{"id":1781,"date":"2014-11-28T15:20:00","date_gmt":"2014-11-28T14:20:00","guid":{"rendered":"https:\/\/rib-ev.de\/?p=1781"},"modified":"2024-07-19T15:04:18","modified_gmt":"2024-07-19T13:04:18","slug":"daks-newsletter-november-2014-ist-erschienen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rib-ev.de\/?p=1781","title":{"rendered":"DAKS-Newsletter November 2014 ist erschienen!"},"content":{"rendered":"\n<p>In Island wird es derzeit fr\u00fch dunkel, die Menschen haben also viel Zeit um Zeitung zu lesen und sich zivilgesellschaftlich zu engagieren. Die Folgen sind bemerkenswert: der Versuch die isl\u00e4ndische Polizei mit Maschinenpistolen auszur\u00fcsten und k\u00fcnftig so martialisch bewaffnet auf Streife zu schicken sind gescheitert, nachdem die Proteste gegen diese Pl\u00e4ne nicht aufh\u00f6rten. \u2013 Mehr dazu im neuen Newsletter!<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem: eine Einsch\u00e4tzung zum Urteil des Bundesgerichthofes zum Informationsrecht des Bundestages bei Waffenexporten; ein Bericht von Reinhard Voss, dem ehemaligen Generalsekret\u00e4r von pax christi \u00fcber seine Zeit in der DR Kongo; und eine weitere Folge \u00fcber Graphic Novels und Krieg.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Weiterempfehlen: Wenn Sie den Kleinwaffen-Newsletter abonnieren wollen<br>(als kostenlose E-Mail), senden Sie uns einfach eine <a href=\"mailto:daks-news@rib-ev.de?subject=Kleinwaffen-Newsletter\">Mail<\/a> mit dem Stichwort<br>\u201eKleinwaffen-Newsletter\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Waffenhandel: Heftige Ohrfeige aus Karlsruhe f\u00fcr Bundesregierung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Presseerkl\u00e4rung von Aktion Aufschrei \u2013 Stoppt den Waffenhandel zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Informationsrecht des Bundestages bei R\u00fcstungsexporten<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bisherige Praxis der R\u00fcstungsexportkontrolle durch den Bundessicherheitsrat nicht verfassungskonform<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Aktion Aufschrei \u2013 Stoppt den Waffenhandel begr\u00fc\u00dft ausdr\u00fccklich die heutige Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe zur Organklage der Fraktion B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen zur Frage der Informationsrechte des Bundestages bei R\u00fcstungsexporten.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie bisher jahrzehntelange Praxis in Deutschland, dass ein geheim tagender Regierungsausschuss \u2013 der sogenannte Bundessicherheitsrat \u2013 \u00fcber die Genehmigung oder Versagung von R\u00fcstungsexporten entscheidet, ist nach dem heutigen Urteil nicht mit der Verfassung vereinbar\u201c, hebt Holger Rothbauer hervor. \u201eDas Urteil stellt fest, dass grunds\u00e4tzlich die Delegation der Entscheidung \u00fcber R\u00fcstungsexporte an einen Bundesminister zul\u00e4ssig ist, nicht jedoch an den Bundessicherheitsrat. Dies ist eine schallende Ohrfeige f\u00fcr die Bundesregierung aus Karlsruhe\u201c,&nbsp;betont Rothbauer, der Rechtsanwalt der Kampagne \u201eAktion Aufschrei \u2013 Stoppt den Waffenhandel!\u201c und fordert:&nbsp;\u201eDie Kanzlerin muss sofort Entscheidungen \u00fcber R\u00fcstungsexporte, z.B. an Saudi-Arabien, von der Tagesordnung des Bundessicherheitsrates nehmen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Weiterhin hat das Bundesverfassungsgericht das Recht auf Auskunftserteilung der Abgeordneten gest\u00e4rkt, ohne aber das Privileg der R\u00fcstungsindustrie auf Geheimhaltung von Entscheidungsprozessen entscheidend zu beschneiden.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs ist ein kleiner erster Schritt zu mehr Transparenz beim Waffenhandel\u201c, so Rothbauer, \u201edass die Bundesregierung ab sofort auf Anfrage eines Abgeordneten klar und sofort beantworten muss, ob eine Genehmigung f\u00fcr einen Waffenexport erteilt oder versagt wurde. Jetzt sind es die Abgeordneten der \u00d6ffentlichkeit schuldig, schnell und von sich aus nachzufragen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGrunds\u00e4tzlich ist das Recht auf Auskunftserteilung der Abgeordneten gest\u00e4rkt worden, ohne aber das Privileg der R\u00fcstungsindustrie auf Geheimhaltung von Entscheidungsprozessen entscheidend zugunsten der Regierungskontrolle zu beschneiden\u201c, kommentiert Stephan M\u00f6hrle, Sprecher der Deutschen Friedensgesellschaft \u2013 Vereinigte Kriegsdienstgegner\/innen (DFG-VK),&nbsp;der das Organklageverfahren in Karlsruhe begleitet hat.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMich best\u00e4rkt die heutige Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts im Einsatz f\u00fcr eine neue gesetzliche Grundlage. Der Deutsche Bundestag sollte nun aktiv werden und ein R\u00fcstungsexportkontrollgesetz auf den Weg bringen\u201c, fordert Christine Hoffmann, pax christi-Generalsekret\u00e4rin und Sprecherin der Kampagne \u201eAktion Aufschrei \u2013 Stoppt den Waffenhandel!\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kampagne \u201eAktion Aufschrei \u2013 Stoppt den Waffenhandel!\u201c hat sich mit \u00fcber 95.000 Unterschriften an den Deutschen Bundestag gewandt und f\u00fcr eine \u00c4nderung im Grundgesetz eingesetzt. Neu soll es in Artikel 26.2 GG hei\u00dfen, dass Kriegswaffen und sonstige R\u00fcstungsg\u00fcter grunds\u00e4tzlich nicht exportiert werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ein f\u00fcr R\u00fcstungskritiker missliebiger Richterspruch \u2013<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>mit massiver Kritik an der bisher rechtswidrigen Exportpraxis der Bundesregierung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ein rechtlicher Kommentar zum aktuellen Urteil des Bundesverfassungsgerichts<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>von Stephan M\u00f6hrle, Vertreter der DFG-VK im Kampagnenrat der \u201eAktion Aufschrei \u2013 Stoppt den Waffenhandel!\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das im Organklageverfahren ergangene Urteil des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) vom 21. Oktober 2014 befasste sich mit der Frage, wo die Grenzen der Informationsrechte f\u00fcr Bundestagsabgeordnete liegen. Geklagt hatten die Bundestagsabgeordneten Hans-Christian Str\u00f6bele, Claudia Roth und Katja Keul von B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen, die sich 2011 im Fall drohender Exporte von Leopard-2-Kampfpanzern nach Saudi-Arabien von der Bundesregierung nicht ausreichend in Kenntnis gesetzt sahen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Verhandlung vor dem BVerfG am 15. April 2014 hatte MdB Str\u00f6bele die Argumente f\u00fcr deutlich mehr Transparenz und gegen die bisherige Geheimhaltungspraxis der Bundesregierung vorgetragen. Bundesinnenminister Thomas de Maizi\u00e8re hatte als Vertreter der Bundesregierung vor mehr Offenheit und Demokratisierung gewarnt, die Vertreter der R\u00fcstungsindustrie und Lobbyverbandes BDSV massiv auf Beibehaltung der Geheimhaltung gedr\u00e4ngt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das nunmehr gef\u00e4llte Urteil der Karlsruher Richter mag auf den ersten Blick missmutig stimmen und bietet tats\u00e4chlich Grund zur vehementen Kritik, mehr noch erzeugt es den fahlen Beigeschmack einer Niederlage f\u00fcr die Kl\u00e4ger. Dennoch darf das Urteil des BVerfG nicht ausschlie\u00dflich negativ interpretiert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Richtigerweise hat das Bundesverfassungsgericht festgestellt, dass \u201edie Kontrollkompetenz des Bundestages [\u2026] sich demnach grunds\u00e4tzlich nur auf bereits abgeschlossene Vorg\u00e4nge [erstreckt]\u201c [1]. Tatsache ist, dass dem Bundestag auf Grund des Wortlautes von Art. 26, Abs. 2, Grundgesetz (GG) keine Mitwirkung im Bereich der Genehmigung von zur Kriegsf\u00fchrung bestimmter Waffen und deren Inverkehrbringen einger\u00e4umt wird. Dieses Genehmigungsmonopol liegt ausschlie\u00dflich bei der Bundesregierung. Dem Bundestag erw\u00e4chst hieraus keine Befugnis, sich in die laufenden Verhandlungen und die Entscheidungsvorbereitung der Bundesregierung einzumischen. Hier bestehen lediglich die allgemein zustehenden Kontrollbefugnisse der Abgeordneten gegen\u00fcber der Bundesregierung.<\/p>\n\n\n\n<p>Zugleich hat das Bundesverfassungsgericht richtiger Weise festgestellt, dass die R\u00fcstungsexportkontrolle als Teilbereich des Regierungshandelns aufgrund ihrer au\u00dfenpolitischen Bedeutung nicht von vornherein jeglicher parlamentarischer Kontrolle entzogen ist. Jedoch ist das Parlament in seiner Rolle als Gesetzgebungsorgan schon aus Gr\u00fcnden der Funktionszuweisung in diesem Bereich beschr\u00e4nkt. Eine uferlose Auslegung der Zustimmungs- und Mitwirkungsbefugnisse des Deutschen Bundestages w\u00fcrden die au\u00dfen- und sicherheitspolitische Handlungsf\u00e4higkeit der Bundesregierung einschr\u00e4nken und damit der Gewaltenteilung von Exekutive und Legislative entgegen laufen. [2]<\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus stellte das Gericht treffend fest, dass wesentliche Entscheidungen der Bundesregierung nicht am Bundestag vorbei getroffen werden k\u00f6nnen. Vielmehr ist auch die au\u00dfen- und sicherheitspolitische Handlungsf\u00e4higkeit der Bundesregierung der parlamentarischen Kontrolle unterworfen. [3]<\/p>\n\n\n\n<p>Die R\u00fcstungsexportkontrolle als integraler Bestandteil der Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik wird gem\u00e4\u00df Art. 26, Abs. 2 Satz 1, GG der Zust\u00e4ndigkeit der Bundesregierung zugeordnet. Aber auch durch diese Zuordnung wird das Parlament nicht in seinem Kontrollrecht beschr\u00e4nkt. Hierbei ist zu unterscheiden, dass das Parlament keine Mitwirkungsm\u00f6glichkeit bei der Genehmigung oder dem Inverkehrbringen von R\u00fcstungsg\u00fctern hat. Dies schr\u00e4nkt jedoch nicht die parlamentarische Verantwortlichkeit der Bundesregierung ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Weiterhin stellt das Gericht fest, dass die Beratung und Beschlussfassung im Bundessicherheitsrat dem Kernbereich exekutiver Eigenverantwortung anheimfallen, wobei es den Bundessicherheitsrat als Kabinettsausschuss betrachtet. Ohne ausdr\u00fcckliche verfassungsrechtliche Erm\u00e4chtigung, so das Bundesverfassungsgericht, darf die Bundesregierung im Rahmen ihrer Organisation Kabinettsaussch\u00fcsse bilden, welche gegen\u00fcber dem Regierungskollegium eine vorbereitende und beratende Funktion haben. Allerdings darf ein solcher Kabinettsausschuss kein eigenes Entscheidungsrecht aus\u00fcben. [4]<\/p>\n\n\n\n<p>Nach bisheriger Praxis bereitete der Bundessicherheitsrat als Kabinettsausschuss die Entscheidung des Kabinetts (also der gesamten Bundesregierung) jedoch nicht vor, sondern wurde an dessen Stelle t\u00e4tig. Es erfolgte nach der Befassung des Bundessicherheitsrates keine Entscheidung des gesamten Kabinetts. [5] Folgerichtig k\u00f6nnten sich die Beschl\u00fcsse des Bundessicherheitsrats zur Genehmigung nach dem Kriegswaffenkontrollgesetz (KrWaffG) und dem Au\u00dfenwirtschaftsgesetz (AWG) allein an die zust\u00e4ndigen Fachminister richten, sofern es eine Delegation der Entscheidung an diesen gegeben h\u00e4tte. Dieser Fachminister h\u00e4tte hernach die Genehmigung gegen\u00fcber dem antragstellenden Unternehmen zu erteilen. [6 ]<\/p>\n\n\n\n<p>Gem\u00e4\u00df Art. 26, Abs. 2 Satz 1, GG d\u00fcrfen zur Kriegsf\u00fchrung bestimmte Waffen nur mit Genehmigung der Bundesregierung hergestellt bef\u00f6rdert und in Verkehr gebracht werden. Die Bundesregierung ist gem\u00e4\u00df Art. 62 GG ein Kollegialorgan, das dem Bundeskanzler und den Bundesministern besteht. [7] Folgerichtig ist bei einer Entscheidung der Bundesregierung grunds\u00e4tzlich davon auszugehen, dass es eines Beschlusses des gesamten Kabinetts bedarf. Nur ausnahmsweise k\u00f6nnten unter dem Begriff der Bundesregierung auch jeweils ressortzust\u00e4ndige Minister verstanden werden, wenn Sinn und Zweck der jeweiligen Regelung eine solche Auslegung gebieten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Gericht stellte hierzu fest, dass die Delegation der Genehmigungserteilung auf einzelne Minister nicht mit Art. 26, Abs. 2 Satz 1, GG vereinbar und in Konsequenz daraus \u00a7 11 Abs. 2 KrWaffG verfassungswidrig sei. [8]<\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn die Entscheidung der Richter des Bundesverfassungsgerichts von R\u00fcstungsexportkritiker\/innen anders erhofft war, zwingt das Urteil die Bundesregierung immerhin ihre bislang nicht verfassungskonforme Praxis zu \u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kampagne \u201eAktion Aufschrei \u2013 Stoppt den Waffenhandel\u201c bietet der Richterspruch zuk\u00fcnftig die Chance, der Bundesregierung \u2013 trotz der einer Entscheidung vorgelagerten Geheimhaltungsrechte \u2013 die Regierung in Erkl\u00e4rungsnot zu bringen. So muss die CDU\/CSU\/SPD-gef\u00fchrte Bundesregierung darlegen, weshalb ein entsprechendes Exportunterfangen so geheimhaltungsw\u00fcrdig ist. Schlie\u00dflich gibt die Regierung vor, sie w\u00fcrde nur mit vertrauensw\u00fcrdigen und verl\u00e4sslichen Nato-Partnern kooperieren. Wir in der Aufschrei-Kampagne k\u00f6nnen bei zahlreichen Anl\u00e4ssen (bei Podiumsdiskussionen, Kundgebungen, Demonstrationen, in Pressemitteilungen u.v.a.m.) auf die Jahrzehnte w\u00e4hrende rechtswidrige Vorgehensweise der Bundesregierung hinweisen, die kommende R\u00fcstungsexportpraxis genauestens beobachten und neuerliche Exportgenehmigungen massiv kritisieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die in diesem Organstreitverfahren behandelte Frage nach den Grenzen des Auskunfts- und der Kontrollrechte des Bundestages kann jedoch auf Dauer keinen politischen Prozess zur Frage mit dem Umgang von R\u00fcstungsexporten in Anbetracht des Friedensgebotes des Grundgesetzes aus Art. 26 Abs. 1 ersetzen, sondern diesen nur begleiten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Anmerkungen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Alle Randnummern beziehen sich auf das Urteil in der Sache 2 BvE 5\/11.<\/p>\n\n\n\n<p>[1] Rn. 138<\/p>\n\n\n\n<p>[2] Rn. 139<\/p>\n\n\n\n<p>[3] Rn. 140<\/p>\n\n\n\n<p>[4] Rn. 143<\/p>\n\n\n\n<p>[5] Rn. 143<\/p>\n\n\n\n<p>[6] Rn. 145<\/p>\n\n\n\n<p>[7] Vgl. Art. 62 GG u. Rn. 145<\/p>\n\n\n\n<p>[8] Rn. 147<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Stephan M\u00f6hrle <\/strong>ist Vertreter der DFG-VK im Tr\u00e4gerkreis der Kampagne \u201eAktion Aufschrei \u2013 Stoppt den Waffenhandel!\u201c, Mitglied im DFG-VK-Landesvorstand Baden-W\u00fcrttemberg und Vorstandsmitglied des R\u00fcstungsInformationsB\u00fcro (RIB e.V.) mit Sitz in Freiburg<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr R\u00fcckfragen: Stephan M\u00f6hrle, Tel. 015222 636 531, E-Mail: <a href=\"mailto:Moehrle@dfg-vk.de\">Moehrle@dfg-vk.de<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>*********<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Erg\u00e4nzungen der DAKS-Redaktion:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Pressemitteilung des <a href=\"http:\/\/www.bundesverfassungsgericht.de\/pressemitteilungen\/bvg14-091.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Bundesverfassungsgerichts<\/a> und der <a href=\"http:\/\/www.bundesverfassungsgericht.de\/entscheidungen\/es20141021_2bve000511.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Wortlaut<\/a> des Urteils<\/p>\n\n\n\n<p>Kommentar von Otfried Nassauer bei \u201eStreitkr\u00e4fte und Strategien\u201c (zu finden u. a. bei <a href=\"http:\/\/www.bits.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">BITS<\/a>): \u201eAlles wie gehabt? R\u00fcstungsexporte nach dem Urteil aus Karlsruhe\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der <a href=\"http:\/\/www.deutschlandfunk.de\/waffenhandel-zwischen-wirtschaftlichen-interessen-und.1148.de.html?dram:article_id=303672\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Deutschlandfunk<\/a> berichtet unter der \u00dcberschrift \u201eZwischen wirtschaftlichen Interessen und moralischen Anspr\u00fcchen\u201c \u00fcber R\u00fcstungsproduktion und -export.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Keine Waffen f\u00fcr Islands Polizei<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Vor knapp einem Jahr, am 2. Dezember 2013 erschoss eine Spezialeinheit der isl\u00e4ndischen Polizei in Reykjavik einen Menschen und das war ein <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/panorama\/verbrechensbekaempfung-islands-polizei-erschiesst-erstmals-einen-menschen-1.1833426\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Novum<\/a> in der j\u00fcngeren Geschichte Islands. Die isl\u00e4ndische Polizei ist sonst sonst vor allem f\u00fcr ihre absolute B\u00fcrgern\u00e4he bekannt, die von der Polizei \u00fcber <a href=\"http:\/\/instagram.com\/logreglan\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Instagram<\/a> dokumentiert wird. Sieht man sie in diesem Zusammenhang vor allem mit kleinen K\u00e4tzchen und Kindern posieren, so tauchen Kleinwaffen dabei nicht auf. Das hat Gr\u00fcnde, schlie\u00dflich stehen den Beamten zwar Pistolen des \u00f6sterreichischen Herstellers Glock zur Verf\u00fcgung, diese nehmen sie jedoch nicht mit auf Streife, sondern deponieren diese in den Polizeidienststellen. Trotzdem gibt es nun <a href=\"http:\/\/icelandreview.com\/de\/news\/2014\/10\/21\/polizei-island-zukuenftig-bewaffnet\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Ger\u00fcchte<\/a>, laut denen die Polizisten k\u00fcnftig bewaffnet auf Streife gehen sollen. Die fraglichen Waffen \u2013 250 Heckler &amp; Koch Maschinenpistolen des Typs MP5 \u2013 wurden durch das <a href=\"http:\/\/icelandreview.com\/de\/news\/2014\/10\/23\/island-bezahlt-fur-maschinenpistolen\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">norwegische Milit\u00e4r<\/a> zur Verf\u00fcgung gestellt. Die genauen Hintergr\u00fcnde \u00fcber die Waffenbeschaffung sind unklar und so erstaunt es nicht, dass das es Proteste gibt. Der <a href=\"http:\/\/icelandreview.com\/de\/news\/2014\/10\/24\/reykjaviker-buergermeister-will-keine-polizeiwaffen\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">B\u00fcrgermeister<\/a> von Reykjavik hat erkl\u00e4rt, er wolle nicht, dass die Polizei bewaffnet wird und via Facebook hat sich die B\u00fcrgerbewegung \u201e<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/pages\/Skilum-byssunum\/351183485049160?fref=ts\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Skilum byssunum<\/a>\u201c (deutsch etwa: \u201eauf Pistolen verzichten\u201c) formiert. Diese hat mittlerweile knapp 9000 Unterst\u00fctzer gewonnen, und repr\u00e4sentiert damit rund 3% der isl\u00e4ndischen Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Unmut der Bev\u00f6lkerung hat beigetragen, dass Sinn und Zweck dieser f\u00fcr isl\u00e4ndische Verh\u00e4ltnisse massiven Aufr\u00fcstung unklar ist. Hinzu kommt, dass weder die genauen St\u00fcckzahlen der Waffen noch die geplanten End-Empf\u00e4nger bekannt sind und selbst die Frage, ob die Waffen etwas gekostet haben, nicht beantwortet wurde. Urspr\u00fcnglich war behauptet worden, die Maschinenpistolen seien von der norwegischen Armee ausgemustert und als Geschenk an die isl\u00e4ndischen Beh\u00f6rden \u00fcbergeben worden. Dann wurde erkl\u00e4rt, dass ein <a href=\"http:\/\/www.icelandreview.com\/de\/news\/2014\/10\/28\/kuestenwachschiffe-sollen-100-pistolen-bekommen\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Vertrag<\/a> existiert, der eine Kaufsumme von 11,5 Millionen isl\u00e4ndischen Kronen (umgerechnet etwa 75.000 Euro) f\u00fcr die Waffen festh\u00e4lt. Dieser Vertrag sei am 17. Dezember 2013 unterschrieben worden, also knapp zwei Wochen, nachdem erstmals ein Mensch in Island durch Sch\u00fcsse von Polizisten get\u00f6tet worden war.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Reaktion auf die Proteste hat die isl\u00e4ndische <a href=\"http:\/\/grapevine.is\/news\/2014\/11\/21\/a-farewell-to-arms\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">K\u00fcstenwache<\/a> nun angek\u00fcndigt, die bestellten Waffen an Norwegen zur\u00fcckgeben zu wollen. Sollte sich diese Information bewahrheiten, w\u00e4re dies ein hervorragendes Ergebnis der zivilgesellschaftlichen Proteste. Allein, derzeit ist noch unklar, ob diese Nachricht stimmt bzw. auf welche Waffen sich dies bezieht, sprich, ob tats\u00e4chlich alle Maschinenpistolen an Norwegen zur\u00fcckgegeben werden oder ob die isl\u00e4ndische Polizei weiter auf eine Bewaffnung mit diesen Waffen besteht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Heckler &amp; Koch und das Spiel mit der Insolvenz<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Waffenhersteller Heckler &amp; Koch hat keine Insolvenz angemeldet. Am 17. November 2014 hat das Ratingunternehmen Moody\u2019s einen Kurz-Kommentar ver\u00f6ffentlicht, dass es wahrscheinlich sei, dass Heckler &amp; Koch die am 15. November f\u00e4llig gewordene Zinszahlung in H\u00f6he von 30 Millionen Euro leisten k\u00f6nnen wird. Der gleichen Meldung zufolge bleibt die Finanzstruktur jedoch grunds\u00e4tzlich so problematisch, dass eine Anhebung des Ratings nicht erwogen wird. Auch der Einsch\u00e4tzung eines insgesamt negativen Gesamttrends wird nicht widersprochen. Wie es Heckler &amp; Koch gelang, die Finanzmittel aufzubringen, ist v\u00f6llig unbekannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter diesen Umst\u00e4nden scheint es angebracht, die Zeit nicht mit Spekulationen zu verbringen, sondern den Blick auf die nun anstehenden Termine zu richten. So wird am 1. Dezember 2014 vor dem <a href=\"http:\/\/www.lag-baden-wuerttemberg.de\/pb\/,Lde\/Kuendigungen+bei+der+Fa_+Heckler+_+Koch_+Oberndorf+_+Neue+Berufungsverhandlung+vor+dem+Landesarbeitsgericht+in+Freiburg+am+Montag_+1_+Dezember+2014_+13_30+Uhr\/?LISTPAGE=1206040\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Landesarbeitsgericht<\/a> in Freiburg i.Brsg. eine Verhandlung stattfinden, in der die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit der fristlosen K\u00fcndigung zweier Mitarbeiter von Heckler &amp; Koch verhandelt wird. Das Verfahren ist im Zusammenhang mit dem mutma\u00dflich illegalen Export von G36-Schnellfeuergewehren nach Mexiko von Relevanz. Heckler &amp; Koch war in erster Instanz unterlegen. Ein zweiter Termin ist mit dem 15. Mai 2015 gegeben, denn an diesem Datum ist die n\u00e4chste Zinszahlung f\u00e4llig.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Als Friedensfachkraft in der DR Kongo \u2013 eine Bilanz von Reinhard Voss<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Reinhard Voss, ehemaliger Generalsekret\u00e4r der deutschen Sektion von Pax Christi war von 2010 bis 2014 als Berater der Katholischen Kirche f\u00fcr Zivile Konfliktbearbeitung bei der Kommision Justitia et Pax in Kinshasa \/ DR Kongo t\u00e4tig. \u00dcber seine Arbeit hat er ein Tagebuch gef\u00fchrt, das \u00fcber die <\/em><a href=\"http:\/\/www.paderborn.paxchristi.de\/316.6\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><em>Website<\/em><\/a><em> der Pax Christi Bistumsstelle Paderborn einsehbar ist. F\u00fcr den DAKS-Newsletter hat Reinhard Voss nun eine Art R\u00e9sum\u00e9 seiner Arbeit gezogen und ein vorhandenes Interview aktualisiert.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ein aktuell gebliebenes Interview, das nach einem halben Jahr Aufenthalt im Kongo im Fr\u00fchsommer 2011 per E-Mail gef\u00fchrt wurde, aber nie wie vorgesehen im \u201eSauerlandkurier\u201c erschien. Ich habe es jetzt erg\u00e4nzt nach 4 1\/2 Jahren. Michaela Rickerts Fragen von damals k\u00f6nnen uns durchaus in der Bilanz leiten.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Sauerlandkurier: Wie sieht ihre Arbeit bisher aus? Und wie bewerten Sie diese?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Durch meinen abwechslungsreichen Lebenslauf und nat\u00fcrlich meine Studienausbildung decke ich gleich mehrere Felder ab (Geschichte, Sprachen, P\u00e4dagogik, Theologie) und kann so Informationsquelle, Anreger, Autor f\u00fcr Teilaspekte bei Brosch\u00fcren und B\u00fcchern sein. Auch als pers\u00f6nlicher Berater f\u00fcr p\u00e4dagogische, theologisch-pastorale und gesellschaftspolitische Fragen. Es ist ganz gut angelaufen und ich habe als erstes ein Buch von 130 Seiten auf Franz\u00f6sisch zusammen gestellt; da geht es um eine am Evangelium orientierte \u201eaktive Gewaltfreiheit\u201c, was eine Basis meiner k\u00fcnftigen landesweiten Fortbildungs-Arbeit sein wird. Bisher bin ich bin ganz zufrieden. Aber auch gespannt, ob mein Fahrer Recht hat, wenn er sagt, ich k\u00f6nnte noch viel anregen und bewegen in den drei Jahren. Ja, sagte ich, aber in aller Bescheidenheit: Das fand er gerade gut.<\/p>\n\n\n\n<p><em>In der Tat hat sich manches sehr sch\u00f6n entwickelt, besonders eben die Seminarreihe zur biblischen Gewaltfreiheit, basierend auf meinen beiden B\u00fcchern, die 2011\/12 erstellt und in drei Auflagen erschienen sind, zuletzt unterst\u00fctzt durch Misereor (f\u00fcr nochmals 2000 Exemplare zu den ersten 2000). Auch die vielen \u00dcbersetzungen und Berichte nach Deutschland entsprechen meinen Pl\u00e4nen, und ich hoffe auch, den Erwartungen der LeserInnen. Ich h\u00e4tte gern mehr Erfolge in und um Goma gesehen, wo wir ein Gemeinwesen-Projekt beantragt hatten; das aber wegen der kriegerischen Verz\u00f6gerungen bis heute nicht in Gang gekommen ist. Ich tr\u00f6ste mich und die Freunde dort mit einem Wort von Martin Buber: \u201eErfolg ist keiner der Namen Gottes.\u201c Wir haben uns bem\u00fcht und tun dies weiter; und hatten kleine technische, aber gro\u00dfe \u201emenschliche\u201c Erfolge!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sauerlandkurier: Sie sind insgesamt 3 Jahre in Afrika. Welche Projekte und Aufgaben stehen an?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gerade haben wir die erste Halbjahresbilanz mit meiner deutschen Tr\u00e4gerorganisation, der \u201eArbeitsgemeinschaft f\u00fcr Entwicklungshilfe\u201c (K\u00f6ln), gezogen und nun f\u00fcr die drei Jahre drei Schwerpunkte festgelegt: Zun\u00e4chst bereiten wir seit Monaten ein Projekt im Nordkivu (Goma) vor, einer der \u00f6stlichen Provinzen an der Grenze nach Uganda und Ruanda, 2000 km von der Hauptstadt hier entfernt, nur per Flugzeug \u00fcber den Urwald hinweg erreichbar: Ermutigung und wirtschaftliche St\u00e4rkung der Bev\u00f6lkerung unter Nachkriegsbedingungen und teilweise noch Rebellenpr\u00e4senz; das hei\u00dft konkret: Alphabetisierung, Kurse f\u00fcr Gewaltfreiheit und Organisation kultureller und sportlicher Ereignisse zur Gemeinschaftsf\u00f6rderung, Kreditvermittlung, St\u00e4rkung von Kleingewerbe und Handel sowie Wiederherstellung von Stra\u00dfen. Das alles im Umfeld von 50-100 km der Provinzhauptstadt Goma, die bekannt geworden ist durch den Vulkanausbruch vor gut zehn Jahren. Die Folgen sind noch \u00fcberall sichtbar sind; erst jetzt wird der Flugplatz von der Lava befreit und vergr\u00f6\u00dfert. Ich hoffe auf eine F\u00f6rderung von Misereor. Zweitens: Ein ganz neuer Ansatz der St\u00e4rkung der sog. mittleren Ebene der \u201eMultiplikatoren\u201c in allen sechs Kirchenprovinzen des Landes im Sinne der \u201eaktiven Gewaltfreiheit\u201c, die gesucht und gebraucht wird und zu der ich viel an Erfahrung beisteuern kann. Und drittens: Viel \u00dcbersetzungsarbeit hiesiger kirchlicher Dokumente und Stellungnahmen, um die Demokratische Republik Kongo in Deutschland bekannter zu machen und auch die Informationsarbeit \u00fcber Internet zu verbessern. Wahrlich ein anspruchsvolles Programm, aber man muss sich viel vornehmen, um einiges zu erreichen, besonders hier, wo vieles langsamer und oft umst\u00e4ndlicher geht. <em>Hinzu gekommen ist noch die Kooperation mit der katholischen Schulkommission und erste Ans\u00e4tze und Anf\u00e4nge im Gef\u00e4ngnisbereich und bei der Polizei (besseren Umgang und Fairness trainieren).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sauerlandkurier: Wie sehr unterscheiden sich die Arbeitsbedingungen in Afrika von Deutschland?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Oh, das ist wirklich eine wichtige Frage. Gerade hat eine Kollegin in Westafrika, die mit uns ausreiste, deswegen schon nach wenigen Monaten das Handtuch geworfen und ist zur\u00fcck nach Deutschland gegangen. Sie hatte wohl klare Auftr\u00e4ge und schnelle Erfolge gesucht. Ich habe das Gl\u00fcck, im Team eingebunden zu sein, aber doch sehr selbst bestimmt arbeiten zu k\u00f6nnen. Das verschiedene Zeit- und Teamverst\u00e4ndnis ist schon schwierig. Ich habe gelernt zu warten \u2013 so monatelang auf Genehmigung und Druck \u201emeiner\u201c Brosch\u00fcre, oder tagelang auf unser Umzugs-Gep\u00e4ck und sp\u00e4ter mehrfach auf einen Platz im Flugzeug. Es nervt mich allerdings immer noch und ich tr\u00f6ste mich mit dem Satz: \u201eIhr Europ\u00e4er habt die Uhr, wir Afrikaner haben die Zeit!\u201c Man muss halt sehr flexibel sein.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Nach dem ersten schwierigen halben Jahr ist es mit der Integration immer besser und leichter geworden. Durchhalten hilft! Und es sind freundschaftliche Beziehungen unter Kollegen gewachsen, die sich auch in Privatbesuchen zeigten bei mehreren Familien der Kollegen zuhause. Bei einem bin ich sogar Pate eines kleinen Jungen geworden: Etienne Pascal, gerade drei geworden. Und fast alle haben davon profitiert, dass es einen kleinen Solidarit\u00e4tsfonds von uns gab, der aber restlos ersch\u00f6pft ist: f\u00fcr Medikamente, Haussch\u00e4den, Fortbildung, Umzug etc.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sauerlandkurier: Seit vielen Monaten arbeiten Sie nicht nur in Afrika, sondern leben dort auch mit ihrer Frau Margret. Die Lebensumst\u00e4nde, das Klima, die Sprache und vieles mehr sind dort ganz anders. Wie haben Sie sich eingelebt? Wie war die erste Zeit f\u00fcr Sie und ihre Frau?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die erste Zeit muss man einfach \u00fcberstehen, alles ist neu und \u201eanders\u201c. Nie aufregen und rumschreien, egal, was passiert! Es war monatelang so, dass sich eine Liste unerledigter Dinge auft\u00fcrmte, die sich st\u00e4ndig neu auff\u00fcllte, aber mit Geduld schafft man auch das. Drei Monate bei der dritten Wohnung bis zum Mietvertrag, noch mehr f\u00fcr den Kooperationsvertrag, zwei Monate f\u00fcr das Visum, das dann aber auf f\u00fcnf Jahre gilt! Der dreifache Wohnungswechsel war zwingend, da wir jeweils zu viele M\u00e4ngel hatten und jetzt in einem Neubau in der Innenstadt besser aufgehoben sind. Aber es galt alles f\u00fcr die dritte Wohnung an M\u00f6beln von Schreinern machen zu lassen, die in einem anderen Stadtteil direkt an der Stra\u00dfe entlang ihre Miniwerkst\u00e4tten als Genossenschaft haben; auch da verhandeln, warten, schlucken, drohen, sich freuen, sogar danken \u2026 Das Problem sind die zun\u00e4chst 2-bis 3-fach \u00fcberh\u00f6hten Preise f\u00fcr Wei\u00dfe; aber meine Frau ist zur Verhandlungsk\u00fcnstlerin geworden. Dann die t\u00e4glichen Versorgungsprobleme (wie Strom und Wasser) selbst in diesem bevorzugten Stadtteil, wo die Mieten h\u00f6her sind als in Frankfurt oder M\u00fcnchen! Manchmal hatten wir das biblische Gef\u00fchl der \u201esieben Plagen\u201c, aber wir lernten: jeden Tag eine b\u00f6se und gute \u00dcberraschung annehmen. Nicht zu sprechen von den Malariam\u00fccken, den Stra\u00dfenwasserpf\u00fctzen von bis 20-40 cm Tiefe und ganzen Stra\u00dfenseen nach den tropischen Regeng\u00fcssen, die jede Kanalisation \u00fcberfordern \u2026 Wir leben hier sozusagen hinter Stacheldraht (bei uns NATO-Draht) auf der langen Umz\u00e4unungsmauer, was man in Deutschland nur von Hochsicherheitstrakten kennt. Die Diebstahlgefahr bei den riesigen Unterschieden ist zu gro\u00df. So muss man immer auf der Hut sein, eher beim Einkaufen nachrechnen lernen, mit drei W\u00e4hrungen leben: Dollar, Euro und Franc Congolais. Man wird als Wei\u00dfer st\u00e4ndig beobachtet und ist so auch gef\u00e4hrdet; wir lernten deshalb, nie feste und berechenbare Gewohnheiten in der \u00d6ffentlichkeit zu praktizieren. Und sich eher mit dem Auto als zu Fu\u00df zu bewegen, au\u00dfer im direkten Umfeld, wo man bekannt ist bei den Hausw\u00e4chtern, die vor fast jedem Haus sitzen! Andererseits kann man direkt bei den Stra\u00dfenh\u00e4ndler-innen das N\u00f6tigste einkaufen. Besonders durch Margrets Kontakte zur evangelischen Kirche kennt sie mehr als ich die teils armseligen anderen Stadtteile dieser kriegsgesch\u00e4digten, fast zehn Millionen z\u00e4hlenden Metropole, der drittgr\u00f6\u00dften Stadt Afrikas. Sprachen lernen wir beide nebenher, sie Franz\u00f6sisch und ich Lingala. <em>(Ich habe das leider nicht weiter gef\u00fchrt, weil ich es bei meiner Zielgruppe nicht brauchte und weil ich kongoweit vier Sprachen h\u00e4tte lernen m\u00fcssen. So habe ich von meinem ersten Buch eine kleine Sammlung wesentlicher Anregungen in die vier Sprachen Lingala, Kikongo, Swahili und Chiluba \u00fcbersetzen lassen.) <\/em>Schlie\u00dflich und nicht zuletzt gilt es, das 30plus-Klima ertragen zu lernen. Linderung geben die Klimaanlagen und die etwas \u201ek\u00e4ltere\u201c Trockenzeit von Juni bis August (25-30 Grad). Ab 25 Grad abw\u00e4rts frieren die Einheimischen und wir beginnen uns wohl zu f\u00fchlen; dann sind wir auch ziemlich allein im kleinen nahen Schwimmbad. <em>Dieses kleine Bad mit 25 m L\u00e4nge und seinen B\u00e4umen hat uns als Ersatzgarten gedient und wir hatten eine Dauerkarte.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sauerlandkurier: Wo sehen Sie sich und ihre Arbeit in drei Jahren?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich hoffe, einige der drei beschriebenen Ziele erreicht zu haben und danach noch als Berichterstatter in Deutschland und vielleicht gelegentlicher Berater in Afrika gefragt zu sein. Unser Visum gilt immerhin f\u00fcr f\u00fcnf Jahre.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ich stelle fest, dass mehr erreicht wurde als gedacht, dass nach einem Jahr die Vertrauensebene f\u00fcr mehr eigenst\u00e4ndige Arbeit geschaffen war und dass auch viele Bisch\u00f6fe diese Impulse sch\u00e4tzten. Wir gehen etwas m\u00fcde, aber sehr dankbar zur\u00fcck und freuen uns besonders auf unsere gro\u00dfe Familie, die \u00d6kumenische Gemeinschaft in Wethen\/Germete, auf frische Luft, Waldwanderungen und lange autofreie Fahrradwege; auf Ausruhen, auf Arbeiten und Ernten in Garten und Haus, auf Nach-denken und inneres Verarbeiten f\u00fcr neue Schritte im Dritten Lebensalter, das f\u00fcr mich jetzt bald mit dem 65. Geburtstag am 27.7.2014 beginnt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Neue grafische Literatur \u00fcber Krieg, Teil 3<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem in den letzten Newsletter-Ausgaben zwei \u201egraphic novels\u201c \u00fcber den Afghanistankrieg besprochen wurden, soll es nun um die Frage gehen, wie andere Autoren sich mit dem Thema Krieg (kritisch) auseinandergesetzt haben. Am auff\u00e4lligsten f\u00fcr den deutschen Kontext ist dabei der Band \u201e<a href=\"http:\/\/imwestennichts.wordpress.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Im Westen nichts Neues<\/a> \u2013 nach dem Roman von Erich Maria Remarque\u201c von Peter Eickmeyer und Gaby von Borstel (1964 bzw. 1961 geboren). Dieser Band ist im <a href=\"http:\/\/www.splitter-verlag.eu\/im-westen-nichts-neues-graphic-novel.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Splitter<\/a>-Verlag erschienen und stellt eine grafische Umsetzung von Remarques Bestseller dar. Es wurden Szenen aus dem Roman ausgew\u00e4hlt und mit teils neuartigen Bildern und Motiven, teils mit Zitaten anderer Kriegsdarstellungen \u2013 etwa den Pferden in Picassos \u201eGuernica\u201c oder einem der verst\u00fcmmelten Gesichter aus Ernst Friedrichs \u201eKrieg dem Kriege\u201c \u2013 bildlich umgesetzt. Genau genommen handelt es sich bei diesem Band weniger um einen Comic als um eine illustrierte Romangestaltung.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Lesen grafischer Literatur, auch hier bei Eickmeyer und von Borstel, f\u00e4llt sofort auf, dass nun die Worte des Autors mit Bildern ausgedr\u00fcckt oder erg\u00e4nzt werden, dass aber im Unterschied zu den allseits bekannten Verfilmungen dieses Romans Ger\u00e4usche und Stimmen fehlen (und damit auch der L\u00e4rm einer Schlacht). Meiner Ansicht kann dies aber von gro\u00dfem Vorteil sein, weil Autor und LeserInnen dadurch gar nicht erst in Versuchung kommen, das Kampfgeschehen realistisch nachzuzeichnen, wie es in vielen \u201emodernen\u201c Spielfilmen mit Hilfe von allerlei digitaler Tricktechnik geschieht. Das Medium \u201eComic\u201c hat den Vorteil, dass es zwar Bilder gibt, aber die Lesenden weiterhin, wie bei Literatur eben, ihren Beitrag zur Rezeption leisten m\u00fcssen \u2013 durch das Sich-vorstellen der Situation und das Sich-hinein-denken und -f\u00fchlen. Unterhaltung, wie sie bei \u201eharten\u201c, aber angenehm zu sehenden Filmen wie Spielbergs und Hanks \u201eBand of Brothers\u201c oder Fjodor Bondartschuks 3D-Film \u201eStalingrad\u201c erzeugt wird, sieht anders aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Zus\u00e4tzlich wirkt Eickmeyers Zeichenstil einer einfachen Aufnahme der Geschichte und der Ereignisse entgegen. Der Band enth\u00e4lt Szenen, die das Grauen des Kampfes zeigen, etwa, wenn sich in einer riesenhaften Darstellung einer Pupille die K\u00f6rper der im Handgemenge k\u00e4mpfenden Soldaten spiegeln \u2013 ein Stillleben und eine Momentaufnahme von gro\u00dfer Eindringlichkeit. Ebenso verh\u00e4lt es sich mit Bildern von zerrisssenen K\u00f6rpern, die in B\u00e4ume geschleudert wurden, und auch mit dem sich ver\u00e4ndernden, d\u00fcnner werdenden Gesicht des sterbenden Soldaten Franz Kemmerich, das in drei \u201eAufnahmen\u201c gezeigt wird. Beeindruckend ist auch die im Bild sichtbare Weitergabe der Stiefel dieses Soldaten, die den neuen Tr\u00e4gern ja nicht mehr Gl\u00fcck bringen wird. Verwunderlich eigentlich, dass jene Szene nicht aufgenommen wurde, in der nur noch zwei abgerissene H\u00e4nde im Stacheldraht eines so genannten Spanischen Reiters h\u00e4ngen bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Band reiht sich in die neue Sichtweisen bietenden Publikationen ein, die im Gedenkjahr 2014 zu Remarques Werk erschienen, darunter die Neuedition der ersten Ausgabe von \u201eIm Westen nichts Neues\u201c durch Thomas F. Schneider, der dort wie hier ein wichtiges Nachwort beisteuert.<\/p>\n\n\n\n<p>Der franz\u00f6sische Zeichner Jacques Tardi (1946 geboren) ist mit einigen B\u00e4nden \u00fcber den Ersten Weltkrieg ber\u00fchmt geworden, etwa \u201eGrabenkrieg\u201c (urspr\u00fcnglich 1993, erste deutsche Ausgabe 2002 und gerade neu aufgelegt) und \u201eSoldat Varlot\u201c (2001, franz\u00f6sisches Original 1999). Bereits im letzten Jahr gab es von Tardi eine f\u00fcr deutsche LeserInnen neue Publikation zum Thema Krieg, n\u00e4mlich die gemeinsam mit dem Historiker Jean-Pierre Verney erstellte und bei der Edition Moderne mit Sitz in Z\u00fcrich erschienene Chronik \u201e<a href=\"http:\/\/www.editionmoderne.ch\/angebot.php?vl=0&amp;vs=267\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Elender Krieg. 1914-1919<\/a>\u201c. Dabei handelt es sich um die von Martin Budde vorgenommene deutsche \u00dcbersetzung des 2008\/2009 bei Castermann in Br\u00fcssel erschienenen \u201ePutain de guerre!\u201c bzw. um eine zeichnerische Schilderung aller Kriegsjahre und der direkten Nachkriegszeit, noch erg\u00e4nzt durch einen langen historischen \u00dcberblickstext. Wie \u00fcblich spart Tardi nicht mit gr\u00e4sslichen Details und auch die in seinen vorigen Werken zum Thema Stellungskrieg zu findende Verzweiflungshaltung ist in den Bildern und Szenen deutlich sp\u00fcrbar. Ebenso deutlich ist seine Kritik am Militarismus und am Profitdenken der Kriegsgewinnler, aber auch an der Blindheit des \u201ekleinen Mannes\u201c, der den Krieg weiter mit- und dadurch m\u00f6glich macht. Tardi zeigt die Brutalit\u00e4t der Menschen und ihre Opferrolle gleicherma\u00dfen. Durch die Chronik wird noch einmal bewusst, wie lange der Krieg gef\u00fchrt wurde und welche Ver\u00e4nderungen bzw. \u201eErfindungen\u201c in der Zerst\u00f6rungstechnik er mit sich brachte. Die LeserInnen m\u00f6gen beim von Tardi gezeigten Fatalismus und bei der Schilderung von Kriegswaffen nicht immer zustimmen, seine Werke aber bleiben eine beeindruckende bildliche Kriegsdarstellung. (\u00dcbrigens finden sich auch in Tardis Band die von Ernst Friedrich gezeigten verst\u00fcmmelten Gesichter, jene als \u201e\u00a0gueules cass\u00e9es\u201c bezeichneten Kriegsopfer.)<\/p>\n\n\n\n<p>Von dem in Malta geborenen US-Amerikaner Joe Sacco (1960 geboren), der sich vor allem mit gezeichnetem Journalismus bzw. mit Comic-Reportagen einen Namen gemacht hat, ist im letzten Jahr ebenfalls ein Werk \u00fcber den Ersten Weltkrieg herausgekommen, und kein kleines. Mehrere Meter l\u00e4sst sich sein Panorama der Front und der Etappe ausklappen, so dass allein die materielle Gestaltung sehr beeindruckend ist (Titel: \u201e<a href=\"http:\/\/www.editionmoderne.ch\/angebot.php?vl=0&amp;vs=269\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">The Great War<\/a>: July 1, 1916: The First Day of the Battle of the Somme\u201c). Sprechen will ich aber \u00fcber Saccos Band \u201e<a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Safe_Area_Gora\u017ede\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Safe Area Gora\u017ede<\/a>\u201c, dessen <a href=\"http:\/\/www.fantagraphics.com\/browse-shop\/safe-area-gorazde-softcover-ed--3.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">erste Ausgabe<\/a> im Jahr 2000 herauskam. 2010 erschien es \u2013 von Christoph Schuler ins Deutsche \u00fcbersetzt \u2013 unter dem Titel \u201e<a href=\"http:\/\/www.editionmoderne.ch\/angebot.php?vl=0&amp;vflip=&amp;vi=63&amp;vs=269&amp;vsa=49\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Bosnien<\/a>\u201c (ebenfalls bei der Edition Moderne).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Interviews, die Sacco f\u00fcr diesen Band mit in der ostbosnischen Stadt eingeschlossenen Menschen gef\u00fchrt hat, seine Berichte \u00fcber das Leben (und Leiden) der Bev\u00f6lkerung im Krieg sowie seine eigenen Erlebnisse in der Zeit nach den Kampfgeschehnissen orientieren sich immer direkt an den Menschen, die an der Front gelebt haben. Gewaltschilderungen, genauer gesagt brutale Exzesse und Genozid, werden schonungslos beschrieben und im Bild gezeigt. Dass Sacco dabei lediglich f\u00fcr die (muslimisch-)bosnischen Figuren seiner Geschichte Partei ergreift, ist nicht zu bef\u00fcrchten, denn immer wieder kommen serbische Menschen vor, die ebenfalls mit Empathie gezeichnet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Autor \u2013 er selbst sieht seine Texte und Bilder wohl nicht als objektiv an, sondern als <em>eine<\/em> bzw. seine Sichtweise \u2013 bleibt sehr realistisch, was die Kriegsentwicklung und die Schilderung der im Krieg lebenden Menschen angeht. Humanit\u00e4t ist das Thema, und angesichts der krassen Zerst\u00f6rung eines zivilen, friedlichen Lebens wird eben auch ihre Zerst\u00f6rung besprochen. Der Blick auf den Krieg ist, bedingt durch die Perspektive der belagerten und beschossenen Menschen, kein durchgehend pazifistischer. Doch neben den Kampfbeschreibungen und der damit zusammen\u00adh\u00e4ngenden Rechtfertigung von Waffengewalt steht keinerlei Glorifizierung oder Verharmlosung \u2013 im Gegenteil wird erkennbar, wie die Gewalt auf unsichtbare Weise die sozialen Verbindungen inner- und au\u00dferhalb der Gruppe der Bewohner in Gora\u017ede und Umgebung ver\u00e4ndert, verhindert und auch zerst\u00f6rt. Ein Zitat von Sacco macht sehr treffend deutlich, was die LeserInnen in dem Band finden: \u201eIch will, dass die Leser diese Menschen nicht nur als Opfer kennen lernen, sondern als Individuen.\u201c Zus\u00e4tzlich zeigt er die T\u00e4ter in ungesch\u00f6nter Weise, T\u00e4ter zudem, die nicht selten mit Handfeuerwaffen morden und hierbei ihren Opfern sehr nah kommen \u2013 und doch keine menschliche Verbindung zu ihnen mehr zu sp\u00fcren scheinen.<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl es sich bei den drei angesprochenen Werken um Darstellungen unterschiedlicher Kriege und Kriegsparteien handelt, haben sie gemeinsam, dass sie das Leiden der Menschen zeigen, die im Krieg leben (m\u00fcssen) \u2013 immer wieder auch mit Widerspr\u00fcchen und keinesfalls in Schwarzwei\u00df-Malerei. Remarques Soldaten halten weiter aus, ebenso jene bei Tardi, sie sehen sich in einer Maschinerie gefangen. Saccos Menschen, hier im nachgezeichneten Interview dargestellt, sehen milit\u00e4rische Ma\u00dfnahmen durchaus als sinnvoll an und k\u00f6nnen doch in vielen F\u00e4llen nur abwarten und hinnehmen, welche furchtbaren Dinge um sie herum und mit ihnen passieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Keiner der Autoren hat an dem jeweiligen Krieg als Soldat teilgenommen. Sacco ist immerhin Zeitgenosse der Geschehnisse und auch ein Augenzeuge der Kriegsfolgen, Tardi sowie Eickmeyer und von Borstel bearbeiten das Thema aus der Distanz (Remarque allerdings war kurzzeitig Soldat).<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl in beiden hier beschriebenen Kriegen ein gro\u00dfer Teil der Opfer durch Artilleriewaffen get\u00f6tet wurde, ist der Einsatz von Schusswaffen, also Kleinwaffen, ein bedeutender Aspekt, der den allt\u00e4glichen Krieg, die Zerst\u00f6rung des Zusammenlebens und die Feindschaft der \u201eeinfachen\u201c Menschen entscheidend mitbestimmt. Dies zeigen diese drei Werke der grafischen Literatur deutlich. Sie lassen sich als kritische und wache Lekt\u00fcre \u00fcber Krieg bestens empfehlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Schluss ein Buchtipp aus der nahen Vergangenheit: Von Wolfgang Wimmer (Text) und Tschap (Zeichnungen) gibt es aus dem Jahr 1984 einen Rowohlt-Band, der sich zwar eher an junge LeserInnen richtet, aber durchaus helle Einsichten \u00fcber Atomkrieg, \u201ekonventionelle\u201c Kriege und Waffenproduktion liefert: \u201e<a href=\"http:\/\/www.booklooker.de\/images\/cover\/user\/0410\/5415\/Ym4wMTc3.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">R\u00fcstung<\/a> \u2013 vom Anfang der Erde bis zum m\u00f6glichen Ende\u201c. Dort hei\u00dft es (am Beispiel eines kritischen Blicks auf den Trojanischen Krieg) aus dem Mund eines kaltbl\u00fctig seinen Profit planenden Waffenh\u00e4ndlers: \u201eJa, so eine R\u00fcstung h\u00e4lt manche Schlacht aus, der der drinsteckt, meistens nur eine.\u201c Und die auch bei heutigen Waffenfirmen \u201ebeliebte\u201c Belieferung beider Kampfparteien wird salopp angesprochen: \u201eHoppla, nicht dr\u00e4ngeln! Wir haben genug Waffen f\u00fcr alle! Griechen rechts anstellen, Trojaner links!!\u201c Auf die Frage, wer gewinnen wird, antwortet ein Waffenh\u00e4ndler ehrlich: \u201eAuf alle F\u00e4lle wir! Alles, was wir sind und haben, sind und haben wir durch den Krieg, mein Lieber!\u201c \u2013 Der Band ist u. a. in der Universit\u00e4tsbibliothek Freiburg, genauer im Pr\u00e4senzbestand des dortigen R\u00fcstungsInformationsB\u00fcros (<a href=\"https:\/\/katalog.ub.uni-freiburg.de\/opac\/RDSIndex\/Results?type0%5B%5D=ex&amp;lookfor0%5B%5D=id%3A281437327\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">RIB<\/a>) und auch in der Universit\u00e4tsbibliothek Erfurt zu finden (und antiquarisch zu erwerben). Und ein Zitat aus diesem Buch (\u201eHelden kurbeln das Gesch\u00e4ft an.\u201c) eignet sich als Kommentar zum neuen \u201e<a href=\"http:\/\/www.bundeswehr.de\/portal\/a\/bwde\/!ut\/p\/c4\/DcLBDYAgDAXQWVygvXtzC_VCiv0hFVIIQVlf8x6f_HN5Lcmw6lJ45-OyNU6KU0EJCs9wmlI0KHpAN3f0xxO1Xm_kwS1vywfeHdk4\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Wald der Erinnerung<\/a>\u201c in Potsdam.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Island wird es derzeit fr\u00fch dunkel, die Menschen haben also viel Zeit um Zeitung zu lesen und sich zivilgesellschaftlich zu engagieren. Die Folgen sind bemerkenswert: der Versuch die isl\u00e4ndische Polizei mit Maschinenpistolen auszur\u00fcsten und k\u00fcnftig so martialisch bewaffnet auf Streife zu schicken sind gescheitert, nachdem die Proteste gegen diese Pl\u00e4ne nicht aufh\u00f6rten. \u2013 Mehr [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"site-sidebar-layout":"default","site-content-layout":"","ast-site-content-layout":"default","site-content-style":"default","site-sidebar-style":"default","ast-global-header-display":"","ast-banner-title-visibility":"","ast-main-header-display":"","ast-hfb-above-header-display":"","ast-hfb-below-header-display":"","ast-hfb-mobile-header-display":"","site-post-title":"","ast-breadcrumbs-content":"","ast-featured-img":"","footer-sml-layout":"","ast-disable-related-posts":"","theme-transparent-header-meta":"","adv-header-id-meta":"","stick-header-meta":"","header-above-stick-meta":"","header-main-stick-meta":"","header-below-stick-meta":"","astra-migrate-meta-layouts":"default","ast-page-background-enabled":"default","ast-page-background-meta":{"desktop":{"background-color":"var(--ast-global-color-4)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"tablet":{"background-color":"","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"mobile":{"background-color":"","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""}},"ast-content-background-meta":{"desktop":{"background-color":"var(--ast-global-color-5)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"tablet":{"background-color":"var(--ast-global-color-5)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"mobile":{"background-color":"var(--ast-global-color-5)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""}},"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1781","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rib-ev.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1781","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rib-ev.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rib-ev.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rib-ev.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rib-ev.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1781"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/rib-ev.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1781\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1782,"href":"https:\/\/rib-ev.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1781\/revisions\/1782"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rib-ev.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1781"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rib-ev.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1781"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rib-ev.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1781"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}