{"id":1677,"date":"2016-05-30T11:51:00","date_gmt":"2016-05-30T09:51:00","guid":{"rendered":"https:\/\/rib-ev.de\/?p=1677"},"modified":"2024-07-19T15:03:51","modified_gmt":"2024-07-19T13:03:51","slug":"daks-newsletter-mai-2016-ist-erschienen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rib-ev.de\/?p=1677","title":{"rendered":"DAKS-Newsletter Mai 2016 ist erschienen!"},"content":{"rendered":"\n<p>W\u00e4hrend die Armee aufr\u00fcstet geraten R\u00fcstungskritiker ins Visier der Staatsanwaltschaft? \u2013 Was wie ein Plot aus einer Bananenrepublik anmutet, passiert gerade heute in Deutschland: gegen Daniel Harrich, J\u00fcrgen Gr\u00e4sslin und Danuta Harrich-Zandberg, die Autoren des Buches \u201eNetzwerk des Todes\u201c wird von Seiten der Staatsanwaltschaft M\u00fcnchen ermittelt. W\u00e4hrenddessen wird der Bundeswehr eine Erh\u00f6hung des Etats in Aussicht gestellt, damit lang ersehnte neue Waffen gekauft werden k\u00f6nnen. \u2013 Mehr im neuen Newsletter!<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Weiterempfehlen: Wenn Sie den Kleinwaffen-Newsletter abonnieren wollen<br>(als kostenlose E-Mail), senden Sie uns einfach eine <a href=\"mailto:daks-news@rib-ev.de?subject=Kleinwaffen-Newsletter\">Mail<\/a> mit dem Stichwort<br>\u201eKleinwaffen-Newsletter\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>DAKS-Newsletter Mai 2016<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pressefreiheit in Gefahr?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Seit 2006 kauft der deutsche Fiskus CDs mit den Datens\u00e4tzen von \u201eSteuers\u00fcndern\u201c. Die Kosten in H\u00f6he von jeweils mehreren Millionen Euro rechnen sich, da die so erlangten Informationen ausgewertet werden k\u00f6nnen und eventuell Nachforderungen erhoben werden k\u00f6nnen. Das Vorgehen sorgte f\u00fcr gro\u00dfes Aufsehen und internationale Verwicklungen, da die Schweiz gegen solche Wirtschaftsspionage protestierte. Gleichzeitig kam es in Deutschland zu verschiedenen Klagen, da sich die von Klagen bedrohten Steuerhinterzieher juristisch zu wehren versuchten. Die vorgebrachten Argumente hatten einiges f\u00fcr sich. So wurde etwa argumentiert, die Erhebung der Daten, die zur Anklage gef\u00fchrt haben, sei selbst illegal gewesen und habe geltende, v\u00f6lkerrechtliche Regeln (Wirtschaftsspionage) und Abkommen verletzt. Weiter wurde kritisiert, dass der Bundesnachrichtendienst, der als Zwischenh\u00e4ndler und Vermittler in diesem Datengesch\u00e4ft aufgetreten sei, zu solchen Gesch\u00e4ften nicht berechtigt sei und dass die im Endeffekt erfolgte Kooperation von Bundesnachrichtendienst, Steuerbeh\u00f6rden und Staatsanwaltschaft gegen das Trennungsgebot dieser Instanzen versto\u00dfe.<\/p>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dflich besch\u00e4ftigte sich das Bundesverfassungsgericht (BVerfG, Beschluss der 1. Kammer des Zweiten Senats vom 09. November 2010 \u2013 <a href=\"http:\/\/www.bverfg.de\/e\/rk20101109_2bvr210109.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">2 BvR 2101\/09<\/a>) mit dieser Causa und erkl\u00e4rte, dass alles nicht so schlimm sei. Selbstverst\u00e4ndlich d\u00fcrfte der deutsche Fiskus die Daten verwenden, Steuern nachfordern und Steuerhinterzieher strafrechtlich belangen. In einer Pressemitteilung wurde die Entscheidung mit den Worten zusammengefasst:<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>\u201eEin Beweisverwertungsverbot bestehe selbst dann nicht, wenn bei der Datenbeschaffung nach innerstaatlichem Recht rechtswidrig oder gar strafbar gehandelt worden sein sollte. Auch wenn v\u00f6lkerrechtliche \u00dcbereinkommen umgangen worden sein sollten, sei dies unsch\u00e4dlich, weil sich aus der Verletzung eines v\u00f6lkerrechtlichen Vertrages, der keine pers\u00f6nlichen Rechte gew\u00e4hre, kein Verwertungsverbot ergebe.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Was das alles mit Kleinwaffen zu tun hat? Wie <a href=\"http:\/\/www.juergengraesslin.com\/JG-INFOMAIL-5_Teil2_MEDIENBERICHTE_AUSWAHL.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">im April bekannt<\/a> wurde, ermittelt die Staatsanwaltschaft M\u00fcnchen gegen Daniel Harrich, J\u00fcrgen Gr\u00e4sslin und Danuta Harrich-Zandberg, die Autoren des Buches \u201e<a href=\"http:\/\/www.randomhouse.de\/Paperback\/Netzwerk-des-Todes\/Juergen-Graesslin\/e492163.rhd\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Netzwerk des Todes<\/a>\u201c, wegen des Verdachts der verbotenen Mitteilung \u00fcber Gerichtsverhandlungen (<a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/stgb\/__353d.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Art. 353d Ziff.3 StGB<\/a>). Soll hei\u00dfen, weil die Autoren in ihrem Buch \u201eamtliche Schriftst\u00fccke\u201c zitierten, die in einem noch nicht abgeschlossenen Strafverfahren eine Rolle spielen sollen, sollen sie nun strafrechtlich belangt werden. Der Umstand, dass erst die Recherchen des AutorInnen-Trios das Strafverfahren gegen Heckler &amp; Koch-Mitarbeiter ausgel\u00f6st hat bzw. dass von den Autoren (J\u00fcrgen Gr\u00e4sslin) selbst eine entsprechende Klage eingereicht worden ist und er insofern Prozessbeteiligter ist, spielt in diesem Zusammenhang keine Rolle. Vielleicht w\u00e4re es der Staatsanwaltschaft lieber gewesen, wenn \u201eNetzwerk des Todes\u201c nicht \u00fcber potentielle Verst\u00f6\u00dfe gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz, sondern gegen das Steuerrecht berichtet?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der verknotete Revolver: zum Tod von Carl Fredrik Reutersw\u00e4rd<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Durch den Revolver, mit dem man nicht schie\u00dfen kann, wurde er ber\u00fchmt, der schwedische Maler und Bildhauer Carl Fredrik <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Carl_Fredrik_Reutersw\u00e4rd\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Reutersw\u00e4rd<\/a>. 1934 wurde er in Stockholm geboren, studierte in Frankreich, hatte einen Lehraufenthalt in den USA und war mit prominenten K\u00fcnstlern und Schriftstellern wie Lennon, Sarte und Dal\u00ed befreundet. Nun ist er Anfang Mai 81-j\u00e4hrig im s\u00fcdschwedischen Landskrona gestorben. Das Kunstwerk, das ihn in aller Welt bekannt machte, tr\u00e4gt den einfachen Namen \u201e<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Non-Violence_(sculpture)\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Non Violence<\/a>\u201c und hat auch ein einfaches Konzept: Einem Revolver wird der Lauf verdreht, so dass niemand mehr damit schie\u00dfen kann. Der Wunsch nach einer friedlichen Welt wird hier durch konkrete Abr\u00fcstungsvorstellungen ausgedr\u00fcckt. Es wird zwar nicht nach Ursachen oder Strukturen der Gewalt gefragt, aber immerhin ist die Botschaft eindeutig und klar: Keine Gewalt! Und Reutersw\u00e4rd hat als Beispiel die Schusswaffe gew\u00e4hlt, also nicht Gro\u00dfwaffen wie Panzer oder Flugzeuge oder gar Atomwaffen, sondern die Waffenart, mit der am meisten Menschen weltweit get\u00f6tet und ermordet werden, die Kleinwaffe.<\/p>\n\n\n\n<p>17 Exemplare von \u201eNon Violence\u201c gibt es, sie stehen etwa in New York vor dem Geb\u00e4ude der Vereinten Nationen, aber auch in Berlin. Warum Kanzler Schr\u00f6der eine solche Skulptur gewidmet bekam, fragt man sich, er, der als erster Kanzler nach dem von Deutschland verbrochenen Zweiten Weltkrieg wieder Angriffsbefehle an deutsche Soldaten gab (und wieder gegen Menschen in Serbien), also ein eindeutiger Bellizist! 2003 soll Schr\u00f6der dann ein Nein gegen den dritten Irak-Krieg ge\u00e4u\u00dfert haben \u2013 die stille Beteiligung Deutschlands an diesem Krieg, die organisatorische Hilfe und die \u00dcberflugrechte, sicher auch Beteiligung an Menschenrechtsverbrechen, begangen in geheimen Gef\u00e4ngnissen der USA und ihrer Alliierten, zeichnen ein g\u00e4nzlich anderes Bild. (Aber auch Drohnenkriegsverbrecher Barack Obama durfte ja Friedensnobelpreistr\u00e4ger bleiben.) Schr\u00f6der wird die Skulptur in seinem Kanzlergarten gefreut haben.<\/p>\n\n\n\n<p><a><\/a> Nichtsdestotrotz hat die verknotete Pistole ihre Aussagekraft nicht verloren, sie steht f\u00fcr die Idee, dass die Waffen unbrauchbar gemacht werden m\u00fcssen (oder gar nicht erst produziert werden d\u00fcrfen). Denn solange es Waffen gibt, wird damit geschossen, werden Menschen traumatisiert, verletzt und get\u00f6tet. Krieg und Gewalt gehen eben nicht ohne das entsprechende Material. Konversion ist die Parole f\u00fcr die Herren von Heckler &amp; Koch, von Walther, SIG Sauer und anderen Produzenten des Todes! Danke daf\u00fcr an Carl Fredrik Reutersw\u00e4rd.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Bundeswehr r\u00fcstet auf und keiner fragt, warum?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Bundeswehr soll qualitativ und quantitativ aufger\u00fcstet werden \u2013 und alle finden es gut. Zumindest l\u00f6ste die Forderung von Verteidigungsministerin von der Leyen, die Truppenst\u00e4rke der Bundeswehr erstmals seit dem Ende des Kalten Kriegs zu erh\u00f6hen und bis zum Jahr 2020 zus\u00e4tzliche 10,2 Milliarden Euro in neue Waffen zu investieren, keinen Sturm der Entr\u00fcstung aus, sondern Applaus. Die Planungen f\u00fcr eine entsprechende Erh\u00f6hung sind bereits seit<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.bundeswehr-journal.de\/2015\/rund-14-milliarden-euro-mehr-fuer-den-verteidigungsetat\/\" target=\"_blank\"> Mitte vergangenen Jahres<\/a> bekannt, doch noch immer werden die entsprechenden Planungen nicht hinterfragt. Die These etwa, die <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.welt.de\/debatte\/kommentare\/article150542993\/Die-Bundeswehr-ist-kaputt-gespart-worden.html\" target=\"_blank\">Bundeswehr sei kaputt gespart<\/a> worden, scheint angesichts des relativ stabilen Verteidigungshaushalts der vergangenen Jahre irritierend.<\/p>\n\n\n\n<p><em>(geplante) Entwicklung des Verteidigungshaushalts 2011-2017<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table><tbody><tr><td>Jahr<\/td><td>Verteidigungshaushalt in Milliarden Euro<\/td><td>Bundeshaushalt in Milliarden Euro<\/td><td>Anteil des Verteidigungs\u00adhaus\u00adhalts am Bundes\u00adhaushalt in Prozent<\/td><\/tr><tr><td>2011<\/td><td>31,55<\/td><td>319<\/td><td>10,3<\/td><\/tr><tr><td>2012<\/td><td>31,87<\/td><td>307<\/td><td>10,4<\/td><\/tr><tr><td>2013<\/td><td>33,26<\/td><td>308<\/td><td>10,8<\/td><\/tr><tr><td>2014<\/td><td>32,43<\/td><td>295<\/td><td>10,9<\/td><\/tr><tr><td>2015<\/td><td>32,97<\/td><td>307<\/td><td>10,7<\/td><\/tr><tr><td>2016<\/td><td>34,3<\/td><td>317<\/td><td>10,8<\/td><\/tr><tr><td>2017<\/td><td>39,2<\/td><td>325<\/td><td>12,06<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p>Gewiss geh\u00f6rt Klappern zum Gesch\u00e4ft und es w\u00e4re wohl zuviel verlangt, von einer Ministerin zu verlangen, dass sie \u00f6ffentlich bekundet, mit ihrem Etat zufrieden zu sein. Andererseits \u2013 beklagen Bundeswehr-Strategen nicht immer wieder die fatale Asymmetrie, unter der die Soldaten bei ihren Auslandseins\u00e4tzen zu leiden haben? Auf der einen Seite hochtechnologisch ger\u00fcstete, gut ausgebildete und gut versorgte Soldaten, auf der anderen Seite nur feige und hinterh\u00e4ltige Terroristen mit rostigen Kalashnikovs? Wozu ben\u00f6tigt die Bundeswehr dann neue Waffen? Um die Asymmetrie weiter zu erh\u00f6hen? Die Frage, was f\u00fcr Waffen aktuell beschafft werden sollen, scheint relevant, da sich die Neubeschaffungen sonst schlicht als versteckte Subvention der ebenfalls darbend-klagenden deutschen R\u00fcstungsindustrie erweisen k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>30 Jahre R<\/strong><strong>\u00fcstungstr\u00e4ume \u2013 R\u00fcstungsplanung: Mit den Tr\u00e4umen von gestern zu den Waffen von morgen f\u00fcr die Kriege von \u00fcbermorgen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>von Otfried Nassauer<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00bbEin Mensch erhofft sich fromm und still, dass er einst kriegt, was er will. Bis er dann doch dem Wahn erliegt und schlie\u00dflich das will, was er kriegt.\u00ab<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Besser als mit den Worten des M\u00fcnchener Pazifisten und Schriftstellers Eugen Roth kann man das empirisch nachweisbare Ergebnis deutscher R\u00fcstungsplanung in den letzten Jahrzehnten kaum beschreiben. Vision\u00e4r sind Roths Worte zudem.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie zweifeln, liebe Leser? Dann lesen Sie selbst: Die l\u00e4ngerfristige Planung der Bundeswehr sieht offiziell vor, dass die Bundeswehr k\u00fcnftig unter anderem mit dem Eurofighter, mit Kampfdrohnen, luftgest\u00fctzter Fernmeldeaufkl\u00e4rung an Bord eines \u00bbBreguet Atlantic\u00ab-Nachfolgers, dem Hubschrauber \u00bbTiger\u00ab oder zum Beispiel mit dem Panzerabwehrraketensystem \u00bbPARS 3\u00ab ausgestattet wird. Vielleicht wird es sogar einen \u00bbLeopard 3\u00ab geben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Planungsdokumente, in die wir geschaut haben, um dies zu erfahren, sind allerdings mehr als 30 Jahre alt. Wir haben nachgelesen, was der damalige Verteidigungsminister Manfred W\u00f6rner in die erste, von ihm zu verantwortende Bundeswehrplanung schreiben lie\u00df, nachdem Helmut Kohl und Hans-Dietrich Genscher im Jahr 1982 eine schwarz-gelbe Koalition gebildet hatten.<\/p>\n\n\n\n<p>Dort steht noch mehr: Der Nachfolger f\u00fcr die \u00bbBreguet Atlantic\u00ab wird ab 1989 zur Beschaffung anstehen, der Tiger ab 1990. Der Eurofighter wird 1995 eingef\u00fchrt, die Kampfdrohne 1997, der Leopard 3 m\u00f6glicherweise schon ab 2000. Die 52.000 Panzerabwehrraketen vom Typ PARS-3 sollen ab 1991 zulaufen. Rund 240 Milliarden DM sollten laut der damaligen Planung binnen 15 Jahren in neue Ausstattung f\u00fcr die Bundeswehr flie\u00dfen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Zahlen aus dem Kalten Krieg. Ihr Kontext ist jene Phase, in der die Nato mit dem sogenannten Rogers-Plan und dem Konzept der \u00bbFollow on Forces Attacks\u00ab (FOFA) die Kriegf\u00fchrung in Mitteleuropa technisch revolutionieren und die Truppen des Warschauer Paktes sowie dessen nach Zehntausenden z\u00e4hlendes Gro\u00dfger\u00e4t mit modernsten Lenk- und Pr\u00e4zisionswaffen schon weit jenseits der Front zerschlagen wollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch trotz des zeitlichen Abstands von 30 Jahren geht es hier keineswegs um \u00bbolle Kamellen\u00ab, die l\u00e4ngst keine Rolle mehr spielen. Das schwant dem Leser sp\u00e4testens, wenn er auch einen Blick in die aktuelle Bundeswehrplanung wagt. Die Beschaffung des Eurofighters und des Tigers sind weiter im Gange. Sie verlaufen alles andere als problemlos. Mit der Einf\u00fchrung der luftgest\u00fctzten Signalaufkl\u00e4rung als \u00bbBreguet Atlantic\u00ab-Nachfolge konnte bislang nicht begonnen werden. Sowohl das hierf\u00fcr vorgesehene Bundeswehr-Vorhaben \u00bbLapas\u00ab als auch die Gro\u00dfdrohne \u00bbEurohawk\u00ab scheiterten. Auch die Kampfdrohne ist weiterhin Zukunftsmusik. Sie soll jetzt nach 2020 eingef\u00fchrt werden. F\u00fcr das Entwicklungsvorhaben Panzerabwehrrakete PARS empfahlen die Berater der KPMG Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen im vergangenen Jahr erfolglos den Abbruch statt einer Beschaffung. Es blieb weiter bei der alten Planung, um zu verhindern, dass der Tiger noch&nbsp;auf Jahre zahnlos bleibt, also auf Eck- und Schneidez\u00e4hne, die&nbsp;Hauptbewaffnung verzichten muss. Auch die Entwicklung eines neuen Kampfpanzers, des Leopard 3, wurde durch die Ukrainekrise und als potentielle Morgengabe f\u00fcr das geplante Zusammengehen der Panzerhersteller KMW und Nexter vor kurzem wieder auf die Tagesordnung gesp\u00fclt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die ollen Kamellen erz\u00e4hlen uns also weit mehr \u00fcber das Ph\u00e4nomen Beschaffungsplanung als den Zust\u00e4ndigen in Bundeswehr, Verteidigungsministerium, Planungs- und Beschaffungsamt lieb sein kann. Sie kennzeichnen deren Planung als von mangelndem Realismus und nur scheinbarer Rationalit\u00e4t gepr\u00e4gt. Sie war oft und in weiten Bereichen Traumt\u00e4nzerei, vielfach gekennzeichnet von einer \u00bbW\u00fcnsch-Dir-was-Mentalit\u00e4t\u00ab, der weder ein sich stetig wandelndes sicherheitspolitisches Umfeld etwas anhaben konnte, noch die&nbsp;Haushaltsrealit\u00e4ten.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese \u00bbW\u00fcnsch-Dir was-Mentalit\u00e4t\u00ab pr\u00e4gte nicht nur die Forderungen des Milit\u00e4rs, sondern auch die politische Einflussnahme, die immer wieder auf diesen Planungsbereich einwirkt. Die Hubschrauber Tiger und NH90 sind beispielsweise Konsequenzen aus Helmut Kohls Wunsch nach einer verst\u00e4rkten deutsch-franz\u00f6sischen R\u00fcstungskooperation in den 1980er Jahren. Industriepolitische Einflussnahme wie im Fall des Transportflugzeugs A400M, insbesondere bei dessen Triebwerk, kommt erg\u00e4nzend hinzu. Ebenso lokal- und regionalpolitische Einflussnahmen, ausge\u00fcbt zum Beispiel durch Parlamentarier, die eine rationale Bundeswehrplanung mit sektoraler oder regionaler Wirtschaftsf\u00f6rderung verwechseln.<\/p>\n\n\n\n<p>Mitunter dauert es nicht nur 20 oder 30 Jahre, bis ein neues, gr\u00f6\u00dferes Waffensystem entwickelt ist und zur Einf\u00fchrung kommt. Selbst nach einem solchen Zeitraum kann es noch immer nicht realisierte Zukunftsplanung oder gar reines Wunschdenken sein. Das zeigen die Beispiele PARS, \u00bbBreguet Atlantic\u00ab-Nachfolge und Kampfdrohne. Die Objekte der Beschaffungsbegierde wechseln offenbar nur selten, wohl aber die zu ihrer Legitimation notwendigen Begr\u00fcndungen. Kontinuit\u00e4t zeigt sich dagegen im Blick auf die industrie- und arbeitsmarktpolitischen Funktionen, die der Beschaffungspolitik immer wieder zugesprochen werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Teil der Absicherung der unterschiedlichen Interessenslagen und der M\u00f6glichkeit ihrer kontinuierlichen Verfolgung ist eine systematische \u00dcberplanung. In der Beschaffungsplanung steht daher regelm\u00e4\u00dfig weit mehr, als die vorhersehbar verf\u00fcgbaren Haushaltsmittel hergeben. Die Beschaffungsplanung der Bundeswehr war von den 1980er bis zu den 2000er Jahren zumeist von systematischer \u00dcberplanung gepr\u00e4gt. Projekte im Multimilliardenumfang standen zwar auf dem Papier, ihre finanzielle und damit praktische Umsetzung dagegen in den Sternen. Verz\u00f6gerungen und Verteuerungen bei laufenden Vorhaben und das ber\u00fchmte \u00bbSchieben, Strecken, Streichen\u00ab f\u00fchrten dazu, dass die Bugwelle jener Projekte, die zwar geplant wurden, aber&nbsp;nicht finanzierbar waren, immer weiter anschwoll.<\/p>\n\n\n\n<p>Selbst ein Einschnitt wie das Ende des Kalten Krieges, die Vereinigung der beiden deutschen Staaten und die daraus folgende Ver\u00e4nderung der sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen und finanziellen Priorit\u00e4ten f\u00fchrten nicht dazu, dass es zu einem grunds\u00e4tzlichen Neuansatz in der Beschaffungsplanung kam. Analog zur schritt- und scheibchenweisen Verkleinerung der Streitkr\u00e4fte wurde auch in der R\u00fcstungsplanung prim\u00e4r geschoben und gestreckt, aber nur&nbsp;notfalls gestrichen. Es sollte rund zehn weitere Jahre dauern, bis die zahlreicher und gr\u00f6\u00dfer werdenden Auslandseins\u00e4tze der Bundeswehr die Notwendigkeit erzwangen, systematischer f\u00fcr diese Eins\u00e4tze geplantes Material in jene finanziellen Freir\u00e4ume zu quetschen, die zwischen den vertraglich gebundenen Alt- und Gro\u00dfprojekten mit langen Laufzeiten noch blieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Erst unter Verteidigungsminister Peter Struck und&nbsp;Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan kam es erstmals zu einem Versuch, diesem jedwedem Realismus spottenden Spuk ein Ende zu setzen. Den Planern wurde aufgegeben, die realit\u00e4tsfernen Formen der \u00dcberplanung aufzugeben. In der Haushaltsplanung f\u00fcr das jeweils kommende Jahr sollte nur noch kleine Auswahl w\u00fcnschenswerter Vorhaben aufscheinen, die man umsetzen k\u00f6nnte, wenn fest eingeplante Mittel nicht verauslagt und daher umgewidmet werden mussten: Die sogenannten \u00bbR\u00f6misch-II-Projekte\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch auch dieser Vorsatz&nbsp;wurde nicht lange durchgehalten. Als nach 2010 immer gravierendere Probleme mit dem Mittelabfluss bei Gro\u00dfprojekten wie dem Eurofighter oder dem A400M entstanden, weil technische oder Projektmanagementprobleme zu sp\u00e4t erkannt oder von der Industrie versp\u00e4tet gemeldet wurden, konnten auch die R\u00f6misch-II-Projekte nicht mehr verhindern, dass verteidigungsinvestive Mittel in Milliardenh\u00f6he an den Bundeshaushalt zur\u00fcckflossen.<\/p>\n\n\n\n<p>In den Haushaltsjahren 2015 und 2016 deutet sich deshalb erneut eine Trendwende an. Die R\u00f6misch-II-Projekte werden wieder zahlreicher, und sie werden umfangreicher. Vermehrt werden wieder Vorhaben eingestellt, die man gerne h\u00e4tte, f\u00fcr die aber im Haushalt entweder noch kein Platz war oder bei denen noch unklar ist, ob sie rechtzeitig vertragsreif gemacht werden k\u00f6nnen. Die R\u00f6misch-II-Projekte bekommen die Funktion von Platzhaltern f\u00fcr das milit\u00e4risch oder politisch W\u00fcnschbare. Zu diesen Vorhaben geh\u00f6ren jetzt auch wieder Schwergewichte wie die Modernisierung von 84 Leopard-2-Panzern oder die n\u00e4chste Entwicklungsphase f\u00fcr ein Taktisches Luftverteidigungssystem. Mit anderen Worten: Es geht um mehr als reine Reserve- und Ersatzprojekte. Manche dieser Vorhaben w\u00fcrden Haushaltsbindungen f\u00fcr die Folgejahre ausl\u00f6sen. Das klassische, so lange desastr\u00f6s wirkende Ph\u00e4nomen der \u00dcberplanung droht zur\u00fcckzukehren.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon m\u00f6glich: Die gro\u00dfe Koalition mag den Beschaffungsplanern als ein geeigneter Zeitraum erscheinen, sowohl eigene als auch seitens der Politik ge\u00e4u\u00dferte W\u00fcnsche nach deutlich h\u00f6heren Verteidigungsausgaben umzusetzen. Genug Geld, um die Summe dieser W\u00fcnsche realisieren zu k\u00f6nnen, wird es jedoch keineswegs geben. Und somit droht zugleich der R\u00fcckfall in jene Beschaffungstr\u00e4ume, die in der Vergangenheit oft genug zu einem Scheitern in der Wirklichkeit beigetragen haben. Mehr Geld ist deshalb kaum die richtige L\u00f6sung.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Otfried Nassauer<\/em> <em>ist freier Journalist und leitet das Berliner Informationszentrum f\u00fcr Transatlantische Sicherheit \u2013 <\/em><a href=\"http:\/\/www.bits.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><em>BITS<\/em><\/a><em>.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bundeswehr im Einsatz: Mali<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Bundestag hat am 12. Mai 2016 die <a href=\"http:\/\/dip21.bundestag.de\/dip21\/btd\/18\/080\/1808090.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Verl\u00e4ngerung<\/a> des Bundeswehr-Einsatzes in Mali beschlossen. F\u00fcr ein weiteres Jahr sollen bis zu 300 Soldaten im Rahmen der von der EU getragenen Mission EUTM (European Union Training Mission Mali) t\u00e4tig sein und Soldaten aus Mauretanien, Mali, Niger, Burkina Faso und dem Tschad ausbilden. Beschlossen wurde damit die geographische Ausweitung der Ausbildungsmission, die k\u00fcnftig auch im Norden Malis stattfinden soll, und die weiterf\u00fchrende Kooperation und Vernetzung mit der parallel in Mali laufenden UN-Mission MINUSMA (Multidimensional Integrated Stabilization Mission in Mali), an der sich die Bundeswehr ebenfalls beteiligt. Nach der bereits am 28. Januar 2016 beschlossenen <a href=\"http:\/\/dip21.bundestag.de\/dip21\/btd\/18\/072\/1807206.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Verl\u00e4ngerung und Ausweitung<\/a> des Bundeswehreinsatzes unter MINUSMA-Mandat k\u00f6nnen damit nun bis zu 950 Bundeswehr-Soldaten in Mali eingesetzt werden. Nach den Bundeswehr-Missionen im Kosovo (bis zu 1850 Soldaten) und in Afghanistan, wo im Rahmen der NATO-Mission Resolute Support bis zu 980 Soldaten eingesetzt werden d\u00fcrfen, ist der Bundeswehr-Einsatz in Mali damit nun eines der gr\u00f6\u00dften \u201eProjekte\u201c der Bundeswehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Rahmen beider Missionen wird Deutschland vor allem auch f\u00fcr den (Selbst-)Schutz der beteiligten Kontingente verantwortlich sein. Es ist den Bundeswehr-Soldaten zu w\u00fcnschen, dass sie in diesem Zusammenhang nicht zu h\u00e4ufig auf Waffen westlicher Provenienz reagieren m\u00fcssen, die ihren Weg aus Lybien nach Mali gefunden haben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bundeswehreins\u00e4tze k\u00fcnftig auch im Inland?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Rahmen der Diskussion \u00fcber ein neues Wei\u00dfbuch zur Sicherheitspolitik gibt es, wie die <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/sicherheit-einsatz-der-bundeswehr-im-inneren-soll-erleichtert-werden-1.2945279\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">S\u00fcddeutsche Zeitung<\/a> berichtet, Tendenzen, die einen Einsatz der Bundeswehr im Inland per Grundgesetz\u00e4nderung erm\u00f6glichen zu wollen. Entsprechende Forderungen sind in den letzten Jahren immer wieder erhoben worden, etwa als Reaktion auf eine m\u00f6gliche Terrorgefahr in Deutschland. Zuletzt hatte Bundesfinanzminister <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/fluechtlingspolitik-schaeuble-stuetzt-kurs-der-kanzlerin-1.2820991\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Wolfgang Sch\u00e4uble<\/a> gefordert, rechtliche Grundlagen f\u00fcr den Einsatz der Bundeswehr im Inland zu schaffen. \u2013 Ausl\u00f6ser f\u00fcr seine Forderungen waren die sexuellen \u00dcbergriffe in der Silvesternacht 2015\/2016 in K\u00f6ln. Wie das <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/deutschland\/bundeswehreinsatz-bei-terrorgefahr-union-will-inlandseinsatz-von-soldaten-erleichtern\/13436432.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Handelsblatt<\/a> berichtet, wurden aus der Innenministerkonferenz bereits Stimmen laut, die eine entsprechende Neuregelung der Einsatzm\u00f6glichkeiten der Bundeswehr begr\u00fc\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die nun \u00f6ffentliche gewordene Diskussion \u00fcber das neue Wei\u00dfbuch, dessen Ver\u00f6ffentlichung noch f\u00fcr dieses Jahr geplant ist, zeigt, dass die verschiedenen Wortmeldungen zum Thema Bundeswehr im Innern aus einem gr\u00f6\u00dferen Zusammenhang heraus betrachtet werden m\u00fcssen: Wie es scheint, geht es nicht um eine reale Notsituation, aus der heraus ein Einsatz der Bundeswehr eventuell n\u00f6tig zu sein scheint, sondern es geht um abstrakte Gedankenspiele, in deren Rahmen nach M\u00f6glichkeiten gesucht wird, Kompetenzen zu schaffen, die derzeit noch nicht bestehen. In diesem Zusammenhang geht es dann nicht darum, die reale politische Situation zu analysieren, sondern darum, Plausibilit\u00e4ten zu schaffen. Die Gr\u00fcnde, die in diesem Zusammenhang genannt werden, sind letzlich beliebig, denn es geht nicht um die Sache, sondern um den Appell ans Bauchgef\u00fchl. Wenn Wolfgang Sch\u00e4uble etwa im Nachgang der Ereignisse der Silvesternacht von K\u00f6ln erkl\u00e4rt, jeder andere Staat w\u00fcrde, wenn die Polizeikr\u00e4fte \u00fcberlastet seien, erw\u00e4gen, Soldaten einzusetzen, um die Sicherheit seiner B\u00fcrger zu gew\u00e4hrleisten, so argumentiert er letztlich vor dem Hintergrund der staatlichen Schutzverantwortung: Der Staat habe die Pflicht, alles zu tun, um Leben, Gesundheit und Menschenw\u00fcrde seiner B\u00fcrger zu sch\u00fctzen und das notfalls auch mit milit\u00e4rischen Mitteln oder milit\u00e4rischem Personal. Sch\u00e4uble kehrt damit die Logik um, aus der heraus der Einsatz der Bundeswehr zur Terrorabwehr gefordert wird. Wenn etwa bei der Diskussion des Luftsicherheitsgesetzes der Abschuss von entf\u00fchrten Passagierflugzeugen erworgen wurde, so beinhaltete dies, dass den entf\u00fchrten Passagieren des Flugzeugs das Recht auf Leben, das aus ihrer Menschenw\u00fcrde resultiert, abgesprochen werden konnte. Dies zeigt, dass Menschenw\u00fcrde keinen unver\u00e4nderlichen Ma\u00dfstab darstellt, an dem sich alle Politik messen muss. Es scheint vielmehr, als sei sie eine Variable, die bem\u00fcht werden kann, wenn immer es opportun erscheint. \u2013 Hauptsache, die Bundeswehr kann k\u00fcnftig auch im Inland eingesetzt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend die Armee aufr\u00fcstet geraten R\u00fcstungskritiker ins Visier der Staatsanwaltschaft? \u2013 Was wie ein Plot aus einer Bananenrepublik anmutet, passiert gerade heute in Deutschland: gegen Daniel Harrich, J\u00fcrgen Gr\u00e4sslin und Danuta Harrich-Zandberg, die Autoren des Buches \u201eNetzwerk des Todes\u201c wird von Seiten der Staatsanwaltschaft M\u00fcnchen ermittelt. 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