Kampagne \u201eShut down HK\u201c Flugbl\u00e4tter, um die meist unwissenden Tagungsteilnehmer \u00fcber die Kriegswaffenfirma nebenan zu informieren. Dar\u00fcber wird auf der Internetseite von \u201e<a href=\"http:\/\/nottsantimilitarism.wordpress.com\/2012\/09\/26\/campaigners-leaflet-health-conference-next-door-to-arms-company\/#more-1672\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Notts Antimilitarism<\/a>\u201c berichtet. Auch monatliche Protestveranstaltungen gegen die skrupellosen Waffenexporte von HK werden weiterhin veranstaltet.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Orientierungsschild f\u00fcr das Industriegebiet nennt Heckler &amp; Koch seinen Namen nicht. Der Wunsch der Firma, anonym zu bleiben, wird von den AktivistInnen nicht erf\u00fcllt. Aber immerhin weisen sie darauf hin, dass potentielle K\u00e4ufer (unter ihnen diktatorische Regime wie Saudi-Arabien oder kriegf\u00fchrende NATO-Staaten) hier \u201eKriegsmaterial\u201c kaufen k\u00f6nnen: <strong>H+K Guns for Sale<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Arms Trade Treaty: Amnesty International startet Online-Petition<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Unter dem Motto \u201eH\u00e4nde hoch Mister Obama \u2013 H\u00e4nde hoch f\u00fcr Waffenkontrolle!\u201c will Amnesty International im Vorfeld der vom 18. bis 28. M\u00e4rz stattfindenden UN-Konferenz zu einem Waffenhandelskontrollvertrag (Arms Trade Treaty, ATT) f\u00fcr einen starken Vertragstext werben \u2013 mit einer <a href=\"http:\/\/www.amnesty.de\/att\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Petition<\/a>, die man im Internet unterschreiben kann. Die Menschenrechtsorganisation weist darauf hin, dass jede Minute ein Mensch durch Waffengewalt sterbe \u2013 das seien eine halbe Million Menschen jedes Jahr. Amnesty International fordert deshalb strikte Regeln f\u00fcr den weltweiten Waffenhandel und sieht die USA als gr\u00f6\u00dfte Waffenexportnation der Welt besonders in der Pflicht, einen Vertrag zur Kontrolle des Waffenhandels zu unterst\u00fctzen. Die UnterzeichnerInnen der Petition fordern US-Pr\u00e4sident Barack Obama auf, sich bei den UN-Verhandlungen f\u00fcr einen starken ATT zu entscheiden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nationales Waffenregister eingerichtet<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Am 21. Mai 2008 wurde die <a href=\"http:\/\/eur-lex.europa.eu\/LexUriServ\/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2008:179:0005:01:DE:HTML\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">EU-Richtlinie 2008\/51\/EG<\/a> des Parlaments und des Rates verabschiedet. In den darin enthaltenen einleitenden \u00dcberlegungen ist ein Passus enthalten, der vorschreibt (siehe: Ziff. 8): \u201eDie Mitgliedstaaten m\u00fcssen [\u2026] ein computergest\u00fctztes zentral oder dezentral organisiertes Waffenregister einrichten, das den zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden zug\u00e4nglich ist und in dem die erforderlichen Angaben zu jeder Feuerwaffe gespeichert sind.\u201c Nun, knapp f\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter ist es soweit, Deutschland hat es geschafft, nach und trotz teils heftigem Protest von Sportsch\u00fctzen und J\u00e4gern, (vgl. etwa die Berichterstattung im <a href=\"http:\/\/www.dwj.de\/magazin\/aktuell\/details\/items\/509.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">DWJ<\/a>) das geforderte Waffenregister einzurichten. Anders als teilweise behauptet (vgl. etwa die \u201e<a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/zeitgeschehen\/2012-12\/nationales-waffenregister-winnenden\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Zeit<\/a>\u201c) hatte die Schaffung also nichts mit dem Amoklauf von Winnenden (M\u00e4rz 2009) zu tun, sondern stellt lediglich die Umsetzung der EU-Vorgaben dar.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Einf\u00fchrung des Registers ist grunds\u00e4tzlich zu begr\u00fc\u00dfen, da den Sicherheitsbeh\u00f6rden damit erstmals ein schneller und einfacher Zugriff auf alle relevanten Daten m\u00f6glich wird. Wie die Gewerkschaft der Polizei (<a href=\"http:\/\/www.gdp.de\/id\/p121104\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">GdP<\/a>) betont, sei es relevant, ob an einem Einsatzort und z. B. bei einer Familienauseinandersetzung eine Waffe registriert ist oder nicht. Eine andere Frage ist, welchen Wert die nun publizierten absoluten Zahlen zum privaten Waffenbesitz in Deutschland besitzen. Nach den nun ver\u00f6ffentlichten Zahlen gibt es in Deutschland 1,4 Millionen Waffenbesitzer, die insgesamt rund 5,5 Millionen Waffen legal besitzen. Die Angaben best\u00e4tigen damit noch einmal die Zahlen, die von der nieders\u00e4chsischen Landesregierung als Antwort auf eine <a href=\"http:\/\/www.landtag-niedersachsen.de\/Drucksachen\/Drucksachen_16_5000\/4001-4500\/16-4309.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Anfrage<\/a> von B\u00fcndnis \u201990 \/ Die Gr\u00fcnen ver\u00f6ffentlicht worden sind, wonach in Deutschland 5.784.971 erlaubnispflichtige Waffen legal von Privatleuten besessen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Zahl ist extrem niedrig, stellt man in Rechnung, dass unabh\u00e4ngige Sch\u00e4tzungen des <a href=\"http:\/\/www.smallarmssurvey.org\/fileadmin\/docs\/A-Yearbook\/2007\/en\/full\/Small-Arms-Survey-2007-Chapter-02-EN.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Small Arms Survey<\/a> bisher von 20-30 Millionen Schusswaffen in Deutschland ausgegangen sind. Einerseits. Andererseits scheint es jedoch auch angebracht, die Zahlen zu kontextualisieren. Der Small Arms Survey verweist in seiner schon zitierten <a href=\"http:\/\/www.smallarmssurvey.org\/fileadmin\/docs\/A-Yearbook\/2007\/en\/full\/Small-Arms-Survey-2007-Chapter-02-EN.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Analyse<\/a> der deutschen Situation (vgl. insbesondere S. 51) insbesondere auch auf eine amtliche Erhebung aus dem Jahr 1972, derzufolge damals rund 3,2 Millionen Schusswaffen in Deutschland legal besessen wurden. Gegen\u00fcber den UN gab das deutsche Au\u00dfenministerium dar\u00fcber hinaus an, dass ausgehend von der Erhebung in den 1970er Jahren von einer Gesamtzahl von 15-25 Millionen in Umlauf befindlichen Schusswaffen ausgegangen wurde (siehe ebd.). Auf diese Angabe \u2013 also eine Sch\u00e4tzung der legal und (!) illegal in Deutschland besessenen Schusswaffen \u2013 bezog sich also der Small Arms Survey in seiner Studie. Und heute? Sch\u00e4tzungen zum illegalen Waffenbesitz in Deutschland gibt es derzeit keine, publiziert und zitiert wird allein jene offizielle Zahl von 5,5 Millionen legalen Schusswaffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was dabei leider untergeht, ist die \u201eWachstumsrate\u201c des privaten Waffenbesitzes in Deutschland: Zwischen 1972 und 2012 scheinen 2,3 Millionen Waffen in die Statistik aufgenommen worden zu sein. Das sind pro Jahr rund 57.000 Waffen bzw. 156 Waffen pro Tag. \u2013 Das ist eine irritierende Vorstellung.<\/p>\n\n\n\n<p>Deutlich wird damit vor allem auch, dass das nun umgesetzte Waffenregister weit davon entfernt ist, absolute Zahlen \u00fcber die Verbreitung von Schusswaffen in Deutschland liefern zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>BBC berichtet \u00fcber illegalen Waffenhandel nach Nigeria<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In der Sendung \u201eFile on 4\u201c berichtet die BBC \u00fcber Aktivit\u00e4ten des britischen Waffenh\u00e4ndlers Gary Hyde. Im letzten Monat war er f\u00fcr illegalen Waffenexport von nach Nigeria zu einer Haftstrafe von sieben Jahren verurteilt worden; es soll sich um zehntausende Kleinwaffen (u. a. AK47-Gewehre) und Dutzende Container Munition. Die BBC vermutet, dass die Waffen bereits au\u00dfer Kontrolle sind, angesichts der gro\u00dfen Menge eine echte Gefahr, wenn sie tats\u00e4chlich auf dem Schwarzmarkt der Region gelandet sein sollten. Nun wurde aufgedeckt, dass die Beh\u00f6rden seit 2007 gegen Hyde ermittelten, dass er aber trotzdem Waffengesch\u00e4fte t\u00e4tigen konnte \u2013 auch mit der britischen Polizei und dem Verteidigungsministerium. Kritik an der Vergabe von Waffenhandelslizenzen wird laut. In Frage gestellt wird auch das angeblich so strenge Waffenexportkontrollregime Gro\u00dfbritanniens. Die Sendung l\u00e4sst sich <a href=\"http:\/\/www.bbc.co.uk\/programmes\/b01pty4h\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">hier<\/a> nachh\u00f6ren und einen <a href=\"http:\/\/www.bbc.co.uk\/news\/uk-20991545\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Hintergrundartikel<\/a> gibt es ebenfalls.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Weltfriedenstag 2013: eine Friedensvision f\u00fcr die Zukunft?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Nachricht warf mich aus dem Gleis<br>Mir zittern noch vor Schreck die Knie<br>Soeben las ich Schwarz auf Wei\u00df<br>Die Bombe f\u00e4llt nie<br>Hat das nicht schlimme Konsequenzen?<br>Die Zukunft hatte bislang Grenzen<br>Doch wenn man wieder planen kann<br>Was f\u00e4ngt man mit der Zukunft an?<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Zeilen schrieb der Liedermacher Herman van Veen im Jahr 1984. Seit Weihnachten bzw. seit dem das neue Jahr begonnen hat, ist klar, der Weltuntergang ist schon wieder nicht passiert. Schade eigentlich, denn \u2013 wie schon die <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2012\/51\/Weltuntergang-Party-Tipps\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Zeit<\/a> festgestellt hat, w\u00e4re es doch eine wirkliche Erleichterung gewesen nicht das Schicksal der FDP im Wahljahr 2013 miterleben zu m\u00fcssen. Mit van Veen ist aber auch klar, dass das eigentliche Problem nat\u00fcrlich tiefer liegt. Denn im Raum steht eben nicht die Frage, wie die letzten Stunden gestaltet werden sollen (Stichwort: Weltuntergangs-Party), sondern wie die Menschheit mit ihrer gef\u00fchlt unendlichen Zukunft umgehen soll.<\/p>\n\n\n\n<p>Gut also, dass es andere Weltuntergangs-Szenarien gibt, die immer noch Bestand haben, auch und nachdem die Maya-Prophezeiungen versagt haben. Der Klimawandel etwa, der ja schlie\u00dflich immer noch bevor steht. Oder auch die Gefahren, die durch den Welt-Waffenhandel entstehen. Zur Erinnerung: Nach Berechnungen von <a href=\"http:\/\/controlarms.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/Ammunition-the-fuel-of-conflict.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Oxfam<\/a> sollen pro Jahr zwischen 10 und 14 Milliarden Schuss Kleinwaffen-Munition produziert werden. Das sind ungef\u00e4hr zwei Schuss pro Mensch absolut. Jedes Jahr. Vielleicht f\u00e4llt die Bombe also irgendwann doch noch? In jedem Fall scheint es also angeraten, gut zu \u00fcberlegen, was man mit dieser Zukunft angefangen werden soll. Und \u00fcberhaupt: Ist der Jahresbeginn nicht ohnehin traditionell jenes Datum, an dem gute Vors\u00e4tze gemacht werden und somit Zukunft gestaltet wird?<\/p>\n\n\n\n<p>Aus Sicht des DAKS gibt es eine ganze Reihe von Themen und Fragen, die einer Kl\u00e4rung bed\u00fcrfen. Nicht nur im neuen Jahr, sondern grunds\u00e4tzlich. Nicht zuletzt ist dies die Frage, wie ein Aktionsnetz gegen Kleinwaffen \u00fcberhaupt agieren sollte. Geht es wirklich darum, in Fragen der Kleinwaffen-Problematik teils besser informiert zu sein als manche Politiker? Was n\u00fctzt solche Information? Wem n\u00fctzt sie? W\u00e4re es nicht wichtiger, eine Vision zu entwickeln, wie eine andere Welt aussehen k\u00f6nnte? Bzw. Wege zu suchen, wie eine andere Welt m\u00f6glich wird?<\/p>\n\n\n\n<p>Wie immer an dieser Stelle ist dies der Moment, an dem die Positionen der christlichen Kirchen zum Thema Krieg und Frieden in den Blick geraten. Und ja, \u00fcber Weihnachten und Neujahr gab es wieder einige Wortmeldungen zum Thema Krieg und Frieden aus christlicher Perspektive. Was bedeutet aber Frieden aus christlicher Perspektive?<\/p>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst einmal ist die Feststellung wichtig, dass mit dem biblischen Frieden nichts grunds\u00e4tzlich anderes gemeint ist als mit dem Diktum vom ewigen Frieden oder auch Weltfrieden. In den Worten der Deutschen Bischofskonferenz der Katholischen Kirche: \u201eWenn die biblischen Friedenstexte vom \u201aewigen Frieden\u2018 sprechen, denken sie [\u2026] an diese Welt.\u201c Und: \u201eOft wird \u201aFriede Christi\u2018 (Kol 3,15) \u2013 dem Trend ins Private erliegend \u2013 auf den Frieden der Seele reduziert. Als Bisch\u00f6fe sind wir verpflichtet darzulegen, was die biblische Rede vom Frieden wirklich meint und wie sie mit dem Ringen unserer Welt um Gerechtigkeit und Frieden unter den V\u00f6lkern zu verbinden ist.\u201c (Vgl. das Bischofswort <a href=\"http:\/\/www.justitia-et-pax.de\/GerechterFriede.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Gerechter Friede<\/a> S. 12f.)<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Diktum der Bisch\u00f6fe gilt keineswegs nur in Deutschland, sondern in der Gesamtkirche. Der Katechismus der katholischen Kirche erhebt den Anspruch, dass der irdische Friede Abbild und Frucht des Friedens Christi sei (vgl. <a href=\"http:\/\/www.vatican.va\/archive\/DEU0035\/_P87.HTM\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Katechismus<\/a> der kath. Kirche. Ziff. 2305). Es ist klar, dass unter diesen Umst\u00e4nden Frieden weit mehr als einfach die Abwesenheit von Krieg sein muss. Das Problem ist nur, dass nicht so ganz einfach ist, eine tragf\u00e4hige Definition dessen aufzustellen, was er im Einzelnen beinhaltet. In den Worten der Bischofskonferenz: \u201eWas mit diesem Frieden gemeint ist und wie er sich zu dem von uns heute so ersehnten Frieden in der eigenen Lebenswelt und unter den V\u00f6lkern verh\u00e4lt, bleibt dunkel.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist sicherlich ein Problem. Ambivalent wird die Position dadurch, dass die Kirche gleichzeitig sehr pragmatisch auf die Probleme der Friedenssicherung reagiert. Das beinhaltet insbesondere das unbedingte Recht auf Selbstverteidigung. Der Katechismus kommt dementsprechend zu der Schlussfolgerung, dass einer Regierung das Recht auf sittlich erlaubte Verteidigung nicht abgesprochen werden kann, solange die Gefahr von Krieg besteht (vgl. <a href=\"http:\/\/www.vatican.va\/archive\/DEU0035\/_P87.HTM\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Katechismus<\/a> Ziff. 2308 unter Verweis auf Ziff. 79,4 der Pastoralkonstitution \u201eGaudium et Spes\u201c des II. Vatikanischen Konzils). In anderen Worten: Die Drohung des Krieges soll nicht nur solange bestehen, bis Frieden als Abwesenheit von Krieg im Weltma\u00dfstab verwirklicht ist, sondern noch dar\u00fcber hinaus. N\u00e4mlich bis die Gefahr einer R\u00fcckkehr der Gewalt endg\u00fcltig gebannt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Die gleiche Spannung zwischen Anspruch und Wirklichkeit, Vision und Realit\u00e4t findet sich dann auch in den Positionen der Kirche zum Thema Waffenhandel. Nat\u00fcrlich, so m\u00f6chte man fast sagen, ist eine allgemeine, ausgewogene und kontrollierte Abr\u00fcstung das gro\u00dfe Ziel. Die Anh\u00e4ufung von Waffen zum Zweck der Abschreckung ist dagegen kein geeignetes Mittel um Frieden zu sichern. Eher im Gegenteil scheint ein R\u00fcstungswettlauf geeignet, um die Ursachen f\u00fcr Kriege zu verschlimmern (vgl. <a href=\"http:\/\/www.vatican.va\/archive\/DEU0035\/_P87.HTM\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Katechismus<\/a> Ziff. 2315). Daneben wird aber auch ausgef\u00fchrt, dass Staaten Waffen zur Verteidigung legitimierweise besitzen d\u00fcrfen \u2013 weshalb sie auch legitim weitergegeben und entgegengenommen werden d\u00fcrfen (vgl. Justitia et Pax: <a href=\"http:\/\/www.dbk-shop.de\/media\/files_public\/toclwcyb\/DBK_5121.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Der Internationale Waffenhandel<\/a>. Kap.I Ziff. 9). Es geht der Kirche dementsprechend nicht darum, jede Form von Waffenhandel zu verurteilen, sondern lediglich missbr\u00e4uchlichen Waffenhandel zu kritisieren.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem vorgegebenen Rahmen bewegen sich auch die \u00c4u\u00dferungen der verschiedenen kirchlichen Amtstr\u00e4ger an und um Weihnachten bzw. im Zusammenhang mit dem Weltfriedenstag, der traditionell am 1. Januar jeden Jahres gefeiert wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Papst Benedikt XVI. etwa sprach in seiner <a href=\"http:\/\/www.vatican.va\/holy_father\/benedict_xvi\/homilies\/2013\/documents\/hf_ben-xvi_hom_20130101_world-day-peace_ge.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Predigt<\/a> zum Weltfriedenstag den eing\u00e4ngigen Satz: \u201eDer Mensch ist geschaffen f\u00fcr den Frieden, der ein Geschenk Gottes ist.\u201c Mit Frieden ist in diesem Zusammenhang aber nichts Abstraktes gemeint. Benedikt XVI. weist vielmehr darauf hin, dass sich die christliche Friedenshoffnung \u201ein gewisser Weise mit dem Wunsch nach einem erf\u00fcllten, gl\u00fccklichen und gut verwirklichten Leben\u201c deckt. \u2013 Nichts anderes meint der Katechismus, wenn er davon spricht, der Friede sei Abbild und Frucht des Friedens Christi. Und wenn der Papst gleichzeitig davor warnt, dass dieser Friede und \u201edie Welt leider noch durch \u201aSpannungen und Konfliktherde\u2018 [\u2026] bedroht ist\u201c, dann ist damit nichts anderes konstatiert, als dass die Gefahr von Krieg noch immer real ist und dementsprechend ein Selbstverteidigungsrecht der Staaten noch immer besteht.<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenfalls zum 1. Januar 2013 brachte das <a href=\"http:\/\/www.dradio.de\/nachrichten\/201301011400\/1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Deutschlandradio<\/a> die Schlagzeile \u201eWeltfriedenstag: Zollitsch kritisiert R\u00fcstungsexporte\u201c. Vor dem Hintergrund der dargestellten Sachlage ist eine solche Zusammenfassung nicht mehr als ein Missverst\u00e4ndnis. Und ein Blick auf die tats\u00e4chlichen Aussagen des Freiburger Bischofs zeigt, dass da tats\u00e4chlich das ein oder andere falsch verstanden wurde. Was ist geschehen: So wie jedes Jahr hat die Deutsche Bischofskonferenz auch 2012 eine \u201e<a href=\"http:\/\/www.dbk-shop.de\/media\/files\/DBK_5259.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Arbeitshilfe<\/a>\u201c zum Weltfriedenstag herausgegeben. Darin enthalten sind Beitr\u00e4ge verschiedener Autoren, die das Motto des Friedenstages aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten. Abgrundet wird das ganze mit \u201eLiturgischen Anregungen\u201c. Darin enthalten: ein Predigtbeispiel (in diesem Fall von Milit\u00e4rbischof Franz-Josef Overbeck), eine fertig ausgearbeitete Vorlage f\u00fcr eine \u201eGebetsstunde\u201c (mit allen Texten, Liedern und Gebeten, die einfach von Gemeinden \u00fcbernommen werden k\u00f6nnen) und ein ausformuliertes \u201eFriedensgebet\u201c. Als Vorsitzender der Bischofskonferenz hat Bischof Zollitsch f\u00fcr diese Arbeitshilfe ein Vorwort geschrieben. Darin f\u00e4llt tats\u00e4chlich der vom Deutschlandradio zitierte Satz: \u201eEs muss uns wachr\u00fctteln, wenn weltweit R\u00fcstungsexporte ein florierendes Gesch\u00e4ft darstellen und die Ausgaben f\u00fcr Milit\u00e4r und paramilit\u00e4rische Einheiten immens steigen.\u201c Die Behauptung, in dieser Formulierung sei eine Kritik an der (deutschen) R\u00fcstungsexportpolitik enthalten, ist allerdings etwas weit hergehohlt. Der Kontext dieser Aussage macht mehr als deutlich, worum es Zollitsch eigentlich geht: Die F\u00f6rderung einer friedlichen Welt sei als politisches Ziel weithin anerkannt, dieser (noch zu erringende) Weltfriede sei aktuell jedoch bedroht, denn es mangele \u201ean vielen Orten an der notwendigen Umsetzungskraft\u201c. Bischof Zollitsch f\u00e4hrt fort: \u201eInsbesondere handfeste wirtschaftliche Interessen [\u2026] lassen immer wieder Konflikte und kriegerische Auseinandersetzungen entstehen.\u201c Es ist einleuchtend: Die Nachfrage nach Waffen und ein florierender Waffenhandel als solcher ist ein Indikator daf\u00fcr, dass der Frieden teilweise in der Tat br\u00fcchig ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Bliebe der Bamberger Bischof Schick, der sich anl\u00e4sslich des am 6. Januar gefeierten <a href=\"http:\/\/erzbischof.kirche-bamberg.de\/seiten\/meldungen?targetComponent=newslist&amp;nodeId=f6e69922-95af-45f2-a67a-0d41aeb54bd0\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Afrikatages<\/a> zu Wort gemeldet hat. Er weist darauf hin, dass die Handelsbeziehungen zwischen der westlichen Welt und den Staaten Afrikas einseitig gepr\u00e4gt seien und nicht den tats\u00e4chlichen Interessen Afrikas dienen w\u00fcrden. Bestes Beispiel hierf\u00fcr sei der Export von Waffen nach Afrika. Auch diese Mahnung ist \u2013 obwohl sicherlich berechtigt \u2013 sehr konventionell und wenig innovativ. Kritisiert wird die konkrete Praxis des Waffenhandels, seine Ausw\u00fcchse, die zur Anh\u00e4ufung von Waffen f\u00fchren, wodurch die Ursachen von Kriegen verschlimmert werden k\u00f6nnen. \u2013 Ganz im Sinn und im Stil der bereits zitierten <a href=\"http:\/\/www.dbk-shop.de\/media\/files_public\/toclwcyb\/DBK_5121.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Studie<\/a> von Justitia et Pax \u00fcber den internationalen Waffenhandel.<\/p>\n\n\n\n<p>Um zur Ausgangsfrage zur\u00fcckzukehren, wie k\u00f6nnte eine andere Welt aussehen? Wie wird eine andere Welt m\u00f6glich? \u2013 Leider, so scheint es, sind die Einlassungen der kirchlichen Amtstr\u00e4ger nur sehr bedingt hilfreich, um diese Frage zu beantworten. Was f\u00e4ngt man mit der Zukunft an? Es scheint, als sei diese Frage noch offen. Was n\u00fctzt Information \u00fcber R\u00fcstungsexport und Kleinwaffen, wenn sie nicht eingebettet ist in eine gr\u00f6\u00dfere Friedensvision? Wozu ist sie gut? Und: Wem n\u00fctzt sie?<\/p>\n\n\n\n<p>Angesichts dieser Visionsm\u00fcdigkeit ist es fast zu bedauern, dass die Welt am 21. Dezember nicht doch untergegangen ist. Gerade auch die katholische Kirche scheint derzeit nicht f\u00e4hig oder willens, die M\u00f6glichkeit einer anderen Welt auch nur zu denken, geschweige denn in Worte zu fassen und zu verk\u00fcnden. Unter diesen Umst\u00e4nden, so scheint es weiter, hat die Welt wirklich keine anderen Probleme als das Schicksal der FDP im Wahljahr 2013. Klar ist dann aber auch, warum die Welt im Jahr 2012 ein so unfriedlicher Ort gewesen ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein neues Jahr hat begonnen \u2013 was mag es bringen? Das Problem ist nicht, dass das niemand wei\u00df, sondern dass scheinbar niemand eine Vision zu formulieren vermag, was es bringen soll. 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