{"id":1785,"date":"2014-10-01T15:28:00","date_gmt":"2014-10-01T13:28:00","guid":{"rendered":"https:\/\/rib-ev.de\/?p=1785"},"modified":"2024-07-19T15:04:18","modified_gmt":"2024-07-19T13:04:18","slug":"daks-newsletter-oktober-2014-ist-erschienen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rib-ev.de\/?p=1785","title":{"rendered":"DAKS-Newsletter Oktober 2014 ist erschienen!"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Bundeswehr, der Irak und Waffen. Drei Themen die vieles gemeinsam haben.Im neuen Newsletter haben wir versucht diese drei Aspekte zusammen zu denken und pl\u00f6tzlich stellt sich die Diskussion, \u00fcber die angeblich mangelhafte Ausr\u00fcstung der Bundeswehr in einem v\u00f6llig neuem Licht dar.<\/p>\n\n\n\n<p>Abgerundet wird der Beitrag durch Meldungen aus der \u201eSicherheitsindustrie\u201c und \u00fcber die finanzielle Situation des deutschen Kleinwaffenherstellers Heckler &amp; Koch.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Weiterempfehlen: Wenn Sie den Kleinwaffen-Newsletter abonnieren wollen<br>(als kostenlose E-Mail), senden Sie uns einfach eine <a href=\"mailto:daks-news@rib-ev.de?subject=Kleinwaffen-%20Newsletter\">Mail<\/a> mit dem Stichwort<br>\u201eKleinwaffen-Newsletter\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bundeswehr in den Schlagzeilen: Deutsche Waffen f\u00fcr den Irak<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Bundeswehr war in den letzten Wochen doppelt in den Schlagzeilen vertreten. Einmal wurde der \u201eM\u00e4ngelbericht\u201c diskutiert, in dem verzeichnet sei, dass die Bundeswehr derzeit ihren B\u00fcndnisverpflichtungen gegen\u00fcber der NATO nur bedingt nachkommen kann, weil zu viele Waffen und Waffensysteme defekt seien. <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/bundeswehr-schwere-maengel-bei-ausruestung-a-993530.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Spiegel Online<\/a> berichtete \u00fcber die Situation und l\u00f6ste damit anders als im Jahr 1962 keine Aff\u00e4re aus. Dann sind es jedoch die Waffenlieferungen an die Kurden im Irak, \u00fcber die berichtet wird. Durch die geplante Lieferung von MILAN-Lenkwaffensystemen, Panzerfaust 3-Systemen, MG3-Maschinengewehren, G3- und G36-Schnellfeuergewehren und schlie\u00dflich auch halbautomatischen Pistolen des Typs P1 sollen die Kurden in die Lage versetzt werden, die IS-K\u00e4mpfer zu besiegen. Auf den Zusammenhang der zwischen beiden Schlagzeilen wurde sogar schon in der <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/waffenlieferungen-112~_origin-ba78b3b8-a172-4bb2-a930-dee04b4e34cb.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Tageschau<\/a> hingewiesen. \u2013 Und wieder l\u00f6ste die Berichterstattung keinen Skandal aus. Das Fazit der Tagesschau lautet: \u201e<em>Die Liste liest sich wie ein Sammelsurium aus \u00fcbersch\u00fcssigem Ger\u00e4t, das man in den Depots der Armee zusammengesucht hat und auf das man problemlos verzichten kann. Und genau so ist es wohl auch.<\/em>\u201c Dem ist nur sehr wenig hinzuzuf\u00fcgen. Genau genommen nur drei Dinge: 1.) Die Waffen, die die Bundeswehr in den Irak schickt, sind alt. Die Entwicklung der Pistole P1 etwa datiert in die 1930er Jahre, liegt also gut 80 Jahre zur\u00fcck. Trotzdem, da haben die Bundeswehr-Planer Recht, werden auch diese Waffen ihren Zweck erf\u00fcllen, Menschen t\u00f6ten und die IS-K\u00e4mpfer zur\u00fcckdr\u00e4ngen. 2.) Wenn schon diese \u201ealten\u201c Waffen gen\u00fcgen, um die angeblich gut ausger\u00fcsteten IS-K\u00e4mpfer zu besiegen, dann zeigt das vor allem auch die Asymmetrie der Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse. Die NATO-Staaten h\u00e4tten in den vergangenen Jahrzehnten keine neuen Waffen entwickeln m\u00fcssen, um bis heute die Schlachtfelder der Erde unangefochten zu beherrschen. 3.) Weil dies so ist, haben all jene Unrecht, die behaupten, die Bundeswehr br\u00e4uchte mehr Geld um einsatzf\u00e4hig zu werden. Das ist unrichtig, weil die Bundeswehr schon jetzt in ihrem angeblich desolaten Zustand in der Lage ist, jedes Schlachtfeld zu dominieren. Die Bundeswehr ben\u00f6tigt deshalb weder mehr Waffen noch \u201ebessere\u201c Waffen noch mehr Geld. Notwendig ist nur ein Einziges: die NATO-Planungen m\u00fcssen angepasst werden. Mehr \u201eLeistung\u201c ist gar nicht erforderlich. Das Einzige, wor\u00fcber diskutiert werden k\u00f6nnte, ist, ob nicht andere Leistungen \u2013 etwa im Bereich der zivilen Konfliktpr\u00e4vention \u2013 w\u00fcnschenswert und n\u00f6tig w\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Jane\u00b4s: Meldungen aus der globalen Sicherheitsindustrie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Wer einen Blick auf die Informationen der Firma Jane\u00b4s wirft, bekommt eine Hochglanzwelt der Verteidigungstechnologie und Waffen\u00e4sthetik geliefert. Quasi der Ferrari unter den Informationsdienstleistern zum Thema Kriegstechnik, von daher auch nicht ganz billig. Dennoch lohnend. Wenn man das ideologische Drumherum \u2013 Milit\u00e4rpropaganda und Sicherheitswahn vorwiegend westlicher Staaten \u2013 zur Seite schiebt, gibt es doch Hinweise auf Entwicklungen und Planungen (die man dann aufgrund der Unnachpr\u00fcfbarkeit mit Vorsicht genie\u00dfen muss).<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Beispiel berichtet Jane\u00b4s \u00fcber die Firma Thales Australia bzw. \u00fcber deren Planung f\u00fcr eine neuartige Kleinwaffen-Munition (gemeinsam mit einer nicht genannten Partnerfirma au\u00dferhalb Australiens). Die so genannte <a href=\"http:\/\/www.janes.com\/article\/42161\/thales-australia-developing-new-rifle-ammunition\u00e4\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">F9-Technologie<\/a> umfasst verschiedene Kaliber, unter anderem die Typenbereiche 4,6 mm und 5,56 mm. Gerade das NATO-Kaliber 5,56 mm solle, so die Meldung, das bisherige Kaliber 7,62 mm (G3, MG3 und andere) in seinen Eigenschaften \u00fcbertreffen. Mehr erf\u00e4hrt der Leser nur, wenn er sich als Klient einloggt und zahlt. Wenn man dann auf der Internetseite von Thales Australia sucht, bekommt man dort zwar (noch) keine schicke Pressemeldung, kann aber zum Beispiel erfahren, dass <a href=\"https:\/\/www.thalesgroup.com\/en\/worldwide\/defence\/press-release\/australian-munitions-and-diehl-develop-new-hand-grenade\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Diehl<\/a> (mit Sitz in N\u00fcrnberg) und Australia Munitions seit Herbst 2013 eine neue Handgranate entwickeln (die sicherlich vor allem in der Landesverteidigung Australiens eingesetzt werden wird\u2026), und man kann lesen, dass ebenfalls seit letztem Jahr <a href=\"https:\/\/www.thalesgroup.com\/en\/australia\/press-release\/new-40mm-ammunition-australia\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Singapore Technologies Kinetics Ltd<\/a> (ST Kinetics) und Australia Munitions die 40-Millimeter-Granaten (Typ \u201elow velocity\u201c) weiterentwickeln wollen. (Auch diese Granate wird in der Zukunft haupts\u00e4chlich innerhalb der Grenzen Australiens abgefeuert werden, das steht fest.) Weiter kann man lernen, dass der Granatwerfer SL40 der \u00f6sterreichischen Firma Steyr Mannlicher f\u00fcr das sich in der Entwicklung befindliche Gewehr <a href=\"https:\/\/www.thalesgroup.com\/en\/australia\/press-release\/steyr-mannlicher-grenade-launcher-chosen-new-australian-rifle\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">EF88<\/a> von Thales Australia ausgew\u00e4hlt wurde. (Dar\u00fcber bloggt auch <a href=\"http:\/\/rogueadventurer.com\/tag\/ef88\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">N.R. Jenzen-Jones<\/a>.) Richtig interessant, aber auch ungenau wird es, wenn davon gesprochen wird, dass das US-Milit\u00e4r und andere westliche Armeen an den Milit\u00e4r-Kleinwaffen der Zukunft forschen, in Projekten, die nebul\u00f6se Namen wie LDAM, CLAWS und SAAC tragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ziemlich bodenst\u00e4ndig ist dagegen die Information, dass die deutsche Firma <a href=\"http:\/\/www.carl-walther.de\/public\/downloads\/presse\/de\/Presse-Info_Polizei_Estland_DE.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Walther<\/a> Pistolen des Typs P99Q an estnische Polizeikr\u00e4fte liefert, nach Firmenaussage \u201eein weiterer wichtiger Kunde im Beh\u00f6rdenbereich\u201c. Das wird Heckler &amp; Koch interessieren, und eventuell eines Tages das russische Milit\u00e4r. Aber auch deutsche Landespolizeibeh\u00f6rden kennen nun einen weiteren Kunden, wo sie vielleicht ihre Altwaffen loswerden, wenn in ein paar Jahren, sagen wir in Hamburg, Bremen oder Rheinland-Pfalz, wieder die Waffenfirma gewechselt wird. Und Estland ist nicht das einzige Land mit Walther-Pistolen, denn die Firma konnte auch die niederl\u00e4ndische Polizei als Waffenkunde gewinnen, wie <a href=\"http:\/\/www.derwesten.de\/staedte\/neheim-huesten\/45-000-pistolen-fuer-niederlaendische-polizei-von-waffenfirma-walther-id7805206.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Martin Schwarz<\/a> in der WAZ und auch ein Blogger von <a href=\"http:\/\/strategie-technik.blogspot.tw\/2013\/04\/walther-p99q-nl-pilotolos-fur-die.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Strategie und Technik<\/a> berichteten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Heckler &amp; Koch in finanziellen Schwierigkeiten?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es ist alles andere als eine neue Nachricht, dass Heckler &amp; Koch in einer finanziell angespannten Situation agiert (siehe DAKS-Newsletter <a href=\"http:\/\/www.rib-ev.de\/daks\/newsletter\/DAKS-Newsl-2013-08.pdf\">08<\/a><a href=\"https:\/\/rib-ev.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/DAKS-Newsl-2013-08.pdf\">\/<\/a><a href=\"http:\/\/www.rib-ev.de\/daks\/newsletter\/DAKS-Newsl-2013-08.pdf\">2013<\/a> und <a href=\"https:\/\/rib-ev.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/DAKS-Newsl-2012-04.pdf\">04\/2012<\/a>). Die Schuldenlast von 295 Millionen Euro ist dr\u00fcckend und da sie mit 9,5 % verzinst ist, stellen allein schon die Zinszahlungen das Unternehmen vor eine Herausforderung. 2013 war Heckler &amp; Koch bilanziell \u00fcberschuldet \u2013 und es ist nicht erkennbar, weshalb sich an dieser Situation bis heute etwas ge\u00e4ndert haben sollte. Im Gegenteil: Angesichts der im November f\u00e4lligen Zinszahlung in H\u00f6he von gesch\u00e4tzten 14 Millionen Euro, die gesch\u00e4tzten Barreserven von 8,3 Millionen Euro gegen\u00fcber stehen, sind die Aussichten eher d\u00fcster. <a href=\"https:\/\/www.moodys.com\/research\/Moodys-downgrades-Heckler-Koch-to-Caa3-negative-outlook--PR_307995\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Moody\u2019s <\/a>stufte das Unternehmens-Rating deshalb nun auf Caa3 hinunter. Ein Zahlungsausfall hat demnach derzeit noch nicht stattgefunden, scheint aus Sicht der Rating-Agentur aber immer wahrscheinlicher zu werden. Die Prognose f\u00fcr die k\u00fcnftige Entwicklung lautet deshalb auch auf \u201enegativ\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Angesichts dieser Situation ist es eigentlich gleichg\u00fcltig, ob Heckler &amp; Koch die Zinszahlungen Mitte November leisten kann oder nicht. Das Unternehmen ist \u00fcberschuldet und der Handlungsspielraum der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung ist, nach Darstellung von Moody\u2019s, mehr und mehr eingeschr\u00e4nkt. Nun ist der Ausdruck \u201eInsolvenzverschleppung\u201c tats\u00e4chlich ein sehr drastisches Wort, dennoch w\u00e4re im Fall eines Zahlungsausfalls zu fragen, ob eine solche stattgefunden haben k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Afghanistan als Comic? Teil 2<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Rezension von Arne Jyschs Abenteuercomic \u201eWave and Smile\u201c soll es im zweiten Teil dieser Betrachtung von \u201egraphic novels\u201c um den Band \u201e<a href=\"http:\/\/www.carlsen.de\/hardcover\/kriegszeiten\/31256#Special\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Kriegszeiten<\/a>\u201c gehen, der einen Seitenumfang von etwa 130 Seiten hat und ebenfalls 2012 im Carlsen Verlag erschien. Der Text ist von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/David_Schraven\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">David Schraven<\/a> (Geburtsjahr 1970); die in diesem Fall nicht weniger wichtigen Zeichnungen sind von Vincent Burmeister (Geburtsjahr 1983). Der Untertitel \u201eEine grafische Reportage \u00fcber Soldaten, Politiker und Opfer in Afghanistan\u201c zeigt bereits den gro\u00dfen Unterschied zu Jyschs Band. Schraven, Journalist in Nordrhein-Westfalen und mit investigativer Arbeit gut vertraut, hat unter anderem vor Ort intensiv recherchiert und pr\u00e4sentiert eine durchaus differenzierte Sicht auf das Kriegsland und das Treiben der M\u00e4chte in der Region. Das macht seinen Text zu einem interessanten Blick auf die verborgenen Interessen in diesem Konflikt und auf die damit zusammenh\u00e4ngenden kriminellen, politischen und wirtschaftlichen Machenschaften verschiedener Akteure.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotzdem gibt es Gr\u00fcnde f\u00fcr deutliche Kritik an dem Band, aus politischer und \u00e4sthetischer Perspektive. Obwohl mehr von den Behauptungen eingehalten werden, die schon f\u00fcr Jyschs Band erhoben wurden, weil hier tats\u00e4chlich etwas \u00fcber die Widerspr\u00fcche und Ungereimtheiten eines Krieges zu erfahren ist, sind es gerade die unvollst\u00e4ndige Interpretation des Afghanistan-Krieges und die politisch einseitige Sichtweise, die Probleme bereiten. Schraven beleuchtet unterschiedliche Aspekte und Beziehungen, etwa die sich ver\u00e4ndernde Umgangsweise der deutschen Soldaten mit der afghanischen Bev\u00f6lkerung, aber letztlich bleibt sein Blick ein westlicher. Schlimmer noch, die Deutschen erscheinen oftmals als die vom Kriegsgeschehen Getriebenen, denen kein Ausweg bleibt, als T\u00e4ter zu werden, weil es eben in einem Krieg so sei. Sie werden Opfer des Krieges. Das dem so sein kann, l\u00e4sst sich nicht verneinen, aber es kommt eben auf die Gewichtung an. Eine Art Fatalismus macht sich breit, um nicht zu sagen, eine depolitisierende Larmoyanz. Wir sollen den Krieg als Krieg benennen, verstehen, dass Soldaten t\u00f6ten (und sterben), aber das Ziel, so Schraven selbst, scheint uns (und ihm) nicht klar zu sein. Hier h\u00e4tte es geholfen, bei der Recherche eben nicht nur die Bundeswehr- und Soldaten-Perspektive auszuloten, sondern auch die Ansichten und Aussagen von kriegskritischer Seite zu ber\u00fccksichtigen, die ja nicht wenig substantiell sind und gerade durch ihre Kritik so einiges an hilfreichen Erkenntnissen hervorbringen. Zum Beispiel: Deutschland scheint sich in einer Entwicklung zu befinden, in der viele politisch Verantwortliche eine Kriegspolitik wollen, um international wieder \u201eAnschluss zu finden\u201c. Dazu passt Schravens Hinweis auf kommende Eins\u00e4tze: \u201eVielleicht im Nahen Osten. Vielleicht in Afrika. Vielleicht in Asien.\u201c Dann ist doch schon klar, dass Afghanistan nur ein Zwischenschritt ist. Man muss dieser Argumentation nicht folgen, aber es findet sich keine solche weitergehende Reflexion in dem Band, keinerlei Kritik am Machtgedanken oder am Angriffskrieg. Vielleicht w\u00e4re das zu schwerm\u00fctig, zu bedr\u00fcckend. Stattdessen finden sich S\u00e4tze wie (sinngem\u00e4\u00df), dass \u201edas Volk\u201c die Soldaten unterst\u00fctzen muss. Als ob es um die Soldaten ginge. Wer stirbt denn in Afghanistan? Die NATO-Soldaten?<\/p>\n\n\n\n<p>Vincent Burmeister, mit dem Schraven schon vorher bei dem Band \u201eDie wahre Geschichte vom Untergang der Alexander Kielland\u201c zusammengearbeitet hat, schafft es, den Texten von Schraven eine grafische Umsetzung zu geben, die einen eigenen Charakter hat. Die Zeichnungen sind eindr\u00fccklich, haben eine dem Thema angemessene Schwere (auch durch die von Schwarz sowie Gelb- und Braunt\u00f6nen bestimmte Kolorierung) und helfen dem Leser, sich auf die ernste Problematik zu konzentrieren. Aber Burmeisters Bilder sind auch immer wieder von einer eigenartigen Sensationslust, so dass man sich fragt, ob an manchen Stellen nicht weniger mehr gewesen w\u00e4re. Gerade jene Stellen im Text, die den Opferstatus der deutschen Soldaten so sehr hervorheben und die Unerh\u00f6rtheit einer deutschen Kriegsbeteiligung verdecken, werden von Bildern begleitet, die dem nicht entgegenwirken, sondern fast \u00fcberraschend im Klischee einer Kriegsdarstellung stecken bleiben (etwa im dritten Teil des Bandes, der mit \u201eKrise\u201c \u00fcberschrieben ist und in dem Waffen und Kriegstechnik dargestellt werden). Das ist schade und schadet dem Band insgesamt.<\/p>\n\n\n\n<p>(Interessantes Detail: Bevor geschildert wird, wie deutsche und afghanische Truppen bei der Offensiv-Operation \u201eHalmazag\u201c im Oktober \/ November 2010 gemeinsam eine \u201eTaliban\u201c-Stellung angreifen, wird gezeigt, wie ein Arm ein G36-Gewehr weiterreicht, wobei unklar bleibt, ob es sich bei dem Empf\u00e4nger um einen deutschen oder einen afghanischen Soldaten handelt.)<\/p>\n\n\n\n<p>Bisher hat der Afghanistan-Krieg keine gro\u00dfe Literatur, wie man so sagt, hervorgebracht. Schravens und Burmeisters graphic novel w\u00e4re eine tiefergehende, literaturwissenschaftliche (wohl auch kritische) Analyse wert. Als Jugendbuch ist der Band allerdings nicht zu empfehlen, auch wenn eine Jugendjury ihn 2013 f\u00fcr ihren Jugendliteraturpreis nominierte. Daf\u00fcr zeigt er das Geschehen zu einseitig und wirkt dadurch auch verf\u00e4lschend.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kinder und Kriegswaffen: Bundeswehr in schlechter Gesellschaft<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dass in vielen L\u00e4ndern der Welt Kinder in bewaffneten Konflikten und Kriegen schie\u00dfen und t\u00f6ten (und sterben) m\u00fcssen, geh\u00f6rt zu den traurigen Auswirkungen der Kleinwaffenproblematik. Die heutigen Schusswaffen sind durchaus von Minderj\u00e4hrigen zu bedienen und rei\u00dfen die Kinder damit in die Kriegsereignisse hinein. Dass die Bundeswehr hier keinen klaren Weg geht und als Vorbild einer 18-Jahre-Grenze vorangeht, ist unverst\u00e4ndlich und nicht zu tolerieren. Michael Schulze von Glasser informiert \u00fcber die zu kritisierende Werbepraxis der Armee im <a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/michael-schulze-von-glasser\/willst-du-mit-uns-spielen\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Freitag<\/a>. Er l\u00e4sst u. a. Ralf Willinger (<a href=\"http:\/\/www.tdh.de\/was-wir-tun\/themen-a-z\/kindersoldaten.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">terre des hommes<\/a>) zu Wort kommen, der darauf hinweist, dass sich die Kinder in Schulen nicht gegen die Nachwuchswerbung nicht wehren k\u00f6nnten und dass die Risiken von Auslandseins\u00e4tzen gezielt au\u00dfen vorgelassen w\u00fcrden. Das erinnert doch irgendwie dunkel an Organisationen wie die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gesellschaft_f\u00fcr_Sport_und_Technik\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">GST<\/a>, die Gesellschaft f\u00fcr Sport und Technik (was f\u00fcr ein sch\u00f6ner Name!), die aber leider f\u00fcr das DDR-Regime aktiv war und wo Milit\u00e4r verherrlicht und das Kriegf\u00fchren ge\u00fcbt wurde. Sowas s\u00e4hen wohl manche gern wieder eingef\u00fchrt, dann klappt es n\u00e4mlich auch mit dem Soldatennachwuchs etwas besser (das wei\u00df man sp\u00e4testens seit 1933).<\/p>\n\n\n\n<p>Aber nicht nur in Deutschland wird (schonmal \u00fcbungshalber) geschossen: Auch in der demokratischen Schweiz (wo seit 1990 auch das Wahlrecht f\u00fcr Frauen besteht!), wird einmal j\u00e4hrlich die Jugend ans Gewehr gelassen: beim Knabenschiessen im sch\u00f6nen Z\u00fcrich. Allerdings lassen sich die Schweizer nicht lumpen, denn hier wird nicht mit einem schn\u00f6den Luftgewehr geschossen, sondern mit dem sch\u00f6nen \u201eSturmgewehr 90\u201c (offiziell SG550). Schusskadenz: mindestens 600 Schuss pro Minute (gut zu wissen f\u00fcr sp\u00e4tere Amokl\u00e4ufe). Sarkasmus beiseite: Wer sich \u00fcber Schusswaffengewalt in der Schweiz informieren will, kann das bei der <a href=\"http:\/\/www.gsoa.ch\/themen\/waffen-ins-zeughaus\/argumente\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">GsoA<\/a> (Gruppe f\u00fcr eine Schweiz ohne Armee) tun. Und die Verbreitung von \u201eSturmgewehren\u201c im Alltag wird weiter propagiert, wie die Pl\u00e4ne von Bundesrat <a href=\"http:\/\/www.gsoa.ch\/medien\/02256\/weiterentwicklung-der-armee-ueli-maurer-will-hilfs\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Ueli Maurer<\/a> (Schweizerische Volkspartei, SVP) f\u00fcr eine milit\u00e4risch bewaffnete Hilfspolizei zeigen.<\/p>\n\n\n\n<p>In den USA sieht die Situation nicht besser aus. Tragisch endet das Schie\u00dfen mit Waffen, wenn keinerlei Kontrolle mehr gew\u00e4hrleistet ist. Dann fragt man sich: M\u00fcssen neunj\u00e4hrige Kinder mit Uzi-Maschinenpistolen schie\u00dfen? Wo waren die Eltern mit ihren Gedanken, bevor ihr Kind damit auf dem Schie\u00dfstand herumballert und seinen \u201eAusbilder\u201c t\u00f6dlich verletzt? (Der <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/panorama\/waffen-usa-neunjaehrige-toetet-schiesslehrer-mit-maschinenpistole-a-988276.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Spiegel<\/a> berichtete.) Wo f\u00e4ngt Waffenwahn der Eltern an?<\/p>\n\n\n\n<p>Terorristen und Diktaturen wird vorgeworfen, Kinder an Waffen auszubilden und in den Kampf zu schicken. Aber die \u201edemokratischen\u201c Staaten haben noch eine lange Diskussion vor sich, bis Waffengebrauch nicht mehr verharmlost oder gef\u00f6rdert wird. Die Bundeswehr ist hier also in schlechter Gesellschaft, denn Krieg ist eben kein Spiel.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Bundeswehr, der Irak und Waffen. 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