{"id":1772,"date":"2015-03-01T14:53:00","date_gmt":"2015-03-01T13:53:00","guid":{"rendered":"https:\/\/rib-ev.de\/?p=1772"},"modified":"2024-07-19T15:04:17","modified_gmt":"2024-07-19T13:04:17","slug":"waffenexporte-aechten-den-opfern-eine-stimme-den-taetern-name-und-gesicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rib-ev.de\/?p=1772","title":{"rendered":"\u201eWaffenexporte \u00e4chten \u2013 den Opfern eine Stimme, den T\u00e4tern Name und Gesicht\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p>Rede von J\u00fcrgen Gr\u00e4sslin<\/p>\n\n\n\n<p>anl\u00e4sslich der Verleihung des AMOS-Preises f\u00fcr Zivilcourage 2015<\/p>\n\n\n\n<p>am 1. M\u00e4rz 2015 in der Erl\u00f6serkirche Stuttgart<\/p>\n\n\n\n<p>Liebe Frau Stepper, lieber Herr Helber, lieber Herr Schilling,<\/p>\n\n\n\n<p>sehr geehrter Prof. Dr. Eppler<\/p>\n\n\n\n<p>sehr geehrte Mitglieder und G\u00e4ste der Offenen Kirche W\u00fcrttemberg,<\/p>\n\n\n\n<p>liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde,<\/p>\n\n\n\n<p>liebe Wegbegleiter!<\/p>\n\n\n\n<p>Anl\u00e4sslich der heutigen Verleihung des AMOS-Preises will ich mich meiner Vision einer gerechten und friedlichen Welt an einem einzigen Punkt, zugleich einer entscheidenden Forderung, ann\u00e4hern: dem Stopp des Waffenhandels der Bundesrepublik Deutschland. Seit Jahren schon best\u00e4tigt das Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI), dass Deutschland \u2013 nach den USA und Russland \u2013 auf Platz 3 der Weltwaffenexporteure rangiert. Europameister beim Waffenhandel, was f\u00fcr ein unr\u00fchmlicher Titel.<\/p>\n\n\n\n<p>Jahr f\u00fcr Jahr dokumentiert die Gemeinsame Konferenz Kirche und Entwicklung in ihrem R\u00fcstungsexportbericht eine \u00dcbersicht \u00fcber problematische Empf\u00e4ngerl\u00e4nder deutscher R\u00fcstungsexporte. Zu Ihnen z\u00e4hlten 2013 \u00c4gypten, Algerien, Indien, Indonesien, Irak, Israel, Kolumbien, Libyen, Marokko, Oman, Pakistan, Russland, Saudi-Arabien, Singapur, Turkmenistan, T\u00fcrkei, die Vereinigten Arabischen Emirate und Vietnam. Dankenswerter Weise gewichten die evangelische und die katholische Kirche die Frage von Menschenrechten und die Aspekte von Moral und Ethik bei der Bewertung des Waffenhandels.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Folgen von Waffentransfers an L\u00e4nder wie die genannten sind desastr\u00f6s. Denn die R\u00fcstungsexporte unseres Landes sind die t\u00f6dlichste Form der deutschen Au\u00dfen, Sicherheit- und Wirtschaftspolitik. Das belegen u.a. meine im \u201eSchwarzbuch Waffenhandel. Wie Deutschland am Krieg verdient\u201c publizierten Recherchen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Demnach befinden sich allein vom Schnellfeuergewehr G3 der Heckler &amp; Koch GmbH (H&amp;K) und der Lizenznehmer derzeit rund 15 Millionen Exemplare weltweit im Einsatz. Meine Sch\u00e4tzungen anhand konkreter Fallbeispiele und Kriegsanalysen ergeben, dass bis zum heutigen Tag mehr als 2,1 Millionen Menschen durch Kugeln aus dem Lauf von H&amp;K-Waffen get\u00f6tet worden sind. Abermillionen Menschen haben \u00fcberlebt: Verkr\u00fcppelt und verst\u00fcmmelt, nahezu alle zeitlebens traumatisiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Oberndorfer Waffenschmiede Heckler &amp; Koch ist angesichts dieser Opferzahlen Europas t\u00f6dlichstes Unternehmen. F\u00fcr die vergangenen sechzig Jahre ergibt sich eine durchschnittliche T\u00f6tungsquote von 114 Opfern allein durch den Einsatz von H&amp;K-Waffen \u2013 pro Tag, auch heute. Tendenz steigend angesichts der Nachfolgegeneration mit noch treffgenaueren H&amp;K-Waffen vom Typ MP7, G36, HK416 und HK417.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr mich ist diese Entwicklung ein zentraler Grund, den Fokus auf die Kleinwaffen zu richten, zu denen u.a. Pistolen, Maschinenpistolen, Sturm-, Maschinen- und Scharfsch\u00fctzengewehre z\u00e4hlen. Drei Viertel aller Opfer werden durch den Einsatz von Pistolen und Gewehren get\u00f6tet. Welche Vernichtungskraft allein Scharfsch\u00fctzengewehre entfalten k\u00f6nnen, zeigt das Szenario in \u201eAmerican Sniper\u201c von Clint Eastwood.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch anstatt das martialische Morden US-amerikanischer Soldaten im Irakkrieg kritisch zu reflektieren, werden in diesem Kinofilm die 160 \u201eKills\u201c des Rekordsch\u00fctzen Chris Kyle in Unterhaltungsform heroisiert. Die Opfer bleiben einmal mehr anonym. Das m\u00fcssen sie aus Sicht des Sch\u00fctzen auch, denn Personifizierung schafft Empathie, Entfernung schafft K\u00e4lte und damit vermeintliche Legitimation.<\/p>\n\n\n\n<p>Genau deshalb geht es mir weniger um abstrakte Zahlen \u2013 auch wenn deren Ausma\u00df erdr\u00fcckend ist. Mich interessieren allen voran Einzelschicksale. Um diesem Ziel nahe zu kommen, reise ich seit Jahren in den Schulferien in Krisen- und Kriegsgebiete, zuweilen begleitet von meiner Frau Eva. In Somaliland begegnete ich Samiira Jama Elmi, Abdirahman Dahir Mohamed oder Sirat Jama und ihrem Sohn Mohamed \u2013 zuweilen im h\u00e4uslichen Umfeld, zuweilen in Krankenh\u00e4usern oder Behindertenheimen. Besonders bedr\u00fcckend ist der Gang \u00fcber Massengr\u00e4ber, wo in der Regenzeit Sch\u00e4del, Brustk\u00f6rbe oder Beckenknochen aus dem Erdreich ragen.<\/p>\n\n\n\n<p>In T\u00fcrkisch-Kurdistan traf ich Hayrettin Altun, begleitete ihn bei jedem neuerlichen Besuch auf die Friedh\u00f6fe und an die Gr\u00e4ber seiner zahlreichen von t\u00fcrkischen Sicherheitskr\u00e4ften get\u00f6teten Angeh\u00f6rigen. All diese Menschen verbindet eines: Viele ihrer geliebten Familienangeh\u00f6rigen wurden mit in Deutschland entwickelten Waffen get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei diesen Zusammenk\u00fcnften habe ich mit 220 Opfern des Einsatzes aus Deutschland gelieferter oder in deutscher Lizenz im Ausland nachgebauter G3-Gewehre von Heckler &amp; Koch intensiv Gespr\u00e4che gef\u00fchrt. Ausnahmslos alle von mir interviewten bzw. exemplarisch erstmals in dem Buch <em>Versteck dich, wenn sie schie\u00dfen <\/em>biografierten Menschen sind angesichts der erlebten Kriegsgeschehnisse traumatisiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Lebensaufgabe sehe ich darin, \u00dcberlebenden von R\u00fcstungsexporten und Lizenzvergaben hierzulande eine Stimme zu geben. Denn ihr Schicksal ereignet sich weit weg in Afrika, Asien oder Lateinamerika \u2013 und bleibt bislang weitgehend ungeh\u00f6rt. Die T\u00e4ter in Politik und R\u00fcstungsindustrie m\u00fcssen Name und Gesicht bekommen. Das Massenmorden mit deutschen Kriegswaffen darf nicht l\u00e4nger totgeschwiegen werden!<\/p>\n\n\n\n<p>Opfer sind vielfach M\u00fctter mit ihren Kindern und alte Menschen, die nicht rechtzeitig fliehen k\u00f6nnen, wenn Uniformierte Waffengewalt anwenden. Opfer sind vielfach ethnische Minderheiten, politisch Andersdenkende oder religi\u00f6s Andersgl\u00e4ubige. Muslime, aber auch Christen werden in vielen L\u00e4ndern gedem\u00fctigt, verfolgt, gefoltert, get\u00f6tet. Viele von ihnen werden Opfer staatlicher Gewalt. Verhindern l\u00e4sst sich diese Tortur von Deutschland in Ausnahmef\u00e4llen. Was nicht hei\u00dft, dass wir nicht unsere Stimme erheben, aufkl\u00e4ren und Druck auf die Verantwortlichen aus\u00fcben m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Warum aber unterst\u00fctzt die derzeitige CDU\/CSU-SPD-gef\u00fchrte Bundesregierung \u2013 wie all deren Vorg\u00e4ngerregierungen gleich welcher parteipolitischen Couleur \u2013 Christenverfolgungsregime mit Waffenlieferungen in exorbitantem Umfang? Mit welchem Interesse stabilisiert die amtierende Bundesregierung unter F\u00fchrung der erkl\u00e4rten Christin Angela Merkel beispielsweise die Diktatur in Saudi-Arabien, obwohl das wahhabitische Herrscherhaus in Riad seit Jahren kritische Oppositionelle wie auch vom Islam zum Christentum konvertierte Christen \u00f6ffentlich exekutieren l\u00e4sst?<\/p>\n\n\n\n<p>Scheinheilig erscheint mir auch das politische Handeln eines Volker Kauder, seines Zeichens CDU\/CSU-Fraktionsvorsitzender im Deutschen Bundestag, zugleich Wahlkreisabgeordneter in Rottweil-Tuttlingen. Dort hat Heckler &amp; Koch seinen Stammsitz, auch Rheinmetall Defence (vormals Mauser-Werke) und Diehl Defence produzieren und exportieren Kriegswaffen in alle Welt. Rottweil ist <em>der <\/em>R\u00fcstungswahlkreis der Republik.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Protestant Volker Kauder hat im Vorfeld der letzten beiden Bundestagswahlen 2009 und 2013 Vortr\u00e4ge zur Problematik von Christenverfolgungen gehalten. Zugleich erkl\u00e4rte Kauder, er helfe gerne \u201ebei der Abwicklung von Exportanfragen\u201c. Im September 2009 wurde Kauder ausdr\u00fccklich von Andreas Heeschen, dem Hauptgesellschafter von Heckler &amp; Koch, gelobt: So habe Kauder \u201eimmer wieder die Hand \u00fcber uns gehalten [\u2026], wenn es um Exportgenehmigungen ging\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Zeitgleich hat Heckler &amp; Koch das Christenverfolgungsregime in Saudi-Arabien mit einer hochmodernen G36-Gewehrfabrik hochger\u00fcstet. Christenverfolgung kritisieren und Christenverfolgungsregime mit Waffenlieferungen an der Macht halten \u2013 unaufrichtiger und verlogener kann Politik nicht sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch mit dem neuen Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel ist keine Trendwende erkennbar. War Saudi-Arabien 2012 Hauptempf\u00e4ngerland deutscher Kriegswaffen, so ist es 2013 Algerien. Grund daf\u00fcr sind die Vertr\u00e4ge, die die CDU\/CSU-FDP-gef\u00fchrte Bundesregierung mit dem menschenrechtsverletzenden Regime von Abdelaziz Bouteflika geschlossen hat. In Algerien werden staatlicherseits Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter, Christinnen und Christen unterdr\u00fcckt.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr rund zwei Milliarden Euro wurden bereits Waffen an Algerien geliefert. Weitere Waffentransfers im Volumen von rund acht Milliarden stehen noch aus. Erschreckender Weise setzt der Sozialdemokrat Gabriel die unr\u00fchmliche Tradition der christlich-liberalen Vorg\u00e4ngerregierung ungebrochen fort. Als Bundeswirtschaftsminister hat er im Sommer 2014 zugestimmt, dass Algerien eine ganze Fabrikationsanlage von Fuchs-Transportpanzern von Rheinmetall erh\u00e4lt. Damit bricht er sein Versprechen zur Bundestagswahl 2013, unter ihm gebe es keine weiteren Waffenlieferungen an menschenrechtsverletzende Staaten. Dabei best\u00fcnde rechtlich die M\u00f6glichkeit, geschlossene Vertr\u00e4ge bei Anlass zu k\u00fcndigen und ersatzweise Regresszahlungen zu leisten.<\/p>\n\n\n\n<p>Menschen fl\u00fcchten vor politischer Verfolgung, vor Unterdr\u00fcckung und Folter, aber auch vor Armut und Hunger. Sie fl\u00fcchten vor der Waffengewalt der Kriege und B\u00fcrgerkriege, zumeist in die Nachbarl\u00e4nder. Abertausende von Fl\u00fcchtlingen versuchen Europa zu erreichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Betrachten wir die Empf\u00e4ngerl\u00e4nder deutscher R\u00fcstungsexporte noch unter einem anderen ma\u00dfgeblichen Aspekt. In der Vergangenheit lieferte Deutschland Kriegswaffen beispielsweise an Afghanistan, Iran, Libyen, Somalia und Syrien. Gegenw\u00e4rtig geh\u00f6ren u.a. \u00c4gypten, der Irak und die T\u00fcrkei zu den Empf\u00e4ngerl\u00e4ndern deutscher Waffen. Zu den Herkunftsl\u00e4ndern der Fl\u00fcchtlinge z\u00e4hlten in der Vergangenheit \u00c4gypten, Libyen und die T\u00fcrkei. Zurzeit fliehen die Menschen aus Syrien, Afghanistan, Somalia und dem Irak zu uns. Abertausende Menschen fliehen vor dem Einsatz von Waffen \u2013 auch deutscher Waffen. Mit anderen Worten: Wir produzieren Fl\u00fcchtlinge.<\/p>\n\n\n\n<p>Als am 3. Oktober 2013 vor der K\u00fcste der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa 367 Menschen ertranken, berichteten Fernsehen und Zeitungen erstmals umfassend. In den Medien spielt das tagt\u00e4gliche Sterben eben nur bei besonderem Anlass eine Rolle. Das tagt\u00e4gliche Sterben auf dem Mittelmeer ist zur Normalit\u00e4t verkommen. Auf der Hauptroute durch das Mittelmeer erreichten 2014 etwa 160.000 Menschen den europ\u00e4ischen Kontinent. In eben diesem Jahr kamen mindestens 3500 Menschen bei der Fahrt ums Leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Airbus-Konzern, vormals EADS, hat eine speziellen L\u00f6sungsvorschlag f\u00fcr das \u201eFl\u00fcchtlingsproblem\u201c entwickelt. Momentan errichtet der deutsch-franz\u00f6sische R\u00fcstungsriese eine mehr als 8000 Kilometer lange Grenzsicherungsanlage rund um Saudi-Arabien \u2013 satelliten- und drohnen\u00fcberwacht. Weitere solcher mit High-Tech-Waffen gesicherten Grenzschutzanlagen sollen an den S\u00fcdgrenzen der Maghreb-Staaten und in Osteuropa folgen. Europa schottet sich mehr denn je ab. Fl\u00fcchtlingsabwehr ist f\u00fcr die R\u00fcstungsindustrie l\u00e4ngst ein profitables Milliardengesch\u00e4ft.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Fl\u00fcchtlinge bildet unser Kontinent eine schier unerreichbare Festung. Ma\u00dfgeblich verantwortlich daf\u00fcr ist auch die europ\u00e4ische Grenzagentur FRONTEX. Zu Recht kritisiert die Fl\u00fcchtlingsorganisation PRO ASYL, \u201edass mit den FRONTEX-Eins\u00e4tzen im Mittelmeer und vor der westafrikanischen K\u00fcste das Fl\u00fcchtlingsv\u00f6lkerrecht verletzt wird. FRONTEX-Schiffe dr\u00e4ngen regelm\u00e4\u00dfig Fl\u00fcchtlingsboote zur\u00fcck in Staaten, in denen sie keinen asylrechtlichen Schutz finden k\u00f6nnen. In Staaten wie Libyen droht ihnen die Kettenabschiebung, unmenschliche Haft oder Misshandlungen.\u201c Dabei steht das Beispiel Libyen pars pro toto als eines von mehreren.<\/p>\n\n\n\n<p>Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde,<\/p>\n\n\n\n<p>im Wissen um die menschenverachtende R\u00fcstungsexportpolitik der Bundesregierungen und deren dramatische Folgen haben wir im Jahr 2011 die Kampagne \u201eAktion Aufschrei \u2013 Stoppt den Waffenhandel!\u201c gegr\u00fcndet. Heute sind wir mit 16 Tr\u00e4gerorganisationen und weit mehr als hundert Mitgliedsorganisationen im Aktionsb\u00fcndnis das breiteste B\u00fcndnis gegen Waffenhandel, das es je in Deutschland gegeben hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Erfreulicherweise z\u00e4hlen zu den Mitgliedern im Tr\u00e4gerkreis und im Aktionsb\u00fcndnis vielz\u00e4hlige Organisationen der evangelischen und katholischen Kirche. Aufschrei-Mitglieder sind u.a. die Aktionsgemeinschaft Dienst f\u00fcr den Frieden e. V. (AGDF), Brot f\u00fcr die Welt, der Evangelischer Entwicklungsdienst e. V. (EED) und \u2013 sehr erfreulich \u2013 die Offene Kirche W\u00fcrttemberg.<\/p>\n\n\n\n<p>Unsere zentrale Forderung ist die Erg\u00e4nzung von Artikel 26 (2) des Grundgesetzes um den Passus, wonach Kriegswaffen und sonstige R\u00fcstungsg\u00fcter grunds\u00e4tzlich nicht exportiert werden d\u00fcrfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Schritte dahin sind aus unserer Sicht die Umsetzung folgender Forderungen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>keine R\u00fcstungsg\u00fcter an menschenrechtsverletzende Staaten<\/li><li>keine R\u00fcstungsg\u00fcter an kriegf\u00fchrende Staaten<\/li><li>Exportverbot von Kleinwaffen und Munition<\/li><li>keine Hermesb\u00fcrgschaften f\u00fcr R\u00fcstungsexporte<\/li><li>keine Lizenzvergaben zum Nachbau deutscher Kriegswaffen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Um das Fl\u00fcchtlingselend zu beenden, fordern wir: \u201eGrenzen \u00f6ffnen f\u00fcr Menschen \u2013 Grenzen schlie\u00dfen f\u00fcr Waffen!\u201c An dieser Stelle m\u00f6chte ich all den Kirchengemeinden danken, die bundesweit zurzeit 411 Fl\u00fcchtlingen \u2013 gegen den erkl\u00e4rten Willen des christdemokratischen Bundesinnenministers Thomas de Maizi\u00e8re \u2013 Kirchenasyl gew\u00e4hren.<\/p>\n\n\n\n<p>Mehr und mehr zeichnet sich ab, dass sich die Aufschrei-Kampagne zu einem Erfolgsmodell ohnegleichen entwickelt. Einen ersten gro\u00dfen Erfolg konnten wir \u2013 gemeinsam mit den Aktivistinnen der Kampagne \u201eLegt den Leo an die Kette\u201c \u2013 bereits in den vergangenen beiden Jahren verbuchen:<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdr\u00fccklich dr\u00e4ngten saudi-arabische Milit\u00e4rs auf die Lieferung von 280 Leopard-2-Kampfpanzern. Anf\u00e4nglich hatte die CDU\/CSU\/FDP-gef\u00fchrte Bundesregierung ernsthaft die Genehmigung zum Export schweren Ger\u00e4ts an das wahhabitische Herrscherhaus in Riad erwogen. Mit unserer bundesweit organisierten Gegenkampagne konnte der Export verhindert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 22. Juli 2014 reichten Paul Russmann und ich als Sprecher der Aufschrei-Kampagne \u00fcber unseren Rechtsanwalt Holger Rothbauer Strafanzeige gegen den Kleinwaffenproduzenten Sig Sauer in Eckernf\u00f6rde ein. Die Staatsanwaltschaft Kiel ermittelt seither. Hier besteht der Verdacht, dass das Kriegswaffenkontrollgesetz und das Au\u00dfenwirtschaftsgesetz durch den Export einer gro\u00dfen Zahl von Pistolen in das B\u00fcrgerkriegsland Kolumbien verletzt worden sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenige Tage nach unserer Strafanzeige wurde ein Exportverbot gegen\u00fcber Sig Sauer verh\u00e4ngt, was das ehedem angeschlagene Unternehmen in noch gr\u00f6\u00dfere finanzielle Schwierigkeiten brachte. Jetzt ist in Deutschland endg\u00fcltig Schluss mit der&nbsp;Kleinwaffenproduktion. Einzig Sportwaffen werden noch bei Sig Sauer gefertigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt ist die Zeit gekommen, dass <em>endlich, endlich, endlich <\/em>auch die Staatsanwaltschaft Stuttgart \u2013 f\u00fcnf lange Jahre nach meiner Strafanzeige vom April 2010 \u2013 Anklage erhebt gegen die Verantwortlichen von Heckler &amp; Koch! L\u00e4ngst ist bewiesen, dass rund 4500 Sturmgewehre des Typs G36 von Heckler &amp; Koch \u2013 produziert hier auf dem Lindenhof \u2013 in verbotene Unruheprovinzen Mexikos gelangt sind. Das Zollkriminalamt best\u00e4tigt den Bruch des Kriegswaffenkontrollgesetzes.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch hier kann ein erster Erfolg verbucht werden: Im ersten Jahr nach Erstattung meiner ersten Strafanzeige gegen H&amp;K vom April 2010 wurde ab 2011 seitens des Bundeswirtschaftsministeriums ein bis heute w\u00e4hrendes Genehmigungsverbot f\u00fcr Kleinwaffenexporte nach Mexiko verh\u00e4ngt. H&amp;K treffen solche Exportbeschr\u00e4nkungen hart, wie die Betriebsratsvorsitzende aktuell eingestanden hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Die n\u00e4chste gute Nachricht: Der R\u00fcstungsriese Airbus (vormals EADS) verbucht immense Erfolge in der zivilen Luftfahrt, schreibt aber Verluste bei der R\u00fcstungsproduktion. Damit w\u00e4chst der Druck zum Abbau von R\u00fcstungsproduktionskapazit\u00e4ten. Angesichts des gewaltigen Auftragsbestands im Zivilbereich von Airbus kann die Milit\u00e4rproduktion getrost beendet werden \u2013 und das ohne Arbeitsplatzverlust.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch in den Betrieben regt sich Widerstand. Im September 2014 verabschiedete die Delegiertenversammlung der IG Metall Stuttgart eine Resolution \u00fcber R\u00fcstungs- und Waffenexporte. Darin wird massiv kritisiert, dass in Deutschland auch Produkte hergestellt werden, \u201edie ausschlie\u00dflich zum T\u00f6ten von Menschen hergestellt wurden\u201c. Gemessen am Gesamtexportvolumen Deutschlands sei die Summe dennoch \u201evernachl\u00e4ssigbar, entspricht sie doch gerade einmal 0,6% der gesamten deutschen Exporte. Auch ist die Anzahl der Arbeitspl\u00e4tze in der R\u00fcstungsindustrie eher gering (Sch\u00e4tzungen liegen bei 80.000 bis 100.000), aber die moralische Komponente dieser Produktion ist doch sehr bedr\u00fcckend. Denn: R\u00fcstungsproduktion ist kein \u201anormaler\u2018 Industriezweig. Hier werden mit Blut, Mord und Kriegen H\u00f6chstprofite erwirtschaftet \u2013 eine menschenverachtende Produktion.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Weiter hei\u00dft es: \u201eWir verurteilen R\u00fcstungsproduktion und R\u00fcstungsexporte\u201c. Die IG Metall Stuttgart fordert ein \u201etotales Verbot des Exports von Kleinwaffen! [\u2026] Langfristig w\u00e4re w\u00fcnschenswert, R\u00fcstungsproduktion und R\u00fcstungsexporte ganz abzuschaffen. Denn: R\u00fcstungsproduktion ist menschenverachtend sowie eine ungeheure unn\u00fctze Verschwendung von Ressourcen aller Art.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Arbeitsplatzverluste in der R\u00fcstungsindustrie sollen durch Wandlung in Arbeitspl\u00e4tze zur Herstellung ziviler, gesellschaftlich notwendiger Produkte kompensiert werden. Die Konversionsdebatte m\u00fcsse \u201ein den R\u00fcstungsbetrieben nachhaltig gef\u00fchrt werden. Hier \u00fcbernimmt die IG Metall eine aktive und steuernde Rolle\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Positiv erw\u00e4hnt sei an dieser Stelle auch der Arbeitskreis R\u00fcstungskonversion der w\u00fcrttembergischen Landeskirche, von dem ich mir wichtige Impulse erhoffe.<\/p>\n\n\n\n<p>Und noch eine Tatsache, die Mut macht: 78 Prozent der Deutschen sind laut einer repr\u00e4sentativen Emnid-Umfrage f\u00fcr einen v\u00f6lligen Stopp des Waffenhandels. Wir sind die Mehrheit, diese gilt es zu mobilisieren!<\/p>\n\n\n\n<p>In einer Umfrage f\u00fcr das <em>ZDF<\/em>-Politbarometer vom 27. Februar 2014 lehnen sogar 89 Prozent der Befragten Waffenlieferungen der USA an die Ukraine ab. Wir sind in Deutschland \u2013 wohlgemerkt der drittgr\u00f6\u00dfte Waffenh\u00e4ndler der Welt \u2013 auf einem guten Weg. Letztlich m\u00fcssen Waffenexporte aus ethischen und moralischen Gr\u00fcnden nicht nur verboten, sie m\u00fcssen ein f\u00fcr allemal ge\u00e4chtet werden \u2013 in Deutschland, weltweit!<\/p>\n\n\n\n<p>Liebe Mitglieder der OFFENEN KIRCHE W\u00fcrttemberg, mit dem AMOS-Preis 2015 f\u00fcr Zivilcourage geehrt zu werden, der an den weitsichtigen Propheten Amos erinnert, ist mir Ehre und Ansporn zugleich. Vorgeschlagen hat mich Frau Mai D\u00fcrr aus T\u00fcbingen, der ich von Herzen danke.<\/p>\n\n\n\n<p>Sehr herzlich bedanken m\u00f6chte ich mich bei der Jury und allen Beteiligten f\u00fcr meine Wahl zum Tr\u00e4ger des AMOS-Preises 2015. Zu guter Letzt will ich meiner geliebten Ehefrau Eva danken. Ohne sie, ihre Liebe, ihre Kraft, ihre Zuwendung und Unterst\u00fctzung st\u00fcnde ich nicht hier oben. Danken will ich nicht minder herzlich euch Friedensfreundinnen und Friedensfreunden, die ihr uns auf unserem Weg aktiv begleitet.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich verstehe diesen Preis f\u00fcr Zivilcourage als Ansporn f\u00fcr mich und alle Mitstreiter in der Aufschrei-Kampagne, den M\u00e4chtigen in der Politik und der R\u00fcstungsindustrie mutig und aufrichtig entgegen zu treten und somit f\u00fcr eine gerechtere und friedlichere Welt einzutreten.<\/p>\n\n\n\n<p>Lassen Sie mich enden mit einem Zitat von Mahatma Gandhi.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eZuerst ignorieren sie dich,<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>dann lachen sie dich aus,<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>dann bek\u00e4mpfen sie dich,<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>dann gewinnst du.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wir befinden uns derzeit in Phase drei \u2013 Phase vier wird folgen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rede von J\u00fcrgen Gr\u00e4sslin anl\u00e4sslich der Verleihung des AMOS-Preises f\u00fcr Zivilcourage 2015 am 1. M\u00e4rz 2015 in der Erl\u00f6serkirche Stuttgart Liebe Frau Stepper, lieber Herr Helber, lieber Herr Schilling, sehr geehrter Prof. Dr. Eppler sehr geehrte Mitglieder und G\u00e4ste der Offenen Kirche W\u00fcrttemberg, liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde, liebe Wegbegleiter! Anl\u00e4sslich der heutigen Verleihung des AMOS-Preises [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"site-sidebar-layout":"default","site-content-layout":"","ast-site-content-layout":"default","site-content-style":"default","site-sidebar-style":"default","ast-global-header-display":"","ast-banner-title-visibility":"","ast-main-header-display":"","ast-hfb-above-header-display":"","ast-hfb-below-header-display":"","ast-hfb-mobile-header-display":"","site-post-title":"","ast-breadcrumbs-content":"","ast-featured-img":"","footer-sml-layout":"","ast-disable-related-posts":"","theme-transparent-header-meta":"","adv-header-id-meta":"","stick-header-meta":"","header-above-stick-meta":"","header-main-stick-meta":"","header-below-stick-meta":"","astra-migrate-meta-layouts":"default","ast-page-background-enabled":"default","ast-page-background-meta":{"desktop":{"background-color":"var(--ast-global-color-4)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"tablet":{"background-color":"","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"mobile":{"background-color":"","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""}},"ast-content-background-meta":{"desktop":{"background-color":"var(--ast-global-color-5)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"tablet":{"background-color":"var(--ast-global-color-5)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"mobile":{"background-color":"var(--ast-global-color-5)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""}},"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1772","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rib-ev.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1772","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rib-ev.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rib-ev.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rib-ev.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rib-ev.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1772"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/rib-ev.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1772\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1773,"href":"https:\/\/rib-ev.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1772\/revisions\/1773"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rib-ev.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1772"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rib-ev.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1772"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rib-ev.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1772"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}